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Kirchliche Jugendarbeit: Konflikte austragen

Konflikte sollte man nicht einfach ignorieren, sondern direkt ansprechen und gemeinsam eine Lösung finden.
Konflikte an sich sind nichts Schlechtes – doch es ist wichtig, zu lernen, wie man Konflikte konstruktiv angeht und austrägt. Jugendpastor Joel Meier berichtet dabei aus seiner Erfahrung.

Nicht ein Team ohne Streit und Konflikte ist ein gutes Team, sondern ein Team, das gut mit Meinungsverschiedenheiten umgehen kann. Da wir alle – auch in der Kirche – unperfekte Sünder sind, werden wir immer wieder Auseinandersetzungen haben. Konflikte an sich sind nichts Schlechtes. Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn scheinbar alle immer gleicher Meinung sind.

Das Neue Testament berichtet uns sehr offen von Konflikten, welche es in den ersten Jahren der Kirche gab. Zwei davon lesen wir in der Apostelgeschichte im Kapitel 15: dem Apostelkonzil und dem Streit zwischen Paulus und Barnabas. In beiden Fällen wurden die Differenzen nicht einfach ignoriert oder so getan, als ob die Meinungsverschiedenheiten kein Problem darstellten.

Warum vermeiden wir Konflikte?

Typische Ursachen für das Vermeiden von Konflikten in der Kirche sind:

  • Angst vor der Eskalation
  • Angst vor den Konsequenzen
  • Falsches Verständnis von Unterordnung oder Einheit
  • Versteckte Sünde
  • Ungehorsam
  • Faulheit

Ich glaube zutiefst, dass das Evangelium die Art und Weise verändert, wie wir mit Konflikten umgehen. Denn eines haben wir gelernt, als Jesus uns begegnet ist: Unsere Sünden, unser grösstes Problem, wurden von Gott nicht ignoriert und nicht unter den Teppich gekehrt. Nein, Jesus wollte nicht vor diesem Problem fliehen oder davonlaufen. Nein, er trug den Konflikt aus. Er machte sogar unser Problem zu seinem Problem und fand dafür die beste Lösung. Er ging ans Kreuz und nahm alle unsere Sünden auf sich. Er ging mitten durch den Konflikt – auch wenn es ihn alles kostete.

Ursprünge und Lösungen

Nicht immer ist Sünde der Ursprung eines Konflikts. Es können auch unterschiedliche Meinungen oder Missverständnisse sein. Was aber in jedem Fall bleibt: Wegschauen hilft nicht weiter. Auch wenn du als Leiter den Konflikt nicht selbst verursacht hast, ist es dein Anliegen, dass Konflikte in deiner Jugendgruppe ausgetragen werden, Sünde angesprochen wird (vgl. Mt 18,15) und wenn möglich ein gemeinsamer Weg und eine Lösung gefunden werden können. Denn wenn wir richtig damit umgehen, können wir daran wachsen! Wir wollen eine Kultur fördern, in der man unterschiedliche Meinungen haben darf, aber geeint miteinander unterwegs ist. Das passiert nur, wenn Konflikte ausgetragen werden.

Als Leiter müssen wir deshalb Gewohnheiten anwenden, wie:

  • sich bedanken, wenn etwas Schwieriges angesprochen wird
  • den Elefanten im Raum anzusprechen
  • die unausgesprochenen, harten Fragen zu stellen
  • andere unter vier Augen zur Rede zu stellen
  • aktiv kritische Meinungen einzubeziehen
  • im richtigen Rahmen Streitgespräche zuzulassen
  • Entscheidungen auch dann mitzutragen, wenn die eigene Position nicht durchgekommen ist
  • verstrittene Parteien für ein klärendes Gespräch zusammenzubringen
  • Hilfe zu holen, wenn du selbst mit einem Konflikt überfordert bist

Das Apostelkonzil zeigt uns, wie es möglich ist, lange heftig zu streiten (Apostelgeschichte 15,7), aber schlussendlich geeint vorwärtszugehen. Das tönt so einfach, aber natürlich ist Konfliktmanagement zurecht ein eigenes Fachgebiet. Falls du darin keine Kompetenzen hast, empfehle ich dir sehr, eine geeignete Weiterbildung mit diesem Fokus zu besuchen. Du wirst es nicht bereuen.

Real-Life Story von Carolina

Im November 2023 machte ein Leiter aus unserem Team eine längere Pause. Wir wussten nicht, was der Grund für seine Pause war. Wir fragten auch nicht nach, weil wir dachten, dass er im Sommer 2024 zurückkommen würde. Als wir im Frühjahr 2024 erfuhren, warum er eine Pause gemacht hatte und uns mitgeteilt wurde, dass er als Leiter zurücktreten müsse, waren wir alle überrascht. Zuerst schien die Situation ruhig, aber mit der Zeit wurden viele wütend und stellten die Kompetenz unseres Hauptleiters infrage. Als verschiedene Leitende zu mir kamen, um über unsere Situation zu sprechen, bemerkte ich, dass es immer mehr zu Lästereien und Verbitterung kam. Ich ging zu meinem Hauptleiter und bat ihn um ein Gespräch mit unserem Jugendpastor, ihm und drei weiteren Leitenden aus unserem Team. In diesem Gespräch bekamen wir mehr Informationen über die Gründe, warum der Leiter seinen Dienst aufgegeben hatte (wir hatten im Voraus mit dem Leiter selbst auch gesprochen). Wir konnten ansprechen, was uns störte und was unserer Meinung nach im Team verändert werden muss. Durch dieses offene und ehrliche Gespräch konnte unser Hauptleiter verstehen, wie wir uns fühlten und was unser Team brauchte. Ohne dieses Gespräch wäre die Situation eskaliert und viele im Team wären verärgert gegangen. Den Konflikt direkt anzusprechen und einen sicheren Raum zu schaffen, in dem Meinungen und Empfinden frei geäussert werden können, hat uns geholfen, den Konflikt anzugehen.

Reflexionsfragen

  • Wie werden bei euch in der Kirche Konflikte ausgetragen? Was findest du gut/schlecht daran?
  • Wie gehst du damit um, wenn jemand einen kritischen Gedanken in deiner Jugendgruppe äussert?
  • Gibt es Dinge, die du eigentlich schon lange ansprechen solltest? Was hindert dich daran, diesen Konflikt anzugehen?

Dies ist ein Auszug aus dem Buch «Kirchliche Jugendarbeit» von Joel Meier (Verlag BoD - Books on Demand, ISBN 9783695124992) In den kommenden Wochen bietet Livenet weitere Einblicke in den Inhalt des Buches.

Zum Buch:
Kirchliche Jugendarbeit

Zum Autor: Joel Meier ist seit über zehn Jahren Jugendpastor in der Buchegg Church in Zürich. Er hat Theologie in Basel, Zürich und London studiert. Heute coacht und begleitet er mit viel Leidenschaft junge Leiter und Pastoren in der Jugendarbeit. Zudem doziert er an mehreren Bibelschulen und ist in seiner Freizeit am liebsten mit seiner Familie in den Bergen unterwegs.

Datum: 18.09.2026
Autor: Joel Meier
Quelle: Buchauszug «Kirchliche Jugendarbeit»

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