Nachgefragt

Glaube als Kompass im Gerichtssaal

Marco Pace
Als Anwalt vertritt Marco Pace Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Warum er gerade dort seinen christlichen Glauben als unverzichtbaren Kompass erlebt und weshalb Jesus sein Verständnis von Gerechtigkeit geprägt hat, erzählt er im Gespräch.

Marco Pace ist Gründer und Leiter der Kanzlei «Pace Legal» in Zug. Er vertritt Klienten bei juristischen Fragen bezüglich Handels- und Strafrecht. Der gebürtige Italiener ist mit einer Tessinerin verheiratet. Welche Rolle spielt der Glaube bei seiner Arbeit als Anwalt? Wie lebt er dabei seinen Glauben? Mit Marco Pace sprach Daniel Gerber.

Marco Pace, wie prägt dein persönlicher Glaube deinen Arbeitsstil?
Marco Pace:
Ich bin Anwalt, Jurist und Rechtsberater. Wie kann ich als Christ – und nicht nur als Jurist – jemanden zu Recht und Gesetz beraten? Diese Frage hilft mir, meine Kunden besser zu begreifen. Manchmal gibt es schwierige Fragen und das Recht ist manchmal schwer nachzuvollziehen. Man muss die Kunden verstehen und erkennen, was sie erleben. Dann kann man ihnen mit dem Glauben dabei helfen, auch die Zukunft zu verstehen. Das Strafrecht ist nicht immer einfach zu verstehen, ebenso wenig wie die Entscheidungen des Richters. Mit dem Recht und der Bibel kann man dabei helfen, dies zu erschliessen. Der Glaube ist sehr hilfreich, wenn ich eine gute Beratung gebe.

Gab es einen Moment, in dem dein Glaube deine Arbeit grundlegend verändert hat?
Manchmal kommt die Frage auf, ob ein Anwalt mit dem Glauben arbeiten kann; es gibt manchmal schwierige Situationen. Wie ist es beispielsweise, wenn jemand schwierige Dinge getan hat und man ihn nicht vertreten möchte? Doch da gilt es, sich daran zu erinnern, dass Jesus auch unser Vertreter ist, wenn wir etwas Schlechtes getan haben. Solche Momente gibt es viele. Jesus ist aber bei uns. Dieses Wissen hat meine Arbeit verändert.

Wie triffst du schwierige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Erfolg und biblischen Werten?
Ich habe mich für die biblische Position entschieden. Wenn man in diesem Bereich bleibt und im Glauben stark ist, muss man keine Angst haben; man wird erfolgreich sein. Es ist nicht immer einfach. Es kann Situationen geben, in denen man denkt, man könnte etwas auch anders machen. Aber es ist besser, wenn man bei der biblischen Idee bleibt. Das bringt auf jeden Fall Erfolg.

Gab es eine Entscheidung, bei der du bewusst «gegen den Strom» gehandelt hast?
Ja, es gibt Momente, in denen man so oder so gegen den Strom schwimmt; leider. Es gibt Dinge, die dem biblischen Fundament widersprechen. Aber die Leute sind auch froh, dass es Menschen gibt, die gegen den Strom schwimmen, denn so bleibt man in biblischer Richtung. Dafür erntet man auch positives Feedback. Es gibt Leute, die sagen: «Ich möchte es wie du machen.»

Es kann auch Momente des Scheiterns geben. Erzähle von einem und wir daraus lernen können.
Ich hatte einmal einen Kunden, der sehr viel gearbeitet hatte. Er konnte sich eine grosse Villa mit schöner Aussicht über Lugano leisten. Dann erfolgte eine Mediation mit seiner Frau. Sie sagte: «Ich brauche nicht mehr Zimmer, ich brauche mehr von dir!» Erfolg bedeutet nicht, dass man immer viel haben muss. Meine Position als Christ lautet: für die Familie da sein und für sie beten statt nur zu arbeiten. Vielleicht lebt man dann in einem kleinen Haus. Ein Auto statt drei ist auch gut. Die anderen Dinge im Leben sind auch wichtig.

Wer hat dich geistlich und beruflich am meisten geprägt?
Ich habe viele Biografien gelesen und tue es immer noch. Daneben lese ich auch viele andere Bücher. Ausserdem schaue ich mir immer wieder Videos über christliche Geschäftsleute und Pastoren an, die der Welt viel gegeben haben. Im Tessin habe ich von anderen viel gelernt, was mir geholfen hat, zu wachsen.

Wie verstehst du deine Berufung im Kontext deiner Arbeit?
Gott schenkt uns Gaben für unsere Position. Mit diesen Gaben können wir Gott dienen.

Welche Entwicklung – sei es international oder ganz in deinem nahen Umfeld – beschäftigt dich im Moment?
Die gesamte Entwicklung im Bereich der KI ist eine grosse Herausforderung. Sie spielt auch in meiner Arbeit eine Rolle. Viele Kunden kommen nach einem Gespräch mit ChatGPT zu mir und haben schon eine Idee, die aber nicht unbedingt die richtige ist. Mit ChatGPT muss man manchmal auch ein wenig «streiten». Man muss verstehen, ob es sich um eine Idee des Kunden oder der KI handelt. Das ist eine Herausforderung.

Was tust du aktiv, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen?
Die Bibel ist das Fundament. Wenn wir stark auf dem Fundament bleiben, können wir die Welt besser aufbauen. Für die eigene Nachfolge und die nächste Generation können wir davon ausgehen, dass es der Welt durch dieses Fundament besser geht und sie eine gute Zukunft hat.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuß geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.

Datum: 06.06.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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