Ezra Jin: «Hatte schon im Gefängnis keine Angst»
Ezra Jin, Gründer der Zion Church, der vor drei Monaten aus dem Gefängnis freigelassen wurde, setzte sich auf einer Konferenz zur Religionsfreiheit der Dallas Baptist University für Glaubensfreiheit in seinem Land ein. Er bedauerte, dass in China weiterhin mehr als 150 Pastoren und Gemeindeleiter hinter Gittern seien, darunter acht Leiter seiner Zion Church. Er erklärte, dass er täglich für sie eintreten wolle, damit sie nicht vergessen würden.
Pastor Jin hielt das zentrale Interview bei der dritten jährlichen Global Religious Freedom Gathering des Randel Everett Center for Global Religious Freedom der Bildungsstätte.
Tochter sprach von systematischer Kampagne
Pastor Jin wurde im Oktober 2025 verhaftet. Die Festnahme erfolgte während eines Vorgehens gegen unabhängige christliche Gottesdienste, bei dem auch Dutzende Pastoren und Gemeindemitglieder ins Visier genommen wurden. Im Juli wurde er nach einer direkten Intervention des Weissen Hauses freigelassen.
Im Februar 2026 sagte die Tochter von Ezra Jin, Grace Jin Drexel: «Um zu verstehen, warum mein Vater im Gefängnis ist, muss man verstehen, dass China unter dem Präsidenten Xi Jinping eine systematische Kampagne begonnen hat, um die vollständige staatliche Kontrolle über das religiöse Leben zu erlangen; durch das, was die Regierung ‘Sinisierung der Religion’ nennt.»
Die chinesische Regierung spricht davon, Religionen «chinesischer» zu machen. Grace Jin Drexel kam zu einem anderen Schluss: «Es ist nichts anderes als schlichte Repression. Ab 2018 begann eine Welle der Verfolgung und des harten Vorgehens gegen jedes religiöse Leben unter dem Vorwand der Sinisierung.»
Druck auf wachsende Gemeinde
Pastor Jin sagte nun laut dem Online-Portal «Christian Daily International» (CDI), er habe die Zion Church 2007 in Peking mit etwa 20 Menschen gegründet. Bis 2018 sei die Gemeinde auf 1’500 Mitglieder angewachsen. Während dieser Zeit hätten die Behörden verschiedene Massnahmen gegen die Gemeinde eingesetzt, sagte er. Am häufigsten hätten Beamte Vermieter unter Druck gesetzt, Mietverträge zu kündigen.
Zu anderen Zeiten seien Strom und Wasser abgestellt worden, oder die Polizei habe Gottesdienste unterbrochen und die Gottesdienstbesucher aufgefordert, sich zu registrieren.
Keine Angst
Auf die Frage, ob er davor Angst habe, bei der Veranstaltung öffentlich zu sprechen, antwortete der Pastor: «Ich hatte schon im Gefängnis keine Angst. Jetzt bin ich in Amerika – wovor sollte ich Angst haben?»
China werde von einem totalitären System regiert, das alles verfolge, was ausserhalb seiner Kontrolle liege. Er unterschied dies laut CDI von Chinas langer Geschichte autokratischer Herrschaft. Kaiser hätten grosse Macht besessen, sagte er, aber sie hätten nicht kontrolliert, was die Menschen dachten, wen sie heirateten oder wie viele Kinder sie hatten.
Gebet für Freiheit
Christen im Westen sollten sich für verfolgte Gläubige einsetzen, weil die Kirche ein einziger Leib sei. In einem Interview mit der «Christian Post» im Museum of the Bible hielt er fest: «Ich bete – und ich hoffe, dass andere sich diesem Gebet anschliessen –, dass Präsident Xi die Verfolgung von Christen beendet.»
Trotz der Bemühungen der Kommunistischen Partei weitete sich die Reichweite der Zion Church sogar noch aus, nachdem ihr Kirchengebäude im September 2018 geschlossen worden war.
Jin ermutigte die Gemeindemitglieder damals, sich in Parks oder Wohngebieten zu versammeln, seine vorab aufgezeichneten Predigten anzuhören, das Evangelium weiterzugeben und während des Laufens gemeinsam Gottesdienst zu feiern. «Damals nannte ich es ‚Walking Worship‘.»
Gewaltige Erweckung erwartet
Pastor Jin erinnerte daran, dass vor der chinesischen Revolution unter Mao Zedong im Jahr 1949 es in China schätzungsweise etwa 700’000 protestantische Gläubige gegeben. Seiner Einschätzung nach gebe es heute wahrscheinlich mehr als 80 Millionen Christen. «Seit der kommunistischen Machtübernahme 1949 hat die Kirche eine Unterdrückung erlebt, wie sie in der Geschichte nur selten zu sehen war.»
Er rechnet nun mit einem Umbruch. «Entscheidend ist, was als Nächstes geschieht. Es wird wahrscheinlich in der gesamten Gesellschaft eine sehr starke Gegenbewegung geben. Glaube ist etwas Innerliches, und äußerer Druck kann ihn nicht wegnehmen. Solange der äussere Druck vorhanden ist, werden Menschen, deren Glaube nicht fest ist, gehen. Für diejenigen jedoch, die tatsächlich Glauben haben, wirkt er reinigend und stärkend. Wenn sich die Umgebung dann verändert, wird diese Kraft und dieses Wachstum plötzlich hervorbrechen und aufblühen», hielt er im Interview mit der Christian Post fest. Und weiter: «Daher könnt ihr vielleicht eine dreissigfache, sechzigfache oder sogar hundertfache Frucht sehen. Ich glaube, dass ich zu meinen Lebzeiten erleben werde, wie China eine weitere gewaltige Erweckung erfährt.»
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.
Datum: 04.10.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet