«Was kann ich tun, um die Welt besser zu machen?»
Die Diplomkauffrau aus Obertshausen – ein Nachbarort der Multikulti-Stadt Offenbach – ist verheiratet, hat zwei Töchter und kennt Langeweile nur vom Hörensagen. Im Interview erzählt sie Hauke Burgarth, was ihre Arbeit bei «Kids am Start» mit ihrem Glauben zu tun hat.
Sandy, wer hat dich geistlich und beruflich am meisten geprägt?
Einen sehr wichtigen und prägenden Einfluss hatten Pastor Lionel Bendobal und die Offenbacher «Kirche am Start». Sie begleiten und unterstützen uns als Kita und Werte-Initiative bis heute in geistlicher Hinsicht und als Gesellschafter. Besonders der Erfahrungsaustausch mit Lionel ist für mich als Gründerin und Geschäftsführerin eine grosse Bereicherung. Über diese Einbindung der Kita hinaus sind tatsächlich viele Menschen daran beteiligt – und gar nicht unbedingt die, die ich erst erwartet hätte. Wenn ich zurückblicke, hat Gott mir immer Menschen geschickt, die mich begleitet haben, aber sie haben auch regelmässig gewechselt. Auch wenn es nur kurz war, war zum richtigen Zeitpunkt immer der richtige Mensch da. Herausstechen tun für mich vor allem zwei Personen: Zum einen mein Mann, der das Ganze vom ersten Gedanken «Okay, ich kündige meinen guten Job in der Pharmazie und eröffne einen eigenen Kita-Träger» mitgetragen und auch tatkräftig unterstützt hat. Das tut er bis heute, bei allen Entwicklungen, den Herausforderungen auch als Familie, bis hin zum praktischen Anpacken bei Baumassnahmen in der Kita. Zum anderen ist da eine frühere Nachbarin, der ich irgendwann «zufällig» wieder begegnete. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie es sich genau entwickelt hat, aber sie ist bis heute meine enge Mitarbeiterin, koordiniert unsere Werte-Initiative, organisiert Nachbarschaftsfeste, Kinderveranstaltungen ausserhalb der Kita, und ich liebe es, mit ihr zusammenzuarbeiten.
Gibt es biblische Prinzipien, die dich bei deiner Arbeit leiten?
Ich sehe vor allem drei. Das erste ist der Gedanke der Nächstenliebe, den wir in der Kita und auch in der Werte-Initiative wirklich leben: geliebt sein, gesehen werden, einander sehen und unterstützen. Egal ob man Kind ist oder erwachsen, zum Team gehört oder Elternteil ist. Dabei kommt es mir weniger auf Worte an und mehr aufs Tun. Das zweite ist Wahrhaftigkeit. Also mit allen Schwächen, Herausforderungen und Stärken einfach sein zu dürfen. Aber auch Herausforderungen gemeinsam zu meistern und zu eigenen Grenzen zu stehen. Das dritte ist Freiheit. Aus pädagogischer Sicht also Partizipation und Selbstbestimmung. Dabei geht es besonders für die Kinder darum, eine gute Mitte zu finden zwischen eigenen Wünschen, Bedürfnissen, ihrem Individualismus, aber auch den Bedürfnissen der Gruppe und der anderen. Das gilt aber genauso für mein Team, die sehr viel Verantwortung haben, aber auch viele Freiheiten mitzugestalten.
Wie hat dein persönlicher Glaube deinen Führungsstil geprägt?
Ich hatte auch früher schon eine Führungsposition, allerdings eher in einer Sandwich-Rolle. Jetzt als Geschäftsführerin liegt es in meinem Aufgabenbereich, die grossen Entscheidungen zu treffen und dafür Sorge zu tragen, dass es dem Team, den Kindern und den Eltern bei uns gutgeht. Deshalb habe ich mir zu Beginn Jesus in seiner Führungsrolle angeschaut, wie er agiert, was er gemacht oder nicht gemacht hat. Das hat mir sehr geholfen. Eine meiner grossen Herausforderungen ist es zum Beispiel, Pause zu machen. Ich bin jemand, die durchpowern kann und es auch tut. Das ist nicht immer gut. Inzwischen nehme ich mir selbst mehr Zeit für Entscheidungen und achte auf die anderen und auf mich. Ansonsten lese ich gerne christliche Bücher, besonders Biografien. Da habe ich sehr viel von anderen Führungskräften gelesen, die mich inspiriert haben. Bei «Kirche am Start» haben wir einen Gebetskreis, in dem tolle Menschen immer wieder für mich und für die Kita beten. Das bedeutet mir als Leiterin unglaublich viel.
Was tust du aktiv, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen?
Mein Grund, eine Kita zu gründen, war tatsächlich der Gedanke: Was kann ich geben? Was kann ich dafür tun, um die Welt ein Stückchen besser zu machen? Ich habe schon immer ein Herz für Kinder gehabt. Das war ein Bereich, in dem ich mich ehrenamtlich und finanziell engagiert habe. Deshalb empfand ich meine Aufgabe in der Kita als Gottes Ruf. Und habe dann auch den Mut aufgebracht, meinen bisherigen sicheren Job zu kündigen. Seitdem arbeite ich hier mitten im Rhein-Main-Gebiet daran, Menschen aus Afghanistan, dem Iran, der Türkei und vielen anderen Regionen Heimat zu schenken. Da leistet die Kita definitiv einen wertvollen Schritt. Wir haben Kinder aus christlichen, muslimischen und konfessionslosen Familien in unserer christlichen Kita – und das Miteinander funktioniert sehr gut. Die Kinder lernen hier soziale Kompetenzen und Werte wie Respekt, Nächstenliebe und gegenseitige Akzeptanz, die ihnen Orientierung geben und die sie auch in ihrem weiteren Leben begleiten und brauchen werden.
Stell dir vor, deine Kita wäre eine Bibelgeschichte – welche wäre es und warum?
Ich schwanke zwischen zweien: Jesus war in vielerlei Hinsicht ein Rebell. Als er einer Prostituierten begegnete, hat er ganz anders reagiert, als alle erwartet hatten. Wir tun auch vieles, was untypisch ist für eine Kita – und was trotzdem Gottes Liebe zum Einzelnen unterstreicht. Ausserdem sind wir natürlich in einem «Frauenbusiness» und zwar mit jeder Menge richtig cooler Powerfrauen. Dazu fällt mir Rut und ihre Geschichte ein und ich denke, dass wir insbesondere Frauen befähigen wollen, gross zu denken und Grosses zu tun.
Vielen Dank für das Gespräch, Sandy.
Zum Autor: Hauke Burgarth (*1964) ist gebürtiger Hamburger und lebt in Pohlheim bei Giessen. Hauke arbeitet freiberuflich als Lektor, Autor und Journalist. Daneben engagiert er sich in Teilzeit, aber mit ganzem Herzen, als Pastor der Christusgemeinde in Lich.
Datum: 05.09.2026
Autor:
Hauke Burgarth
Quelle:
Livenet