Kontroverse Klimaschutz-Abstimmung: «Nein zum Güggelzwang!»
Am 27. September stimmen die Zürcher Reformierten über das Vorgehen beim Klimaschutz ab. In dem Artikel «Kampagne für klimaverantwortliche Kirche lanciert» kamen bereits die Befürworter zu Wort, die die Kirchgemeinden in die Pflicht nehmen. Heute nun kommt die Gegenseite zum Zuge, die vermeiden möchte, dass die Gemeinden zur Zertifizierung mit dem Grünen Güggel gezwungen werden.
In der Vorlage hat der Zürcher Kirchenrat die 2023 eingereichte sogenannte Schöpfungsinitiative mit Zwangselementen angereichert. Er will den Kirchgemeinden einschneidende Vorgaben machen: Sie sollen rasch alle fossilen Heizungen ersetzen – auch neuere – und im Betrieb insgesamt umweltschonender werden (Energie sparen, Abfall trennen und vermindern, Papierverbrauch senken, Biodiversität fördern…).
Demotivierendes Güggelobligatorium
Der Kirchenrat ist auf den «Grünen Güggel» fixiert. Er hat aufgrund eines Auftrags der Synode das Umweltmanagementsystem des Berner Vereins oeku mehrere Jahre beworben. Doch nur ein Viertel der Kirchgemeinden des Kantons (27) hat sich bisher zertifizieren lassen.
Der Aufwand für das Güggel-Label, das nach vier Jahren eine Rezertifizierung verlangt, ist beträchtlich für die Kirchenpflegen und Mitarbeitende, von den Kosten abgesehen. Die Gegner fordern, dass die Kirchgemeinden sich wie bisher frei für oder gegen den Güggel entscheiden können (es gibt Alternativen wie Ecochurch). Und viele Kirchgemeinden setzen ohne den Grünen Güggel seit Jahrzehnten ökologische Massnahmen um.
Zentralisierung schwächt Kirche
Der Kirchenrat und die Initianten der Schöpfungsinitiative, die ihn unterstützen, sehen den doppelten Zwang (Güggel und 2035) und die Zentralisierung angesichts der «Klimakrise» als notwendig an. Alle Kirchgemeinden, kleine wie grosse, sollen dem Zwangsregime gleicherweise unterworfen werden. Die Kirchensynode billigte die neuen Artikel der Kirchenordnung im Januar nach ungenügender Debatte mit schwachen Mehrheiten.
Kirchenpflegen unterstützen
Das Nein-Komitee von Synodalen warnt auf der Website güggelzwang-nein.ch vor der Überforderung der Kirchenpflegen vor Ort, die andere schwere Brocken zu stemmen haben. Das Komitee kritisiert, dass Kirchgemeinden als Besitzer der Liegenschaften durch kantonalkirchliche Vorgaben zusätzlich eingeengt und entmutigt werden. Das für die Schweiz grundlegende Subsidiaritätsprinzip: Was vor Ort getan werden muss, soll möglichst da entschieden werden, wird verletzt, zum Schaden der Kirche und des ganzen Gemeinwesens.
Nein zur weiteren Verrechtlichung
Die Gegner der Vorlage lehnen auch die weitere Verrechtlichung der Zürcher Kirche ab, die ein reformiertes Netto-Null-Ziel 2035 und viele Detailbestimmungen mit sich bringen würden. Die Landeskirche ist Kirche im Staat mit dem Auftrag, das Evangelium für alle Lebensbereiche auszudeutschen – nicht Staat im Staat. Die Zürcher Stimmbürger haben vor einem Jahr gegen 2040 und für 2050 (Netto-Null-Ziel des Bundes) votiert.
Klimaschutz lokal verantworten
Die «Bewahrung der Schöpfung» und die Nachhaltigkeit sind bereits prominent in der Kirchenordnung der Zürcher Landeskirche verankert. In den Augen der Gegner ist es billig, «Verantwortung» zu übernehmen, indem die Kirchenleitung die Kirchgemeinden zwingt.
Sensibilisiert durch die globale Erwärmung, brauchen sie Freiheit für kreativen Umweltschutz vor Ort. Sie kennen ihre historischen Liegenschaften am besten. Die Gegner der Vorlage fordern, dass der Kirchenrat mit der Denkmalpflege bessere Rahmenbedingungen für Renovationen aushandelt und die Kirchgemeinden vermehrt motiviert und unterstützt.
Schöpfungsspiritualität mit Christus in der Mitte
Jesus Christus ist das «Herz der Schöpfung» (Rowan Williams). Die Schöpfung als wunderbares Geschenk wertschätzen, an Christus als ihren Erhalter glauben und umweltschonend leben – das kann in vitalen örtlichen Gemeinschaften gelingen. Sie sind ganzheitlich zu stärken.
Zur Website:
güggelzwang-nein.ch
Zum Autor: Peter Schmid war Redaktor von «wort+wärch», der Zeitschrift des Evangelischen Gemeinschaftswerkes EGW und Kommunikationsbeauftragter des Landeskirchen-Forums. Er ist Synodaler der Zürcher reformierten Landeskirche.
Datum: 09.09.2026
Autor:
Peter Schmid (Nein-Komitee)
Quelle:
Livenet