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Netflix-Doku enthüllt Abgründe einer Pastor-Ehe

Die aufrüttelnde Netflix-Doku «Death of a Pastor's Wife» ist seit Ende August beim Streamingdienst abrufbar.
Sexueller, physischer und psychologischer Missbrauch. Mica Miller ist tot, ihr ehemaliger Ehemann predigt weiter: Die Netflix-Doku «Death of the Pastor’s Wife» rollt einen erschütternden Fall auf – im Oktober steht JP Miller vor Gericht.

«Death of the Pastor's Wife» ist erst am 26. August 2026 erschienen und steht Anfang September bereits auf Platz 1 der Netflix-Seriencharts in den USA. Das Interesse ist auch darauf zurückzuführen, dass der der Serie zugrunde liegende, reale Fall im Oktober weiterverhandelt wird.

Die aufwühlende Doku erzählt die Geschichte von Mica Miller, der Ehefrau des Pastors John-Paul Miller (JP Miller). Sie zeigt: wie Mica nach einem Umzug der Familie als Teenagerin in die Gemeinde kommt, in welcher der 15 Jahre ältere JP Pastor ist, wie die beiden eine Affäre hatten, wie daraus eine Ehe wurde und wie Freunde und Familie später von jahrelanger Kontrolle, Manipulation und Missbrauch berichten.

Zunächst mit anderem Gemeindemitglied verheiratet

Mica Miller war 18 Jahre alt, als sie am 29. September 2012 ihren ersten Ehemann Jeremy Deas heiratete.

Besonders brisant an der Geschichte: Die Trauung der beiden wurde damals von keinem Geringeren als Pastor John-Paul «JP» Miller geleitet, der zu diesem Zeitpunkt der Mentor des Bräutigams war. Nur wenige Jahre später begann JP die Affäre mit Mica, die schliesslich zum Ende beider Ehen führte.

John-Paul Miller und Mica Miller waren also vor ihrer gemeinsamen Ehe jeweils in anderen Ehen verheiratet. Beide begannen eine Affäre, liessen sich von ihren damaligen Partnern scheiden und heirateten im November 2017 schliesslich selbst.

Offiziell: Suizid

Mica Miller wurde am 27. April 2024 tot im Lumber River State Park in North Carolina gefunden. Ihr Tod wurde offiziell als Suizid durch eine selbst zugefügte Schussverletzung eingestuft.

Der Mann, auf den sich der Verdacht und die Wut von Micas Familie stark richten, ist ihr Ehemann John-Paul «JP» Miller. Die Doku zeigt zahlreiche Vorwürfe von Kontrolle, psychischem und sexuellem Missbrauch, Stalking und Manipulation. Besonders belastend sind Nachrichten, Tagebucheinträge und Aussagen von Menschen aus Micas Umfeld. JP Miller bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. JP Miller wurde nicht wegen Micas Tod angeklagt. Es gibt bislang keinen gerichtlichen Nachweis, dass er sie getötet oder ihren Suizid unmittelbar verursacht hat.

Bis zu 50 Anrufe pro Tag

John-Paul verfolgte ihr Auto mithilfe von Überwachungsgeräten, rief sie übermässig oft an – an einem einzigen Tag mehr als 50 Mal – und veröffentlichte anonym Nacktbilder von ihr im Internet, ohne ihre Zustimmung, berichtet «Time».

«Er hat sie psychisch so lange gequält, bis sie ihm gab, was er wollte», sagt Micas Freundin Bruna Pabon gemäss dem «People»-Magazin. Sie beschuldigt John-Paul, mehrere Affären gehabt zu haben – angeblich unter anderem mit seiner heutigen Ehefrau Suzie Skinner.

Nach Jahren des mutmasslichen Missbrauchs trennte sich Mica im Januar 2023 von John-Paul und reichte später im selben Jahr die Scheidung ein, wie «WPDE» mit einer Time-Line der Ereignisse nachzeichnet.

Mica zog ihren Scheidungsantrag im Februar 2024 zunächst zurück, reichte jedoch zwei Monate später erneut die Scheidung ein.

Nur zwei Tage nach ihrem zweiten Scheidungsantrag rief Mica den Notruf 911 an und teilte mit, dass sie im Lumber River State Park in North Carolina durch Suizid sterben werde. Sie wurde 30 Jahre alt.

