Polen: «Über Nacht wurden wir eine internationale Familie»
Pastor Mariusz Muszczyński erinnert sich an die ersten Tage der russischen Invasion im Jahr 2022 als eine Zeit von aussergewöhnlicher Intensität. Ostoja war die erste Institution in Oppeln, die ihre Türen für Flüchtende öffnete. Obwohl die Gemeinde sich zunächst auf einige Dutzend Ankünfte eingestellt hatte, standen innerhalb von 48 Stunden fast 500 Menschen vor der Tür.
Bis zum Ende des ersten Jahres hatten über 900 Geflüchtete durch das Netzwerk der Gemeinde Unterstützung erhalten. Durch die rasche Mobilisierung von Hotelbesitzern und Familien vor Ort stellte die Gemeinde sicher, dass jeder Ankommende innerhalb von 24 Stunden einen sicheren Schlafplatz hatte.
Von humanitärer Hilfe zur geistlichen Erneuerung
Die Reaktion der Ostoja-Gemeinde entwickelte sich schnell vom Krisenmanagement zur geistlichen Integration. Was Muszczyński als eine «bunte, missionarische, internationale Familie» beschreibt, nahm Gestalt an: Sonntagsgottesdienste wurden um simultane Übersetzungssysteme und zweisprachige Gebete ergänzt.
Heute repräsentiert die Gemeinde mehr als zehn Nationen. Dieser Wandel verlief nicht einseitig: Ukrainische Glaubensgeschwister wie Yevgeniy Snitsar übernehmen inzwischen wichtige Leitungsaufgaben. Snitsar, der heute die ukrainische Gemeinschaft leitet, bringt es auf den Punkt: «Unser Leben wurde auf den Kopf gestellt, und doch kam Erweckung, für Einzelne und für die Gemeinde.»
Das Erbe der Vertreibung
Die Fähigkeit der Gemeinde, so flexibel und zugleich tief verwurzelt zu reagieren, hat historische Gründe. Ostoja wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Familien gegründet, die selbst aus dem Osten vertrieben worden waren und ihr Leben in Oppeln neu aufbauen mussten. «Einheit über Grenzen hinweg liegt uns im Blut», sagt Muszczyński. Diese Perspektive ermöglicht es der Gemeinde, die heutige Situation nicht als Unterbrechung, sondern als Widerhall der eigenen Geschichte zu begreifen.
Praktische Hoffnung an der Front
Während die örtliche Gemeinde wächst, reicht die Mission von Ostoja bis über die Grenze zurück. Unter der Leitung von Kateryna Duldina versendet die Gemeinde weiterhin grosse Mengen an Hilfsgütern, darunter Rollstühle, Schulmaterial und Lebensmittel, direkt an Familien in der Ukraine.
Für die Mitglieder von Ostoja misst sich der Einsatz am menschlichen Leben, nicht in Euro. Während der Krieg andauert, steht die Gemeinde als Zeugnis dafür, wie die Tür des Willkommens zu einer tiefen Erneuerung für Vertriebene und Aufnehmende zugleich führen kann.
Datum: 01.09.2026
Quelle:
Joel News / Ostoja Church / European Pentecostal Fellowship