Der gläubige und weise Ökonom
Nicht viele getrauen sich einen Auftritt auf dem kritischen und polarisierenden Portal «Insideparadeplatz». Das Schweizer Finanzportal wurde 2011 vom Wirtschaftsjournalisten Lukas Hässig gegründet und berichtet täglich über den Bankenplatz Zürich und darüber hinaus. Der Blog ist für investigative Recherchen zu Skandalen wie Raiffeisen/Vincenz, aber auch für einen kontroversen Stil bekannt. Das Portal richtet sich an 18'000 Newsletter-Abonnenten und erreicht hohe Klickzahlen.
Beim Interview mit Adriel Jost fragt ihn Lukas Hässig zuerst zur Herkunft seines Vornamens – «Der Name stammt aus dem Alten Testament in der Bibel» und fragt dann gleich, ob das etwas mit dem Glauben zu tun hat: «Ja, sicher mit dem Glauben meiner Eltern. Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und immer noch eine gläubige Person», antwortet Adriel Jost. Er ist in der Innerschweiz in einer täuferischen Freikirche gross geworden. Inwiefern ihn das prägt in dieser Welt, in der wir uns befinden? Adriel Jost: «Es zeigt sich darin, wie man das Leben lebt, welche Bedeutung es hat. Politisch gesehen führt es bei mir einerseits zu freiheitlichen Überzeugungen, spezifisch der Überzeugung, dass jedes Individuum wichtig ist. Andererseits ist mir dadurch auch die wichtige Rolle klar, welche die Werte in der Gesellschaft spielen.»
Ökonomie und die Bibel
In seiner Kolumne für das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» («Der Ökonom») nimmt Adriel Jost auch mal biblische Themen hervor: «Rom feierte im Jahr 2025 das Giubileo, das Heilige Jahr. Millionen von Pilgern werden erwartet. Der Ursprung des Giubileo liegt im jüdischen Jubeljahr. Dieses sah vor, alle 50 Jahre Schulden zu erlassen, enteignetes Land zurückzugeben und die Schuldsklaverei aufzuheben. Ziel war ein umfassender Neuanfang, um damit sozialen Frieden zu ermöglichen. Von einem solchen Neuanfang träumen heute auch Finanzminister. Die weltweite Verschuldung erreicht historische Werte.» Er schiebt die Frage nach: «Könnte ein modernes Jubeljahr die Lösung sein? Eine Art globaler Schuldenschnitt, um einen Neustart zu ermöglichen? Auf den ersten Blick erscheint dies verlockend, doch Schulden sind immer auch Vermögen. Ein Schuldenschnitt würde bedeuten, dass Vermögensbesitzer verzichten. Die ursprüngliche Idee des Jubeljahrs hatte dabei eine stark soziale Komponente.» Und schiebt nach: «Angesichts der Ausweglosigkeit der Schuldensituation gilt es, sich auf solche «Jubeljahre» vorzubereiten. Zu jubeln wird es dabei nichts geben. Es bleibt zu hoffen und sich dafür einzusetzen, dass diese Jubeljahre tatsächlich zu einem echten Neuanfang führen.»
Ökonom, Berater und Autor
Klarsicht in Wirtschaftsfragen: Mit dieser Eigenschaft bezeichnet sich Adriel Jost auf seiner Homepage. Der 40-jährige Adriel Jost positioniert sich als unabhängige, frische Ökonomen-Stimme «für einen unverstellten Blick auf das, was kommt». Er ist Fellow am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universität Luzern (IWP), Lehrbeauftragter an der Universität St. Gallen (HSG) und tritt regelmässig als Experte in den Medien auf. Als Stiftungsrat und Vorsitzender der Anlagekommission überwacht er die Anlagepolitik der christlich-ethischen Pensionskasse Prosperita. Früher war er unter anderem acht Jahre als Berater des Vizepräsidenten des SNB-Direktoriums und als Chefökonom bei Wellershoff & Partners tätig. Er hat an der Universität St. Gallen (HSG) in politischer Ökonomie promoviert und hat einen Abschluss in Theologie (BD University of London).
Adriel Jost engagiert sich auch als Präsident der Denkfabrik Liberethica, die sich aus ethischer Überzeugung für freiheitliche Lösungen einsetzt. Adriel Jost betont dabei immer wieder die christlichen Wurzeln des Liberalismus, zum Beispiel im Artikel «Ohne Weihnachten keinen Liberalismus» und die Wichtigkeit für eine Gesellschaft, sich wieder vermehrt dem Wettbewerb der Weltanschauungen zu widmen. Die Geschäftsführerin von Liberethica, die katholische Theologin Béatrice Acklin Zimmermann, thematisiert regelmässig die teilweise auch in der Schweiz unter Druck stehende Meinungsfreiheit für Christen (Artikel hier).
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Dienstagsmail Nr. 925.
Datum: 19.05.2026
Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Dienstagsmail