Pastor JP Miller predigt weiter

Nur wenige Tage nach Micas Tod im April 2024 enthob die Kirchenleitung der Solid Rock Church JP Miller offiziell all seiner ministeriellen Funktionen. Auslöser für diesen Schritt waren heftige Proteste von Micas Familie, Freunden und Unterstützern direkt vor dem Kirchengebäude sowie ein massiver Einbruch der Mitgliederzahlen. Niemand wollte mehr seine Predigten hören.

Ende 2024 hat er sich eine kleine eigene Gemeinde namens «Mercy Church» aufgebaut, wo er im privaten Kreis (vor etwa 15 bis 20 Personen) in wechselnden Räumlichkeiten weiterpredigt, seine neue Ehefrau Suzie Skinner – die er 2025 heiratete – leitet den Worship.

Neue Verhandlung im Oktober

Eine Bundesjury klagte JP Miller im Dezember 2025 wegen Cyberstalking und falscher Angaben gegenüber Ermittlern an. Die Vorwürfe stehen unter anderem im Zusammenhang mit Belästigung, Überwachung und dem Veröffentlichen eines intimen Fotos von Mica.

Er hat sich nicht schuldig bekannt. Sein Prozess soll nach aktuellem Stand im Oktober 2026 stattfinden. Er ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuss.

Die Netflix-Serie führt zur Frage: Was hat die jahrelange Beziehung mit Mica gemacht – und hätte ihr Tod möglicherweise verhindert werden können, wenn Polizei, Justiz, Kirche und ihr Umfeld früher anders reagiert hätten?

Netflix betont deshalb auch das Thema «coercive control», also eine Form von Missbrauch, bei der jemand den Partner schrittweise psychisch, finanziell, sozial und emotional kontrolliert. Und es gibt einen erschütternden zeitlichen Zusammenhang: Mica übergab JP am 25. April 2024 die Scheidungspapiere. Zwei Tage später war sie tot.

Was die Kirche daraus lernen kann

Die Netflix-Doku «Death of the Pastor’s Wife» ist keine leichte Kost – und auf den ersten Blick scheint sie vor allem ein schlechtes Licht auf Kirche und christliche Gemeinden zu werfen. Im Mittelpunkt stehen Machtmissbrauch, Manipulation und die tragische Geschichte von Mica Miller.

Die Geschichte zeigt nicht, dass Glaube, Gemeinde oder geistliche Gemeinschaft an sich das Problem sind. Sie zeigt vielmehr, wie gefährlich es werden kann, wenn geistliche Autorität nicht mehr von Verantwortung und Rechenschaft begleitet wird.

Ein Pastor ist kein unantastbarer Mensch. Geistliche Leitung darf niemals bedeuten, dass eine Person über das Gewissen, die Beziehungen oder das Leben anderer Menschen bestimmen kann.

Ihre Geschichte wird zur Frage an Kirchen

Gerade christliche Gemeinden sollten Orte sein, an denen Menschen ihre Sorgen aussprechen dürfen, ohne Angst haben zu müssen, nicht geglaubt oder zum Schweigen gebracht zu werden.

Das macht die Geschichte von Mica auch zu einer Frage an die Kirche: Wem können sich Menschen in der Gemeinde anvertrauen? Und welche Strukturen gibt es, wenn derjenige, vor dem sie Schutz suchen, selbst Teil des Problems ist?

Die Bibel verbindet geistliche Leitung nicht mit Macht über andere, sondern mit Verantwortung. Jesus beschreibt Leitung sogar ausdrücklich als Dienst. Diese erschütternden Geschichte sollte Gemeinden dazu bringen, genauer hinzusehen.

Menschen sollten im Zentrum stehen

Eine gesunde christliche Gemeinde muss nicht perfekt sein. Aber sie sollte ein Ort sein, an dem Wahrheit wichtiger ist als der Ruf einer Institution, Menschen wichtiger sind als die Position eines Leiters und Schutz wichtiger ist als das Bewahren eines schönen Scheins.

Man sollte die Doku auch als unbequemen Anstoss verstehen, darüber nachzudenken, wie Kirche ihrem eigenen Auftrag besser gerecht werden kann. Es geht darum, zuzuhören, zu lernen und dafür zu sorgen, dass Menschen in unseren Gemeinden wirklich sicher sind.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern. 

Trailer der Netflix-Doku «Death of the Pastor’s Wife»:

Datum: 06.09.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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