Persönlicher Impuls

«Sei kein Rindvieh!»

Sei kein Rindvieh und lass dich von den Sprüchen inspirieren (Symbolbild)
Es ist mein grosses Privileg als Livenet-CEO, euch auf eine Reise mitzunehmen, in der wir gemeinsam die Sprichwörter der Bibel näher beleuchten und Weisheitslehrer treffen. Jeweils am Dienstag gibt’s einen Impuls direkt aus den Sprüchen.

«Wer gern erzogen wird, lässt sich etwas sagen. Wer sich nichts sagen lässt, ist ein Rindvieh.» Sprüche Kapitel 12, Vers 1 / Basis Bibel

Es sind Sprichwörter wie dieses, die mein Herz seit über 20 Jahren immer wieder neu erobern. Ich mag diesen unverschämt ehrlichen Ton, diese Kratzbürstigkeit. Wenn Frau Weisheit zu Beginn des biblischen Buchs der Sprüche einlädt, von ihr zu lernen, ist damit eine viel universellere Art des Lernens gemeint, als wir das vielleicht mit Schule, Studium oder anderer Wissensvermittlung assoziieren. Weisheit bedeutet auf Hebräisch «Chokmah», was viel mehr als Wissen oder geistige Aktivität umfasst. Es geht um aktives Handeln, angewandtes Wissen. Wer sich von den Sprüchen erziehen lässt, wächst in eine Reihe praktischer Fähigkeiten hinein, um gut in Gottes Welt leben zu können.

Der wissende Leiter als Gefahr

Ein gesundes Mass an Demut und Lernbereitschaft ist eine zentrale Eigenschaft für Personen in Leitungsverantwortung. Bestsellerautor und Führungskräfte-Coach Thomas Härry bringt es in seinem neuen Buch «Führungsweise» wie folgt auf den Punkt: «Wer leitet, sollte weder meinen noch den Eindruck vermitteln, er sei ein Allwissender. Kenntnisse sind gut, Wissen ist es auch. Aber auch der beste Leiter weiss nicht, was ihn um die nächste Ecke erwartet. Der wissende Leiter gehört zu den grössten Gefahren für eine Organisation. Er versucht, durch Rechthaben zu führen. Doch wer recht haben muss, kann sich keine Fehler erlauben. Wenn er sie dann doch macht, vertuscht er sie und redet sie schön. Oder sucht nach Sündenböcken in seinem Umfeld.»

Meine «Rindvieh-Vorkehrungen»

Damit ich selbst kein Rindvieh werde, habe ich ein paar Vorkehrungen getroffen. Diese sechs Punkte helfen mir, lernbereit durchs Leben zu gehen:

  1. Gewöhn dich an anders

Jesus nachzufolgen bedeutet, sich immer wieder von ihm überraschen, beschenken und belehren zu lassen. Das neutestamentliche Wort für «umkehren» (griechisch «metanoeo») bedeutet wörtlich «umdenken». Gemeint ist hier kein einmaliges Geschehen, sondern eine bleibende Grundhaltung. Konkret heisst das für mich, sein Wort immer wieder auf mich wirken zu lassen – sei es durch Bibellektüre, Gespräche mit anderen Christen oder das Hören von Podcasts und Predigten. So bleibe ich offen, immer wieder neu über diesen Jesus zu staunen. Schon seine Jünger waren ständig herausgefordert, sich auf Neues einzulassen, wenn plötzlich am Sabbat heilte, mit einer samaritanischen Frau sprach oder Zeit mit einem Zolleinnehmer verbrachte. Deshalb mag ich den Slogan «Gewöhn dich an anders!» der Bibelserie «The Chosen». Dieser bringt das Umdenken, das zur christlichen Nachfolge dazugehört, wunderschön zum Ausdruck.

  1. Eigenes Liebes-Barometer abchecken

Wie steht es um meine Dankbarkeit und meine Liebesfähigkeit? Wenn ich Stolz und Neid wuchern lasse, kann ich nicht gleichzeitig offen auf Menschen zugehen. Darüber schreibt Jakobus in seinem Brief unmissverständlich: «Denn wo Neid und Streitsucht herrschen, da gibt es Unfriede und alle Arten von bösen Taten. Anders aber ist die Weisheit, die von Gott kommt: Sie ist zuerst einmal rein. Dann ist sie friedlich, gütig und bereit, sich etwas sagen zu lassen. Sie ist auch voller Barmherzigkeit und bringt gute Früchte hervor. Und sie ist unparteiisch und aufrichtig.» (Jakobus Kapitel 3, Verse 16-17)

