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Kirche in Bewegung mit (Gummi-)Profil

Jeden Freitag findet in Dotzigen das Treffen «Profil» statt (Symbolbild).
Wo der Pfarrer auch der Velomech ist: Das fasst die beiden Tätigkeiten des reformierten Pfarrers Christian Hofer zusammen. Er lebt vor, wie man mit dem Zweirad näher zu den Menschen kommt.

Christian Hofer ist ein leidenschaftlicher Veloliebhaber. Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Baselbiet, hat er schon als Bub eine gut ausgerüstete Werkstatt mit allerlei Werkzeug vorgefunden. Für den Schulweg war er ohnehin jeden Tag auf ein gut geschmiertes Fahrrad angewiesen. Richtig auf den Geschmack kam er dann aber im Theologiestudium, wo er erst für sich selbst und dann für die Kommilitonen als Hobbymechaniker wirkte. So kam es auch, dass er nach der Hochzeit fast ein Jahr mit seiner Frau kreuz und quer durch Europa radelte.

Als Pfarrer der Reformierten Kirche Diessbach bei Büren hat er bereits mehrere Projekte zum Thema Velo einfliessen lassen. Zum Beispiel die «Fahrt zum Sonntag» in den vergangenen Sommern: Man trifft sich am Sonntagmorgen für eine kleine Velotour, geniesst ein zweites Frühstück und feiert dann gemeinsam Gottesdienst. Das Projekt verwirklichte er zusammen mit anderen landeskirchlichen und freien Gemeinden in der Umgebung.

Reparieren und parlieren

Christian Hofer wollte seine Leidenschaft für das Velo immer in sein Pfarramt integrieren, damit es ein Standbein seines kirchlichen Wirkens in der Gemeinde wird. Ein Projekt startete im März 2024 mit dem Repair Café Busswil. Velos, alte Radios und allerhand andere kaputte Gegenstände werden geflickt statt entsorgt. «Christian Hofer schraubt im Hosenträgeroverall an einem Velo», schreibt das Bieler Tagblatt. Pfarrer Hofer hat den Event angerissen und mit einem Leitungsteam von vier Freiwilligen organisiert. «Insgesamt hatte ich mehr als ein Dutzend Anmeldungen von Leuten, die mithelfen wollten», sagt er, selbst überrascht über die grosse Resonanz auf sein Inserat in der Kirchenzeitung «reformiert.». Mit dem Repair Café, sagt der Pfarrer, werde durchaus auf besondere Art missioniert, schreibt das «Bieler Tagblatt». Denn Mission gehört zum Kern des Christentums. Man teilt, was einem kostbar ist und was einen im Innersten bewegt – und redet mit den Menschen darüber. Ob das nun Glaubensinhalte sind oder das Know-how zum Veloreifenwechseln.

Pioniergeist spürbar

Christian Hofer der «Velopfahrer».

Inzwischen konnte die Kirche eine nicht mehr genutzte Werkstatt in Dotzigen übernehmen. «Die Werkstatt lag brach. Das war ein Glücksfall» erklärt Christian Hofer. Mit «Profil – Werkstatt plus» wurde ein Ort geschaffen, wo gemecht, geschraubt und über das richtige Drehmoment gefachsimpelt wird. «Auf der anderen Seite ist auch das Plus drin, dass es ein Ort ist, wo Menschen das Herz aufgeht, wo man gerne hinkommt, wo man Zeit mit Leuten verbringt, denen man sonst gar nicht begegnen würde», erklärt Christian Hofer in einem Kurzvideo zum Projekt. Innert kurzer Zeit konnte er Menschen und Geld für das Projekt gewinnen. Nicht nur seine Kirche, sondern im Rahmen von «Kirche in Bewegung» unterstützen es auch die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (RefBeJuSo).

Dies mit der Begründung: «Profil ist ein überraschender kirchlicher Ort. Hier wird Gastfreundschaft gepflegt und Freundschaft gelebt. Hier ist ein Pioniergeist spürbar. Die Menschen vor Ort haben eine Gelegenheit beim Schopf gepackt. Sie haben dabei grossen Mut bewiesen.» Christian Hofer: «Die Zweiradwerkstatt trägt den Namen Profil, weil natürlich Velo- und Töfflireifen Profil haben. Aber jeder Mensch hat sein Profil, das Projekt zeigt Profil, die Kirche zeigt damit Profil – daher ist es ein passender Name.» Nach bereits eineinhalb Betriebsjahren sind alle Beteiligten überzeugt, dass dies ein längerfristige Projekt ist. Hofer: «Es schwebt uns ein Ort vor, wo vieles passiert – mechanisch und zwischenmenschlich. Wo Kirche anders erfahrbar ist, wo neue Formate möglich sind. Kirchentwicklung von unten mit viel Beteiligung von Freiwilligen. Daher macht diese Idee sehr viel Freude.»

Dieser Artikel erschien zuerst bei Dienstagsmail.

Datum: 15.09.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Dienstagsmail

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