So machten Kirchen Schlagzeilen

Das Wunder von La Guaira

So machten Kirchen Schlagzeilen
Diese Woche sorgten ein Wunder in Venezuela, der Umbau einer Kirche zu einer Schule in Zürich und die erzkonservative Piusbruderschaft für Schlagzeilen.

In Venezuela überraschten zwei Erdbeben die Menschen draussen, unter der Dusche – oder mitten im Gottesdienst. Rundherum zerfielen zwölfstöckige Hochhäuser «wie schmelzende Butter in der Sonne». Anders in der Kirche Luz del Mundo: Der Pastor sprach gerade das letzte Gebet – einen Abschnitt aus dem Alten Testament über Vergebung und Gnade –, als der Altar zu beben begann. Die Kirche der evangelischen Glaubensgemeinschaft in La Guaira in Venezuela war noch im Bau; ihre Mauern standen noch nicht. Zwischen den Stahlträgern mussten die Gläubigen mit ansehen, wie rings um sie alles einstürzte, schreibt die Zeitung «El País». Das Erdbeben liess sie erstarren. Anstatt sofort ins Freie zu rennen, blieben sie an Ort und Stelle. Ihre Familien lebten in den Hochhäusern, die eben zusammengebrochen waren. Gleichzeitig begann das Dach der Kirche einzustürzen.

Der Pastor rettete sie. Israel Tauicen war bei den ersten Erschütterungen aus der Kirche gerannt. Zusammen mit einem anderen Gemeindemitglied kehrte er im letzten Moment zurück, um die vier Frauen herauszubringen, bevor das Dach vollständig einstürzte. Nachdem alle Gläubigen die Kirche verlassen hatten, hätten sie sich an den Händen gehalten und mitten im Chaos weitergebetet, erzählt Pastor Tauicen. «Es war voller Staub. Einige eingestürzte Gebäude begannen sogar zu brennen. Der Rauch war gewaltig. Wir baten Gott um Erbarmen und darum, unsere Angehörigen zu beschützen.» Das Erdbeben in Venezuela forderte mehr als 1'600 Menschenleben und verursachte erhebliche Schäden.

Novum in Zürich: Aus Kirche wird Schule

Der Sommersaal mit Bogenfenstern

Seit 2019 führen die reformierte Kirche Zürich und die Stadt Zürich einen regelmässigen Dialog mit dem Ziel, gemeinsam Projekte von allgemeinem Nutzen zu fördern. Das Pionierprojekt Umbau Kirche Wipkingen wurde zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten: Die 1909 erbaute Kirche Wipkingen wird seit 2019 nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt und dient nach einem einjährigen Umbau nun als Schule. Die Kirche leistet damit einen Beitrag zur Deckung des stark wachsenden Schulraumbedarfs im Einzugsgebiet der Schule Waidhalde.

In enger Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche und unter Berücksichtigung von denkmalpflegerischen Aspekten wurde die Kirche Wipkingen nun reversibel umgebaut, die Kosten beliefen sich auf 9,3 Millionen Franken. Die 60-jährige Orgel wurde ausgebaut und nach Kiew transportiert. Die neue Nutzung umfasst Verpflegungs- und Betreuungsräume, eine Bibliothek sowie einen Mehrzwecksaal und einen unbeheizten Sommersaal unter dem Kirchengewölbe, die auch von der Bevölkerung für Veranstaltungen gemietet werden können.

«Die neue Nutzung gibt der Kirche Wipkingen eine lebendige Zukunft und erhält ihren öffentlichen Charakter», zeigt sich Michael Hauser, Kirchenpfleger der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich, erfreut. Der Vorsteher des Schul- und Sportdepartements der Stadt Zürich, Balthasar Glättli, hebt hervor, dass das Projekt Pioniercharakter hat. Es sei das erste Mal, dass ein Kirchengebäude direkt für schulische Zwecke genutzt werden könne. «Mit der Umnutzung der Kirche Wipkingen betreten wir in Zürich Neuland», sagte er.

Vatikan schliesst erzkonservative Piusbruderschaft aus

Die Piusbrüder brauchen mehr hochrangiges Personal. Die erzkonservative Gruppe am Rand der katholischen Kirche hat Zulauf. Im Unterwallis weihten sie auf dem Hügel hoch zur «Kirche des Unbefleckten Herzens Mariens» in Ecône vier neue Bischöfe. 16’000 Gläubige aus der ganzen Welt seien angereist, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Der Papst hatte ihnen mit der Exkommunizierung gedroht. Sie liessen aber nicht davon ab und ignorierten ein unmissverständliches Verbot von Papst Leo XIV. Damit vollzogen sie einen «schismatischen Akt» – eine Abspaltung von der Kirche. Das bezahlen sie nun mit der Verbannung aus der katholischen Kirche.

Weltweit gehören nach Angaben der Gemeinschaft heute mehr als 700 Priester der Piusbruderschaft an. Bis am Mittwoch zählten die Piusbrüder zwei Bischöfe. Die Weihe vier neuer Bischöfe begründeten sie mit einer aus ihrer Sicht bestehenden Notlage: Um den Fortbestand der Gemeinschaft zu sichern, seien die Weihen notwendig, denn nur Bischöfe können neue Priester weihen. Seit Jahrzehnten schwelt der Konflikt zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. – so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft – und dem Vatikan. Gegründet wurde die Gemeinschaft 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre. Konkret geht es darum, dass die Piusbrüder bis heute zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ablehnen. Die Priesterbruderschaft bedauert, dass diese Weihen aufgrund der aussergewöhnlichen Umstände ohne die Erlaubnis des Heiligen Vaters erteilt werden mussten. 

Zum Autor: Markus Baumgartner ist Inhaber der Kommunikationsagentur b-public AG und u.a. Mediensprecher Dachverband Freikirchen.ch, Co-Präsident Forum Christliche Führungskräfte, Vizepräsident der Agentur C und Herausgeber des Dienstagsmail.

Datum: 05.07.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Livenet

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