Glaube, der Kreise zieht
Daniel Imhof ist Manager bei Nestlé Schweiz und trägt dort Verantwortung fürs Beschaffen der Agrarrohstoffe, für Nachhaltigkeitsprojekte sowie Beziehungen zu Wirtschaft, Politik und NGOs. Das ist herausfordernd und nimmt viel Raum ein. Trotzdem ist die Arbeit nicht sein wichtigster Lebensinhalt. «Familie, Gemeinde, unsere verschiedenen Engagements, die wir in der Gesellschaft haben, sind natürlich auch mega wichtig», sagt er.
Im Job: Christsein mit Haltung
Sein Christsein versteht er nicht als etwas, das er am Eingang zum Büro abgibt. Er will «den Unterschied machen» und sieht sich und andere Christen im Job als Botschafter Jesu mitten in der Gesellschaft. Gerade die Wirtschaft hält er für einen entscheidenden Bereich: Wo viel Geld und Einfluss vorhanden sind, brauche es Menschen, die Verantwortung übernehmen und für gute Werte einstehen.
Daniel berichtet von unbequemen Situationen, in denen er Geschäfte verhindert hat, die aus seiner Sicht nicht korrekt waren. Gleichzeitig habe er erlebt, dass aus solchen scheinbaren Verlusten später bessere Möglichkeiten entstanden. Ein CEO habe ihm einmal gesagt, dass er merke, «wenn ich da bin, läuft es irgendwie besser». Daniel schreibt das nicht sich selbst zu: «Da ist halt … Gott drumherum.»
Bemerkenswert ist auch sein Umgang mit NGOs, die zuerst sehr kritisch waren. Nach anfänglichen Auseinandersetzungen sitzt Daniel heute mit dem WWF gemeinsam in einer parlamentarischen Kommission. Für ihn ein Beispiel, was Glaube bewirken kann: Beziehungen leben, statt Fronten aufzubauen.
Geistliches Leben: Glaube bleibt nicht privat
Auch für Tabea Imhof war früh klar, dass das Evangelium nicht nur für sie persönlich galt. Sie wollte Missionarin werden. Ihr Weg führte allerdings nicht in die klassische Mission: Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin engagiert sie sich seit rund 20 Jahren in einem sogenannten «verschlossenen» Land, in dem viele noch nie vom Evangelium gehört haben. Diese Erfahrungen prägten sie.
Das selbstverständliche Integrieren des Glaubens in den Alltag praktiziert sie auch im eigenen Umfeld. Ein Schlüsselerlebnis war für sie die Hilfe einer jungen Australierin, die sie kaum kannte. Als sie krank war, unterstützte diese sie spontan zwei Wochen lang im grossen Familienhaushalt. «Das ist das Reich Gottes», sagt Tabea rückblickend. Auch im Ausland erlebte sie Vorbilder wie eine Pastorenfrau, die sich trotz kleiner Kinder, fehlender Waschmaschine und deutlich weniger Komfort Zeit für ein Gebetstreffen und evangelistische Aktivitäten nimmt. Tabea beschloss deshalb, gemeinsam mit einer anderen Frau aus ihrem Dorf eine Gebetsgruppe zu gründen.
Familie: Gemeinsam unterwegs
Tabea und Daniel Imhof sind seit 25 Jahren verheiratet und haben fünf Kinder. Allerdings hatten sie ihren gemeinsamen Weg kaum planen können. Daniel studierte, Tabea machte ihre Ausbildung, dann kamen die Kinder und später Daniels Einstieg bei Nestlé. Mehrfach zog die Familie um. Rückblickend erkennen sie darin Gottes Führung: «Wir haben einfach immer wieder gemerkt, wie uns Gott dort hineinführt.» Sowohl beruflich als auch familiär verstehen sich die beiden als Team. Sie teilen vieles miteinander und sind gemeinsam unterwegs. Gleichzeitig zeichnen sie kein idealisiertes Familienbild. Bei fünf Kindern zwischen 15 und 25 Jahren geht es turbulent zu. «Unsere Kinder sind nicht immer die Perfekten und wir zwei auch nicht», sagt Tabea. Diese Ehrlichkeit gehört für sie zum christlichen Leben dazu.
Das Haus: Offen für Menschen
Ihr gelebter Glaube wird auch im gemeinsamen Zuhause sichtbar. Schon früh in ihrer Ehe hatten Tabea und Daniel die Vision für ein offenes Haus. Im Gebet formulierte Daniel einmal den Wunsch, dass Menschen bei ihnen «reinkommen und Jesus erleben dürfen». Heute haben sie solch ein Haus, in dem viele Menschen ein- und ausgehen. Es sind Gäste aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen, manche bleiben länger. Für Imhofs ist Gastfreundschaft nicht nur Zusatzprogramm, sondern Teil ihres Bildes von Gottes Reich. Im Haus überschneiden sich Glaube und Alltag: Menschen begegnen sich, helfen einander und teilen Leben.
Im Land: Gemeinde statt Konkurrenz
Auch für die Schweizer Kirchenlandschaft haben die Imhofs eine Vision. Daniel stört die Vorstellung, dass Gemeinden oder christliche Werke miteinander konkurrieren müssten. Er vergleicht es mit verschiedenen Marken innerhalb eines Unternehmens: «Unser grösster Konkurrent» sei nicht die Kirche nebenan. «Wir gehören alle zum gleichen Club.» Und Tabea ergänzt, dass jeder das Evangelium dort leben solle, wo man hingestellt ist: als Mutter, im Beruf, im Garten, in der Nachbarschaft oder auf der Strasse. «Das Evangelium ist eine Bewegung», sagt sie. Christsein könne deshalb nicht auf den Gottesdienst am Sonntag begrenzt bleiben.
Die Herausforderung für Christen heute sieht Daniel darin, die weltweiten Strukturen und Beziehungen der Kirche dafür zu nutzen, dass Hunderte Millionen Menschen, die kaum Zugang zum Evangelium haben, Jesus kennenlernen. Dafür brauche es keinen grossen Leiter: «Der ist nämlich schon gekommen, das ist Jesus.» Es brauche vielmehr Menschen, die an ihrem jeweiligen Ort losgehen: in der Familie, im Dorf, in der Gemeinde, im Quartier und am Arbeitsplatz. Diesen Gedanken leben Tabea und Daniel Imhof – allerdings nicht als fertiges Erfolgsmodell. Sie erzählen von einem Weg, auf dem vieles anders gekommen ist als erwartet. Aber gerade darin liegt ihre Ermutigung: Geistliche Wirksamkeit beginnt nicht erst dort, wo Einzelne Grosses leisten. Sie beginnt dort, wo Menschen ihre Haustür und ihr Leben öffnen.
Der gesamte Livenet Talk ist hier zu sehen:
Zum Autor: Hauke Burgarth (*1964) ist gebürtiger Hamburger und lebt in Pohlheim bei Giessen. Hauke arbeitet freiberuflich als Lektor, Autor und Journalist. Daneben engagiert er sich in Teilzeit, aber mit ganzem Herzen, als Pastor der Christusgemeinde in Lich.
Datum: 06.10.2026
Autor:
Hauke Burgarth
Quelle:
Livenet