  1. Sich mit jüngeren Menschen umgeben

Als ich die Geschäftsführung bei Livenet übernahm, war eine meiner ersten Amtshandlungen, eine 15 Jahre jüngere Leiterin ins Leitungsteam zu holen. Heute, drei Jahre später, leitet sie bereits die Redaktion von jesus.ch, einen wichtigen Arbeitsbereich unserer Medienorganisation. Der bekannte Leadership-Podcaster Carey Nieuwhof hebt in seinem Buch «Eisberg voraus!» deutlich hervor, dass jüngere Führungskräfte «der Schlüssel zur Erneuerung und zur Zukunft» einer Organisation seien. Und er hat recht. Wenn ich mich mit jüngeren Leitern umgebe, kann ich eine Menge lernen! Wichtig ist dabei, nicht nur zu versuchen, ihnen alles beibringen zu wollen, was ich gelernt habe, sondern ihnen auch zuzuhören. Als Vater von drei Kindern komme ich ständig in den Genuss von Gratis-Coaching, wenn ich neugierig bin, die Welt der jüngeren Generation zu erforschen und zu verstehen.

  1. Die Mission ist wichtiger als die Methode

Jüngere Menschen und andere Persönlichkeiten halten mich auch in Bewegung, wenn es um die Methoden geht, die schnell zu «heiligen Kühen» werden können. Unsere Mission als Organisation bleibt, doch die Methoden ändern sich teils radikal. Es darf nicht sein, dass wir unsere Marketingstrategie beibehalten, die vor zehn Jahren noch funktionierte, auch wenn der Markt sich inzwischen dramatisch verändert hat. Carey Niewhof appelliert diesbezüglich auch an Kirchen und Unternehmen, die äusseren Veränderungen nicht zu verpassen: «Wir verwenden neue Technologien, um ein altes Modell aufrechtzuerhalten. Doch wie wäre es, wenn Führungskräfte anfangen würden, sich als digitales Unternehmen mit physischer Präsenz zu verstehen, statt als physisches Unternehmen mit digitaler Präsenz? Immerhin sind die Menschen, die Sie erreichen wollen, bereits online.»

  1. Die Kultur beobachten

In eine ähnliche Richtung geht der fünfte Punkt: Wenn ich die heutige Kultur nicht verstehe, werde ich ihr nie eine Botschaft vermitteln können. Deshalb lohnt es sich, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, mit Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen ins Gespräch zu kommen und auch Zeitungen zu lesen. Ein leuchtendes Vorbild in diesem Thema ist für mich Billy Graham, der grösste Prediger des letzten Jahrhunderts. Er setzte sich intensiv mit der Kultur einer Stadt auseinander, in der er auftrat. Sein jüngerer Bruder Melvin Graham wurde im hohen Alter darauf angesprochen, woher Billys inneres Wachstum kam. Seine Antwort: «Billy hat sich mit praktisch jedem Menschen eingelassen. Es war ihm gleich, wen er vor sicht hatte – König oder Bettler. Er hat viel studiert, hat viel gebetet. Er ging oft auf die Knie oder warf sich platt auf den Boden, um Gott anzurufen. Ich habe es selbst gesehen.» (Gelebte Leiterschaft – die Führungsprinzipien Billy Grahams, S. 281).

  1. Freunde und Mentoren

Ein zuverlässiges Netz an engen Freunden und vertrauenswürdigen Mentoren ist unverzichtbar, um als Leiter nicht irgendwann entmutigt oder irregeleitet zu sein. Der Ehepartner spielt hier natürlich eine zentrale Rolle. Die Sprüche haben viel dazu zu sagen, wie und wo gesunde Beziehungen aufzubauen sind. Damit werden wir uns intensiv auseinandersetzen. Deshalb «stay tuned» in dieser Serie, wenn du mehr darüber erfahren willst!

Für heute bleiben wir bei diesem einfachen Rindvieh-Test aus Sprüche Kapitel 12, Vers 1. Lass mich dir dazu noch eine Prüffrage zum Schluss stellen: Was macht es mit dir, wenn du kritisiert wirst? Gerade wir Führungskräfte erkennen in diesen Momenten am klarsten, wie es um unsere Demut und Lernbereitschaft steht. Also komm, sei kein Rindvieh!

Erklärvideo zu den Sprüchen von Bibelprojekt:

Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte Flo vom Lokalradio zu Livenet in Bern, wo er als Chefredaktor, Talkmaster und Brückenbauer in der christlichen Szene wirkt. Sein Anliegen ist es, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren.

Datum: 31.03.2026
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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