Just People Kurs – Gesellschaft

Global verbunden – Geschichte und Gegenwart?

Der heutige Gedankenanstoss lautet: Wie können wir ein gerechtes Leben führen?
Unser Alltag ist enger mit der Welt verbunden als wir oft denken. Dieser Beitrag zeigt, wie Kolonialismus, globale Ungleichheit und moderne Ausbeutung bis heute zusammenhängen.

Unser Alltag ist eng mit Menschen weltweit verknüpft. Wenn wir uns von der Sehnsucht nach Gerechtigkeit leiten lassen, tauchen dabei einige wichtige Fragen auf:

  • Wie können wir ein gerechtes Leben führen, obwohl wir so stark voneinander abhängig sind?
  • Wie gehen wir als Gesellschaft verantwortungsvoll mit den uns anvertrauten Ressourcen um?
  • Welche Kosten und Schäden verursacht unser Wohlstand in der Schweiz – auch wenn wir ihn gar nicht bemerken?

Leidenszeit für den Süden – 500 Jahre Kolonialismus

Manche Weltregionen und Länder scheinen stabiler als andere zu sein. Was hat dazu geführt, dass gleichzeitig viele andere mit extremer Armut und anderen Problemen kämpfen? Und woher kommt unsere gängige Sichtweise vom «entwickelten» globalen Norden und dem vermeintlich «unterentwickelten» globalen Süden?

Ein Blick in die rund 500-jährige Kolonialgeschichte zeigt, dass diese Ungleichheit historisch gewachsen ist. Schon früher glaubten viele Menschen in Europa, den anderen überlegen zu sein. Dieses Denken führte dazu, dass Ungleichheiten aktiv verstärkt wurden.

Im 15. Jahrhundert begannen die Europäer, nach Afrika, Asien oder Lateinamerika zu segeln. Dabei erklärten sie viele ihrer «Entdeckungen» zu ihrem Eigentum und nannten sie «Kolonien». Über Jahrhunderte hinweg plünderten die europäischen Kolonialmächte Menschen und Natur aus. Ziel war es, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und neue Handelsrouten zu erschliessen.

Ausserdem brach unter den damaligen europäischen Grossmächten wie etwa England, Frankreich, Spanien und Portugal ein regelrechter Wettkampf aus: Wer die meisten Kolonien hatte, galt als der Mächtigste. So kam es, dass Ende des 19. Jahrhunderts 85 Prozent der weltweiten Landfläche von europäischen Mächten beherrscht wurden. Europa fühlte sich überlegen und sprach anderen Völkern oft grundlegende Rechte und Würde ab. Menschen wurden auf ihre Arbeitskraft reduziert, sie wurden zur Ware. Beim Handel mit Sklaven verloren etwa 12 bis 14 Millionen Afrikaner und Afrikanerinnen ihre Heimat, ihre Freiheit und viele ihr Leben.

Alles Geschichte? – Moderne Sklaverei der Gegenwart

Rückblickend auf die Kolonialzeit fällt es leicht, mit dem Finger auf die Ungerechtigkeit von «damals» zu zeigen. Doch wie werden spätere Generationen auf unsere Zeit schauen? Werden sie unser jetziges globales Wirtschaftssystem möglicherweise moralisch genauso verurteilen wie wir heute den Kolonialismus?

Tatsache ist, dass es erschreckende Parallelen zwischen der Kolonialzeit damals und dem Weltwirtschaftssystem heute gibt.

  • Sklaverei: Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass es heute mehr versklavte Menschen gibt als jemals zuvor. Rund 40 Millionen Menschen sind schätzungsweise Opfer moderner Sklaverei, etwa ein Viertel von ihnen Kinder. Ein Teil unserer Weltwirtschaft baut bis heute auf versteckter Zwangsarbeit auf, etwa in der Landwirtschaft, Textilindustrie oder auf dem Bau.
  • Abhängigkeit: Heute gibt es zwar keine Kolonien mehr, aber viele ehemalige Kolonien sind durch Handel und Entwicklungshilfe abhängig von Staaten, Unternehmen und Institutionen des globalen Nordens.
  • Ressourcen: Nach wie vor kommen Bodenschätze, Lebens- und Genussmittel aus dem globalen Süden zu uns in den Norden. Auch unser Wohlstand hängt oft davon ab. Länder wie die Demokratische Republik Kongo, die aufgrund ihrer Bodenschätze eigentlich zu den reichsten der Welt zählt, gehören zu den ärmsten. Denn hier wie auch anderswo profitieren vor allem grosse internationale Konzerne von der politischen Instabilität dieser Länder und beuten Land und Leute aus.

Vertiefung

  • Mit welchen Ländern warst du heute durch deine Produkte schon verbunden? Sei es durch Lebensmittel oder durch Dinge, die du täglich benutzt...
  • Was denkst du: Wurden die Menschen, die diese Produkte hergestellt haben, eher wie Sklaven behandelt oder wie Brüder und Schwestern?

Action Steps

Ein «Icebreaker-Spiel» um sich auf spielerische Weise in einer Gruppe Zugang zu diesem komplexen Thema zu verschaffen:

  • Ziel: Verdeutlichung der Kolonialmacht 
  • Impuls: Schon früher glaubten viele Menschen in Europa, den anderen überlegen zu sein. 
  • Material: «Befehle des Kolonialherren» 
  • Teilnehmende: mind. 8  
  • Ablauf:   
    • TN werden in zwei Gruppen geteilt, die um die Gunst des Kolonialherren streiten.  
    • Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter spielt den «Kolonialherren» und nimmt auf einem «Thron» Platz. 
    • Der «Kolonialherr» befiehlt den beiden Gruppen, ihm oder ihr bestimmte Gegenstände zu bringen 
    • Ein Glas Wasser 
    • 5 Blatt Klopapier 
    • Die längste zusammengeknüpfte Schnürsenkelschnur 
    • Etwas Grünes 
    • Ein Socken mit Loch 
    • Etwas zum Luft-zu-fächern 
    • Das längste Haar 
    • usw.

Die Gruppe, die das Objekt zuerst herangeschafft hat, erhält einen Punkt. 

Reflexion zu dieser Übung:

Über Jahrhunderte hinweg plünderten die europäischen Kolonialmächte «ihre» sogenannten Überseegebiete aus. Ziel war es, die eigenen Bedürfnisse und die Nachfrage nach ausländischen Gütern zu befriedigen und neue Handelsrouten zu erschliessen. Welche Folgen brachte das mit sich? 

Lukas Gerber hat den Beitrag auf Grundlage des Kursbuches Just People für dieses Format überarbeitet. In diesem Dossier findest du alle Beiträge zum Just People Kurs. 

Der Just People-Kurs wurde von StopArmut und Micha Deutschland herausgegeben. Der Kurs ist als Buch, in digitaler Form und auch speziell für Jugendliche erhältlich. StopArmut ist eine Sensibilisierungskampagne, die von Interaction, dem Dachverband christlicher Entwicklungsorganisationen aus der Deutschschweiz und der Romandie getragen wird. StopArmut ruft dazu auf, sich als Ausdruck gelebter Nächstenliebe für eine gerechtere und barmherzigere Welt einzusetzen.

Datum: 30.09.2026
Quelle: Just People Kurs; für dieses Format überarbeitet

Publireportage
Werbung
Livenet Service
Werbung