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Klärung notwendig: Evangelikale in Europa sind anders

Evangelikale in Europa sollen weiterhin beten und dem Gemeinwohl dienen
Fromme Christen werden zunehmend in der europäischen Gesellschaft sichtbar – und erleben oft Widerstand und verzerrte Darstellungen. Die Europäische Evangelische Allianz sah sich veranlasst, das öffentlich zu klären.

Die Europäische Evangelische Allianz (EEA) ist eine von neun eigenständigen Regionen der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), die rund 600 Millionen evangelischer Christen repräsentiert. 35 nationale Allianzen und ein gutes Dutzend von Missionsorganisationen arbeiten europaweit in 23 Netzwerken zusammen. Die EEA ist eine anerkannte Stimme europäischer Evangelikaler (der deutsche Begriff wird hier mangels einer besseren Alternative als Übersetzung des im Englischen Geläufigen «evangelicals» benutzt). 

Klärung nötig

Am 1. Juli 2026 gab die EEA eine neue Stellungnahme heraus, die klären soll, wer Evangelikale in Europa sind – und wie sie am öffentlichen Leben teilnehmen. Die Erklärung «Europäische Evangelikale im öffentlichen Leben: Unsere Identität und unser Beitrag» will Klärung schaffen, wie es heisst, «in einer Zeit zunehmender Verwirrung im öffentlichen Diskurs, in der der Begriff 'evangelikal' fälschlicherweise mit politischen Bewegungen und Narrativen in Verbindung gebracht wird, die nicht die Realität der evangelikalen Gemeinschaften in Europa widerspiegeln».

Keine politischen Extemisten

In jüngster Zeit werde der Begriff «evangelikal» im öffentlichen Diskurs zunehmend mit rechtsextremer Politik in Verbindung gebracht. Die EEA widerspricht nun entschieden Behauptungen, dass Evangelikale politische Extremisten seien. Die Tatsachen sprächen eine andere Sprache:

  • Die europäischen Evangelikalen sind eine vielfältige, multiethnische und überparteiliche Bewegung.
  • Sie vertreten ein breites Spektrum politischer Ansichten.
  • Ihre vorrangige Identität gründet sich auf den christlichen Glauben, nicht auf politische Zugehörigkeit.

«Wir behaupten zwar nicht, dass wir in allem Recht haben, doch viele aktuelle Darstellungen vermitteln ein völlig verzerrtes Bild davon, wer wir sind», heisst es in der Erklärung.

Glaube, in der Gesellschaft aktiv

Im Herzen seien die Evangelikalen «Leute der Guten Nachricht», die versuchen, einen Glauben zu leben, der vom Leben und den Lehren Jesu Christi geprägt ist. In ganz Europa dienten Evangelikale aktiv der Gesellschaft durch eine Vielzahl von Initiativen, zum Beispiel

  • Unterstützung von Flüchtlingen, Migranten und schutzbedürftigen Gruppen
  • Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung
  • Unterstützung von Opfern von Krieg, Verfolgung und Ungerechtigkeit.

«Diese Aktivitäten entspringen der tiefen Überzeugung, dass jeder Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist», so der Bericht. Weltweit habe der evangelikale Glaube zur «Einführung und Stärkung zahlreicher sozialer Reformen geführt, darunter in den Bereichen Alphabetisierung, Bildung, Gesundheitsversorgung und die Würde der Frauen».

Demokratisch und pluralistisch

Im Gegensatz zu gewissen Darstellungen stellt der Bericht fest, dass Evangelikale in Europa

  • keine politischen Privilegien oder gar eine christliche Dominanz anstreben,
  • sich für einen pluralistischen und zivilen öffentlichen Raum einsetzen,
  • demokratische Institutionen, die Rechtsstaatlichkeit und die Menschenrechte respektieren,
  • Zwang, Manipulation und den Missbrauch der Religion in der Politik ablehnen.

Gegen christlichen Nationalismus

Besonders distanziert sich die EEA von Formen des «christlichen Nationalismus», der andere ausschliesst, intolerant unterwegs ist oder den Glauben mit politischer Macht verbinden will. Europäische Evangelikale dürften nicht mit einigen Formen des US-Evangelikalismus gleichgesetzt werden.

Evangelikale suchten natürlich – wie jeder andere auch – in einer pluralistischen Demokratie politischen Einfluss. «Machmal vertreten sie auch Ansichten, die anderen nicht gefallen.» Aber eine andere Meinung sei kein Extremismus. «Wir lehnen jede politische Bewegung ab, die die demokratische Rechenschaftspflicht untergräbt oder eine Gruppe von Menschen als weniger als vollwertig behandelt», heisst es in der Erklärung.

Aufruf an Meinungsmacher

Journalisten, Politiker und öffentliche Meinungsmacher werden aufgerufen, sich direkt und offen mit den Evangelikalen auseinanderzusetzen und Stereotype zu vermeiden. «Missverständnisse lassen sich am besten durch Begegnung und Dialog ausräumen», heisst es in der Erklärung.

Der Bericht ruft die Evangelikalen in ganz Europa schliesslich auf, «weiterhin zu beten, zu dienen und durch Taten und finanziellen Einsatz zum Gemeinwohl beizutragen. Lasst uns weiterhin eine Vision für die Zukunft vermitteln und dort zusammenarbeiten, wo es uns möglich ist – mit der gesamten Kirche und auch mit der Gesellschaft.»

Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 09.07.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / European Evangelical Alliance

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