So machten Kirchen Schlagzeilen

Erinnerung an Holocaust: Neue Schweizer Gedenkstätte

In Bern soll mit einer 60 Meter langen Klangmauer an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden.
Diese Woche schaffen ein Holocaust-Mahnmal, ein historischen Gottesdienst und ein Leitbild Aufmerksamkeit.

Über 80 Jahre nach dem Kriegsende handelt die Schweiz. Eine 60 Meter lange Klangmauer sieht «Unfolded Minute» für die Berner Casinoterrasse vor. Hier in unmittelbarer Nähe zum Bundeshaus, mitten in der Altstadt, soll ab Ende 2027 an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden – mit Musik. Ziel ist es, einen lebendigen und interaktiven Ort des Erinnerns, Lernens und Dialogs zu schaffen. Der gewählte Standort auf der Casinoterrasse soll daran erinnern, dass die im nahegelegenen Bundeshaus getroffenen Entscheidungen weitreichende auf das Leben der davon betroffenen Menschen haben. Im Zentrum der Gedenkstätte stehen geflüchtete Menschen, die als Folge der restriktiven Flüchtlingspolitik an der Schweizer Grenze zurück und damit in den Tod geschickt wurden, weil sie im Nationalsozialismus verfolgt wurden.

Eine Klangwand erinnert an 55'000 Opfer. Der Schweizer Komponist Jannik Giger wird eine abstrakte, unendliche Melodie für die Gedenkstätte komponieren, die mit vielen Pausen aus einer Wand erklingt», berichtet SRF. Der Schweizerische Israeltische Gemeindebund (SIG) begrüsst die Auswahl als wichtigen Schritt zur Umsetzung des Schweizer Memorials. Dieses umfasst neben dem Erinnerungsort auch ein Vermittlungszentrum in Diepoldsau und ein nationales Netzwerk der Erinnerungsarbeit.

Gottesdienst als Stillstandssitzung

Der Gottesdienst in reformierten Kirche Marthalen ZH beinhaltete eine Zeitreise ins Jahr 1851: Mit einem szenischen Spiel zeigten Laien «Stillstandssitzungen», in denen Dorf­angelegenheiten, Moral und soziale Fürsorge geregelt wurden, berichtet die Andelfinger Zeitung. Pfarrer Matthias Bordt leitete den Gottesdienst mit einem Dank an all die Männer und Frauen ein, die Verantwortung in Kirche und Politik übernommen und so über Jahrzehnte das Fundament des Zusammenlebens gelegt haben. Er lud die Teilnehmenden auf eine Zeitreise zu den Sitzungen des «Stillstands» von 1851 in der Kirche Marthalen ein. In der Zeit um 1850 gab es in den ländlichen Gebieten noch keine klare Trennung zwischen staatlichen und kirchlichen Funktionen. In der Kirche wurde monatlich nach dem Gottesdienst über wichtige Angelegenheiten des Dorfs beraten, um «Eintracht, Zucht und Ordnung» in der Gemeinde zu wahren.

Die ungewöhnliche Bezeichnung «Stillstand» ist wörtlich zu nehmen: Nach dem sonntäglichen Gottesdienst mussten die Ratsmitglieder – oft angesehene Bürger der Gemeinde – beim Taufstein oder vor ihren Stühlen stillstehen und warten. Sobald die restlichen Gottesdienstbesucher die Kirche verlassen hatten, trat das Gremium zusammen, um aktuelle Angelegenheiten zu besprechen. Die Aufgaben des «Stillstands» wurden im Laufe der Zeit auf kirchliche Angelegenheiten reduziert und durch die uns heute bekannten Behörden ersetzt.

Schweizer Bischofskonferenz gibt sich ein Leitbild

Sie gilt als die älteste Bischofskonferenz der Welt, die sich regelmässig trifft. Gegründet wurde die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) bereits 1863. Mitglieder sind die Bischöfe und Weihbischöfe der Bistümer Basel, Chur, Lausanne-Genf-Freiburg, St. Gallen, Sitten und Lugano sowie die Äbte der Gebietsabteien Einsiedeln und Saint-Maurice. Seit 2001 gehören auch die emeritierten Weihbischöfe dazu, sofern sie mit Sonderaufgaben betraut sind, schreibt der Kirchenhistoriker Victor Conzemius im Historischen Lexikon der Schweiz. Nun gibt sich das oberste Gremium der katholischen Kirche in der Schweiz erstmals ein Leitbild. Es sei erarbeitet worden, um Mission, Rolle und gemeinsame Ziele der SBK kurz und verständlich zu formulieren.

In fünf Punkten beschreibt das neue Leitbild die Mission der Konferenz. Sie koordiniert unter anderem pastorale Aufgaben von nationaler Bedeutung, erlässt gemeinsame Normen und Richtlinien und vertritt die römisch-katholische Kirche in der Schweiz gegenüber Staat, Gesellschaft und den Medien. Unter dem Zwischentitel «Prinzipien» heisst es, «unser Handeln gründet auf der Heiligen Schrift, der dynamischen Tradition der Kirche, dem ordentlichen Lehramt, all dies in einer synodalen Haltung». Dann folgt eine Reihe von Prinzipien, die das Denken, Entscheiden und Handeln der Konferenz leiten sollen wie Nächstenliebe und Menschenwürde, Verantwortung für die Schöpfung oder Dialog und Offenheit innerhalb der katholischen Kirche sowie in Bezug auf andere Konfessionen und Religionen.

Zum Autor: Markus Baumgartner ist Inhaber der Kommunikationsagentur b-public AG und u.a. Mediensprecher Dachverband Freikirchen.ch, Co-Präsident Forum Christliche Führungskräfte, Vizepräsident der Agentur C und Herausgeber des Dienstagsmail.

Datum: 13.09.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Livenet

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