Vom Macher zum Hörenden
Pat D'Ippolito arbeitet als Coach unter dem Label MenschenTrainer in Langenthal. Aus der Business-Welt kommend, fokussiert er sich heute auf die Beratung von Unternehmen, Führungskräften und auch Privatpersonen. Er publiziert zudem das Magazin MenschenTrainer.MAGAZIN und darüber hinaus hilft er mit seiner Frau Jrene unter dem Label MenschenTrainerPLUS (ProBono) Führungskräften und mit dem Verein BrückenBauen Menschen in Notlage. Darüber, wie er seinen Glauben im Berufsalltag lebt, sprach er mit Daniel Gerber.
Pat D'Ippolito, wie hat dein persönlicher Glaube deinen Führungsstil geprägt?
Pat D'Ippolito: Mein Glaube hat meinen Fokus verschoben. Weg von Kontrolle – hin zu Abhängigkeit von Gott. Ich führe nicht aus mir selbst. Ich frage: Was will Gott hier tun? Das verändert alles: Entscheidungen, Umgang mit Menschen, Tempo.
Mein Leben hatte drei Phasen, die erste war sehr gesetzlich, die zweite erwecklich und die dritte Phase war die Umsetzung. Besonders in der dritten Phase verschob der Glaube meinen Fokus zur Abhängigkeit zu Gott. Früher habe ich gehandelt, ich war der Macher. Heute halte ich inne. Es ist eine Balance zwischen warten und tun. Letzten September stellte ich mir diese Fragen in meiner Reflexionszeit: Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte? Zuerst kam der Macher, dann spürte ich, dass Gott etwas anderes will. Zur Überbrückung schrieb ich auf, was ich nicht mehr will. Wie aus dem Nichts kam die Antwort: «Nichts tun, bis Gott sagt: Go!» Das war die Initialzündung zu dem, was ich heute denke. Ich hatte «Entzugserscheinungen»: Ich muss doch etwas tun. Früher hörte ich: «Aus dir wird nichts!». Deshalb meinte ich, immer zwei, drei Schritte mehr machen zu müssen.
Wie baust du als christlicher Unternehmer Reich Gottes?
Nicht primär durch Worte, sondern durch Haltung. Durch Wahrheit, Klarheit und echte Liebe im Alltag. Durch Gespräche, die Menschen verändern – nicht nur durch Ergebnisse. Und wenn sich Türen öffnen, spreche ich auch klar über Jesus. Es braucht eine permanente Verbindung zu ihm. Ein Bespiel: Bei zehn Worten, die ich für jemanden habe, spüre ich plötzlich, dass es zwei sind, die gerade passen. Ich bin nur das Gefäss. 1995 hatte ich das Bild von einer Leinwandstaffel und einem Bleistift. Gott sagte mir damals, dass ich der Bleistift bin und dass ich alles andere ihm überlassen soll…
Welche biblischen Prinzipien leiten dich am stärksten?
Das Johannes-Evangelium ist zentral für mich. «Ohne mich könnt ihr nichts tun», lehrt dieses. Das ist mein Fundament. Wichtig ist mir auch, Wahrheit und Liebe gleichzeitig zu zeigen. Nicht weichgespült; aber auch nicht hart ohne Herz.
Wie verstehst du deine Berufung im Kontext deiner Arbeit?
Ich sehe mich als Brücke zwischen dem Business und dem, was Gott wirklich meint. Viele haben den Glauben, aber keine Umsetzung im Alltag. Meine Aufgabe ist es, genau dort anzusetzen. Es geht um Best-Practice … das habe ich als Coach gelernt.
Erzähle von einem persönlichen Scheitern; was hast du daraus gelernt und was können wir daraus lernen?
Ich habe oft aus eigener Kraft gearbeitet; ich habe viel gemacht; aber ohne echten Durchbruch. Das war frustrierend. Heute verstehe ich: Es geht nicht um mehr Leistung, sondern um mehr Abhängigkeit von Gott. Gekrönt wurde dies durch den Herzinfarkt, ich lag auf dem Schragen und hörte, dass mein Herz kaputt ist. Ich sagte zu Gott, dass er mir alles weggenommen hat, damit ich mehr in eine Abhängigkeit von ihm komme. Das war der Scheidepunkt, der Richtungswechsel.
Wer hat dich geistlich und beruflich am meisten geprägt; und warum?
Jesus selbst; durch die Bibel sowie Menschen, die echt waren. Sie waren nicht perfekt, aber klar in ihrer Beziehung zu Gott. Das hat mich mehr geprägt als jedes Fachbuch.
Mit welchen Gefühlen verbindest du deine Führungsaufgabe oder generell deine Arbeit?
Einerseits durch Verantwortung, andererseits durch eine tiefe Ruhe – weil ich weiss: Ich muss nicht alles tragen. Wenn ich in Gottes Führung bleibe, entsteht Klarheit.
So wie eine Geldmünze unter viel Druck geprägt wird, geschieht das im übertragenen Sinn auch in unserem Leben durch die vielen Erlebnisse und Erfahrungen. Was hat dich stark geprägt?
Meine Schwächen und Situationen, in denen ich nicht mehr weiterwusste. Genau dort habe ich erlebt, dass Gott trägt, und zwar nicht theoretisch, sondern real. Gott zeigte, dass er der Versorger ist; in Gott kann ich kapitulieren.
Welche Entwicklung beschäftigt dich aktuell?
Dass viele Menschen funktionieren, innerlich aber leer sind ... auch Christen. Glaube ist oft nur noch zur Theorie geworden und die Verbindung zu Jesus fehlt im Alltag.
Was tust du aktiv, um die Welt besser zu machen?
Ich arbeite mit Menschen, nicht nur mit Systemen. Was nützt die beste Technik, wenn das Mindset nicht stimmt? Ich stelle Fragen, die tiefer gehen und ich begleite Führungskräfte. Es geht darum, anders zu denken und zu handeln. Wenn sich ein Mensch verändert, verändert sich sein Umfeld. Für mich ist die zentrale Frage: Was würde Jesus heute in meinem Alltag und betreffend meiner Führung tun? Darauf suche ich Antworten. Und genau das gebe ich weiter.
Vielen Dank für das Gespräch!
Aktuell bietet Pat D'Ippolito den kostenlosen Kurs 360° mit Jesus für Führungskräfte an.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas.
Datum: 09.05.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet