Vom türkischen Gefängnis in die US-Kommission
Die Kommission hat die Aufgabe, die US-Bundesregierung in Fragen der internationalen Religionsfreiheit zu beraten. Die Berufung Brunsons erfolgt kurz nachdem Jane Graham Lynch, eine Enkelin des verstorbenen Predigers Billy Graham, für das Amt der Sonderbotschafterin der USA für internationale Religionsfreiheit nominiert wurde.
«Mit diesen Ernennungen verfügt die USCIRF wieder über ihre vollständige parteiübergreifende Zusammensetzung, was unsere Bemühungen zur Förderung der Religionsfreiheit im Ausland für alle Menschen weiter unterstützt. Wir freuen uns darauf, gemeinsam daran zu arbeiten», sagte die stellvertretende Vorsitzende der USCIRF, CeCe Heil, laut der «Christian Post».
23 Jahre in der Türkei gearbeitet
Brunson arbeitete gemeinsam mit seiner Frau Norine 23 Jahre lang in der Türkei. Im Jahr 2016 gehörte er zu den Zehntausenden Menschen, die nach dem mutmasslichen Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan festgenommen wurden. Er wurde fälschlicherweise der Spionage und des Versuchs beschuldigt, seine Religion zur Untergrabung der Regierung einzusetzen.
Ihm drohte eine lebenslange Haftstrafe. Zwei Jahre lang befand er sich in Haft, während Erdoğan ihn als politisches Druckmittel verwendete. Nach mehreren Gerichtsverhandlungen befand ihn am 12. Oktober 2018 ein türkisches Gericht für schuldig, rechnete ihm aber die bisherige Haftzeit an, wodurch er freigelassen wurde.
Andrew Brunson reagierte 2017, also während seiner Haftzeit, unter anderem mit einem Lied, das er hinter Gittern verfasste.
«Dadurch der Türkei Segen gebracht»
Brunson befürchtete, dass er nie mehr frei kommen würde. «Ich verlor alle Hoffnung!», gab er im Interview mit Fox News zu. Seine Situation änderte sich erst, als Brunson durch wöchentliche, halbstündige Besuche seiner Frau erfuhr, dass Menschen auf der ganzen Welt für ihn beteten. «Ich erkannte, dass mein Leiden einen Sinn hat, dass Gott involviert war und dass er mein Leiden für etwas nutzen würde…»
So sagte er unter anderem: «Obwohl uns dies alles sehr weh getan hat, glaube ich, dass Gott es genutzt oder geplant hat, um dadurch der Türkei Segen zu bringen. Denn heute gibt es Millionen von Menschen, die für die Türkei beten!» Er sprach unter anderem von einem «Missionsbeschleuniger». Die Protestanten in der Türkei fühlten sich nach Brunson stärker.
Hinter Gittern getanzt
Während seiner Haft litt Brunson unter einer schweren Depression, berichtet die «Christian Post» weiter. Trotzdem traf er bewusst die Entscheidung, Gott zu vertrauen und sich trotz seines Leidens zu freuen.
Während seines zweiten Haftjahres verbrachte er demnach jeden Tag fünf Minuten damit, allein in seiner Gefängniszelle zu tanzen und zu springen, während er das Matthäus-Evangelium Kapitel 5, Vers 12 rezitierte: «Ja, freut euch und jubelt, denn im Himmel werdet ihr dafür reich belohnt werden! Genauso hat man die Propheten früher auch schon verfolgt.»
Ewigkeitsperspektive wichtig geworden
Wichtig wurde ihm auch der Blick auf die Ewigkeit; er sagte: «Lebe für den Tag, an dem du vor Jesus stehen wirst.» Dieser Blick auf die Ewigkeit helfe dabei, jede Situation in dem Licht zu sehen, dass Gott die Kontrolle hat. Und wer weiss, dass schwere Zeiten auf ihn zukommen, kann sich vorbereiten und wird davon nicht überrascht – letzteres erzeuge vor allem Angst.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.
Datum: 20.09.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet