ICF Mittelland: Vom Umbruch zur Aufbruchsstimmung
Nach der Corona-Zeit und personellen Veränderungen stand das ICF Mittelland vor einer Phase der Neuorientierung. Die Übernahme der Leitung gestaltete sich dabei anspruchsvoll, berichtet Pastor Thomas Bosshard im Livenet-Talk.
«Nach Corona und einem Umbruch im Team, der in dieser Zeit nicht so einfach war, brauchte es einige Zeit, um die Gemeinde zu übernehmen», erinnert sich Thomas Bosshard. 2021 gab das damalige Leiterpaar die Verantwortung ab, ein Jahr später übernahmen Thomas und Geen Bosshard die Leitung des ICF Mittelland.
In der Folge wurden zahlreiche Gespräche geführt, um ein neues Team zu formen und die Ausrichtung der Kirche zu klären. Ziel war es, die Gemeinde so aufzustellen, dass sie sich wieder positiv entwickeln kann. «Das war die erste Phase, in der wir viel gelernt haben.»
Gleichzeitig habe man den Eindruck gehabt, dass das ICF Mittelland weiterhin Potenzial hat. Man habe gespürt, dass Gott mit dem ICF Mittelland noch nicht fertig ist.
«Was ist ein typischer ICF-Pastor?»
«Wir sind beziehungsleitend», beschreibt sich Thomas Bosshard sich und seine Frau. «Das hat geholfen, weil wir einfach ein Ohr haben. Wir hören gerne, gehen in Gespräche hinein und sind den Menschen sehr nahe.»
Gerade in der Phase nach dem Leitungswechsel sei das zentral gewesen. Das habe es in dieser Zeit gebraucht, «weil viel beredet und geklärt werden musste. Es war nötig, dass man hinhört und sich Zeit nimmt.»
Ob Thomas Bosshard ein typischer ICF-Pastor ist? Dies sei generell eine interessante Frage, auch unter anderen Gemeindeleitern der Denomination. In Gesprächen mit anderen Pastoren innerhalb der Konfession habe er festgestellt, dass viele sich nicht als «typische» ICF-Pastoren verstehen und es schwierig ist, einen solchen zu definieren. «Leder-Jacke und weisse Snikers ist vielleicht das Bild das man hat, aber wir sind viel breiter.» Apostolisch und evangelistisch zu sein sei sicher wichtig, «aber das Spektrum ist gross und man kann sich ergänzen».
Neuer Schwung entsteht
«Wenn wir schauen, woher wir kommen und wo wir nun drin sein dürfen … das ist gewaltig, da bin ich Gott sehr dankbar.» Gleichzeitig macht er deutlich, dass diese Entwicklung Zeit gebraucht hat: «In den ersten Jahren mussten wir die Kirche übernehmen und wieder auf Spur bringen. Ab dem dritten Jahr merkten wir, dass es wieder nach vorne gehen kann. Wir können wieder visionieren und schauen, was wir als Kirche erreichen können.»
Diese neue Phase zeigte sich auch in konkreten Projekten. So stand an Weihnachten das Format «Hope of Christmas» im Fokus. Das Ziel sei gewesen, «Menschen erreichen über Musik, Chor und das schöne Künstlerische, wir wollten die Gute Botschaft an Weihnachten wieder verkünden».
Auch für Ostern wurde ein bewusst niederschwelliger Zugang gewählt. Ausgangspunkt war ein bekanntes Bild: Früher hätten Zelt-Evangelisationen viele Menschen angezogen. Gleichzeitig sei die Umsetzung heute nicht mehr so einfach. «Deshalb wollten wir es In-House machen und so entstand die Idee des ‘Real-Talk – Glaube ohne Filter’.» Dafür wurden gezielt Themen ausgewählt, die besonders junge Menschen ansprechen. Insgesamt vier Themen standen im Zentrum, zu denen eingeladen wurde.
«Ermutigt zum Dranbleiben»
«Ich bin mega ermutigt. Ostern ist einer dieser Sonntage, wo man denkt, dass die Leute einfach irgendwo sind», beobachtet Thomas Bosshard. «Sie gehen in die Ferien, geniessen das Wetter, doch in der Kirche sind sie nicht.»
Mit wenig Aufwand sei man an die Aufgabe rangegangen und dabei auf spürbares Interesse gestossen. «An jedem Abend kamen die Besucher aus Interesse.» Der Speaker ging auf die Fragen ein und es gab gute Gespräche. «Das Ziel, dass Menschen kommen und von Jesus hören, wurde erreicht und auch wir selbst wurden gestärkt.» Darüber hinaus erlebten sie zwei Taufen.
Bei der Bewertung des Erfolgs geht es nicht «nur» um Zahlen, auch wenn diese gut sind: Es kamen viel mehr Menschen als zu Ostern in den vergangenen Jahren. Eingeladen wurde über Social Media. «Wir schauten, dass wir über die Kanäle einladen, über die man heute einlädt.» Manche kamen aber auch einfach über die Einladung an der Türe herein. Ein Erfolg sei auch, dass die Gemeinde ermutigt wurde, dranzubleiben.
ICF Mittelland ist überregional
Das Einzugsgebiet von ICF Mittelland ist gross, mit Aargau, Solothurn und Luzern. Der Standort in Oftringen liegt verkehrsgünstig in der Nähe der Autobahn. «Vor Ort soll ein Unterschied passieren.» Ziel sei es, Menschen aus der weiteren Umgebung anzusprechen und gleichzeitig neue Gemeinschaften in den jeweiligen Regionen entstehen zu lassen.
Begonnen vor 30 Jahren mit einer Gemeinde in Zürich, finden sich mittlerweile 70 Gemeinden sowie rund 20 bis 30 Start-ups. «Das ist unser Fokus und im ICF Mittelland sind wir ebenfalls am Schauen und Beten, wo neue Gemeinden entstehen können – sofern Gott das will.»
Der Wunsch ist es, eine gesunde, lebendige Gemeinde zu haben, in der die Menschen Jesus ähnlicher werden, furchtlos unterwegs sind und ihr Umfeld positiv prägen. «Wir wollen Menschen mit Jesus verbinden und sehen, wie wir ihm immer mehr in sein Ebenbild kommen. Das ist unser oberstes Ziel. Wir wünschen uns, dass wir eine Generationen-Kirche sein dürfen.» Teenager, die in der ersten Reihe worshippen, und Evergreens, die stets da sind.
Zum Talk:
Datum: 28.04.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet