Mehrheit findet «betende Fussballer» gut
Fussballer aus der Bundesliga werden eingeblendet, die die Hände betend zum Himmel recken oder T-Shirts mit Aufschriften wie «I belong to Jesus» tragen. «Sie beten auf dem Platz, danken Gott oder tragen Shirts mit Jesus-Aufschrift: Manche Fußballprofis leben ihren Glauben ganz offen», beginnt ARD-Moderatorin Amelie Marie Weber ihren Beitrag. «Einige gehen sogar an Schulen und redeten dort mit Jugendlichen über ihren Glauben.» Dies sei auf den ersten Blick vielleicht harmlos, doch: «Kritikerinnen und Kritiker sagen: Achtung, in manchen Fällen könnte dahinter auch gezielte Missionsarbeit stecken.» Das Video der «Tagesschau» sorgte im vergangenen Jahr für so viel Gesprächsstoff wie kaum ein anderes.
Oh Schreck – Christen missionieren!
Eine Recherche von sogenannten «ARD-Faktenfindern» ergab, dass einige Gruppen, mit denen diese Fussballer zusammenarbeiteten, ein «ultrakonservatives Weltbild» verbreiteten: «Sie lehnen zum Beispiel Homosexualität ab, stellen Frauen unter Männer oder machen Angst vor der Hölle.» Die Gefahr, dass gerade junge Menschen davon beeinflusst würden, sei vorhanden, da die prominenten Fussballer diese Werte in alle Bereiche tragen würden.
Johannes Hartl, bekannter katholisch-charismatischer Influencer, kommentierte: «Schock! Christen, die also echt anderen von ihrem Glauben erzählen! Da muss dringend der ARD-Faktencheck nachforschen. Was für ein peinlicher Beitrag.» Das Video wurde später vom ARD entfernt und eine ausgewogenere Form des Beitrags veröffentlicht.
40 Prozent finden es in Ordnung
IDEA Deutschland wollte wissen, wie Glaubensbekenntnisse von Fussballern in der Bevölkerung ankommen. In ihrem Auftrag führte das Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere (Erfurt) im Zeitraum vom 19. bis 22. Juni 2026 eine online-Befragung durch zu der Frage: «Wie stehen Sie zur folgenden Aussage: Ich finde es gut, wenn Fußballer auf dem Spielfeld ihren Glauben bezeugen.» 2'008 Bundesbürger wurden befragt, und die Ergebnisse sind repräsentativ für die volljährige Bevölkerung in Deutschland sowie nach Geschlecht, Alter und Region.
Das Ergebnis: Die relative Mehrheit der Deutschen (40 Prozent) findet es gut, wenn Fussballer auf dem Spielfeld ihren Glauben bezeugen. Jeder Dritte (33 Prozent) ist nicht dieser Meinung. 21 Prozent antworteten mit «Weiss nicht», sieben Prozent machten keine Angabe.
Nach Alter aufgeschlüsselt, finden die Befragten umso deutlicher Glaubenszeugnisse von Fussballern in Ordnung, je jünger sie sind: 18- bis 29-Jährige sind mit 58 Prozent dafür, über 70-Jährige nur noch mit 32 Prozent.
Sogar Muslime dafür
Grosse Unterschiede gibt es laut IDEA unter den Mitgliedern der christlichen Konfessionen: Während bei Freikirchlern eine absolute Mehrheit von 59 Prozent positiv auf die Glaubenszeugnisse der Fussballprofis blickt, sind es bei den landeskirchlichen Protestanten nur 45 Prozent und bei den Katholiken nur 44 Prozent. Auf der anderen Seite: Bei den Muslimen teilen sogar zwei von drei Befragten (68 Prozent) die positive Sichtweise, bei den Konfessionslosen hingegen ist es nur knapp jeder Vierte (24 Prozent).
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 27.06.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet / Tagesschau.de / IDEA D vom 24.6.26