«Ich mach das nicht nur zum Geldverdienen»
«Zeitiger Feierabend» ist für den Vater von zwei Jungs und seine Frau ein Fremdwort. Aber Fritze Aselmann geniesst seine Selbstständigkeit auch nach sechs Jahren noch und weiss, dass er am richtigen Platz ist. Mit ihm sprach Hauke Burgarth darüber, wie er im eigenen Betrieb seinen Glauben lebt.
Wie prägt dein persönlicher Glaube deinen Führungsstil?
Fritze: Ich denke, dass ich da Jesus als Vorbild habe, wenn ich nicht von oben her als autoritärer Chef «herrsche», sondern als beziehungsorientierter Leiter führe. Ich befehle wenig und bitte meine Leute meistens. Das tun andere sicher auch – manche Chefs werden allein aufgrund des Fachkräftemangels höflicher –, aber bei mir ist es der Glaube, der mich zu so einem entspannten Führungsstil hingeführt hat. Spannend finde ich, dass es auch rein wirtschaftlich oder menschlich vernünftig ist, dass man durch cholerisches und autoritäres Gehabe nichts gewinnt. Ich kenne genug Firmen, einige sogar von Christen geleitet, die ihre Arbeitnehmer nicht gut behandeln. Da muss man sich nicht wundern, wenn die eine hohe Mitarbeiterfluktuation haben.
Gab es einen Moment, in dem du gescheitert bist? Was hat dein Glaube da verändert?
Meine Kfz-Werkstatt lief von Anfang an ziemlich gut. Es gibt zwar immer wieder Schwierigkeiten oder Pannen, aber kein echtes Scheitern. Auch meine Mitarbeiter sagen, dass sie sich hier wohlfühlen. Vielleicht liegt es daran, dass ich einen guten Draht zu ihnen habe, weil ich Leitung bereits im Jugendkreis meiner Gemeinde eingeübt und dort später auch ein Leitertraining besucht habe. Ein grosser Cut war allerdings, dass mein Cousin, mit dem ich die Firma 2020 gegründet habe, und ich gemerkt haben, dass wir nicht zusammenarbeiten konnten. Wir hatten völlig andere Vorstellungen von Leitung. Irgendwann war klar, dass wir uns trennen mussten. Das kostete uns beide Tränen und mich viel Geld, weil ich ihn ausbezahlte. Das habe ich schon als Scheitern empfunden – ich hatte es mir ganz anders vorgestellt. Aber trotz allem konnten wir im Frieden auseinandergehen. Wir hatten eine Weile nicht viel miteinander zu tun, aber inzwischen treffen wir uns regelmässig und trinken mal ein Bier zusammen. Wir sind wieder gute Freunde. Hier hat der Glaube uns beiden geholfen, eine Brücke zueinander zu schlagen.
Welche biblischen Prinzipien leiten dich am stärksten in deiner Arbeit?
Da würde ich zuerst sagen: Ehrlichkeit. Ich will in der Werkstatt vertrauensvoll sein. Wir ziehen hier keinen über den Tisch, sondern ich verkaufe den Leuten das, was ich selbst an meinem Auto auch machen würde. Ich halte das nicht nur für biblisch, sondern glaube, dass das der beste Weg ist. Ein Weg, der langfristig glücklich macht. Ich kann wirklich jeden Abend gut schlafen! Gleichzeitig denke ich, dass es auch wirtschaftlich der beste Weg ist. Wenn ich mir einen Kundenstamm aufbaue, der mir vertraut, dann habe ich mehr davon, als wenn ich das eine oder andere Mal schnelles Geld machen würde, aber irgendwann merken die Leute: «Der hat mir was repariert, was gar nicht kaputt war…» So etwas geht gar nicht! Ein anderes Prinzip von mir ist: Ich bin nicht der Günstigste. Es kamen schon Christen zu mir, die sich deswegen beschwert haben oder als Geschwister im Glauben Rabatt wollten. Da denke ich an Jesus, der sagte: «Der Arbeiter ist seines Lohnes wert» (Lukas 10, Vers 7; Schlachter) und antworte dann meistens: «Die Billigsten sind wir nicht, aber wir liefern dir gute Arbeit, auf die du dich verlassen kannst.» Es geht ja nicht nur um mich: Ich trage auch Verantwortung für meine Mitarbeiter und möchte sie gut bezahlen.
Verstehst du deine Arbeit als Berufung?
Eigentlich wollte ich einmal einen entspannten Job haben mit viel Zeit für die Gemeindearbeit, aber jetzt hat sich genau das Gegenteil ergeben. Ich trage einiges an Verantwortung und investiere viel Zeit für meinen Beruf. Schon deshalb ist es mir wichtig, dass Gott das so will. Ich mache das nicht nur zum Geldverdienen. Eigentlich habe ich in meinem säkularen Arbeitsumfeld und mit meiner Führungsrolle einen «heiligen Beruf». Jesus war Schreiner, Paulus war Zeltmacher und ich arbeite in der Kfz-Werkstatt. Für mich passt das. Ich bin nah an den Menschen dran, kann meine Mitarbeiter führen und fördern und einigen ein Vorbild sein. Hoffentlich ein gutes. Ich denke, dass ich auch mit meiner Arbeit einen Unterschied machen kann.
Wie geht es dir bei deiner Arbeit? Welche Gefühle herrschen bei deiner Führungsaufgabe vor?
Das stärkste Gefühl, was mich hier seit sechs Jahren begleitet, ist eine unglaublich grosse Freude. Es gibt, glaube ich, keinen Tag, an dem ich nicht gerne zur Arbeit gehe. Ich freue mich schon am Freitag auf den Montagmorgen, obwohl ich das Wochenende bei der Familie geniesse. Das Schöne ist, dass das offensichtlich ansteckt. Die Ehefrauen von zwei Mitarbeitern haben mir schon gesagt: «Ich habe meinen Mann noch nie so glücklich zur Arbeit gehen sehen.» Einer davon ist Kfz-Meister, der vorher bei einem Autohersteller einen besser bezahlten und saubereren Job hatte als bei mir. Aber er liebt ihn – und wir sind auch noch gute Freunde geworden. Also, ich würde sagen, wir verbreiten hier in dieser Firma sehr viel Freude.
Vielen Dank für das Gespräch, Fritze.
Zum Autor: Hauke Burgarth (*1964) ist gebürtiger Hamburger und lebt in Pohlheim bei Giessen. Er ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und drei Enkel. Hauke arbeitet freiberuflich als Lektor, Autor und Journalist. Daneben engagiert er sich in Teilzeit, aber mit ganzem Herzen, als Pastor der Christusgemeinde in Lich. Ehrenamtlich arbeitet er in der humanitären Hilfe mit, ausserdem begeistert er sich fürs Radfahren, Lesen und Kunst.
Datum: 30.05.2026
Autor:
Hauke Burgarth
Quelle:
Livenet