Wie wichtig es ist, Vorbild zu sein
Ist es nicht eingebildet, zu sagen: «Folgt meinem Beispiel»? Dachte Paulus, dass er ohne Fehler sei? Ist das Lebensmodell von Paulus wirklich mehrheitstauglich?
Naja, heute denke ich anders. Woran sollen denn die Jugendlichen sehen, wie ein Leben der Nachfolge aussieht? Jesus ist im Himmel, aber wir sind hier. Die Aufgabe ist klar: Unser Leben soll ihn repräsentieren! Wir sollen das Vorbild sein. Unserem Beispiel soll man folgen können. Nicht, weil wir perfekt sind, sondern weil wir Jesus aufrichtig nachfolgen und wir alle gute Vorbilder benötigen.
Vorbild – ob du willst oder nicht
Wenn die Jugendlichen dich fragen: Wie soll ich das handhaben? Egal, ob es um Geld, Beziehungen oder Alkohol geht. Du sollst sagen können: Ich mache es so – mach es doch auch so!
Als Leiter/Repräsentant bist du ein Vorbild – ob du es willst oder nicht. Man beobachtet dich und dein Verhalten hat einen grossen Einfluss. Deine Handlungen sprechen lauter als deine Worte. Man folgt eher dem, was du tust, als dem, was du darüber lehrst. Deshalb gibt es für leitende Personen in der Kirche auch besondere Erwartungen, was ihren Lifestyle betrifft (vgl. 1. Timotheus 3 und Titus 1).
Authentisch, nicht perfekt
Heisst das, dass du als Leiter keine Fehler machen darfst? Natürlich nicht! Aber je nachdem, wie du mit einem Fehler umgehst, kannst du auch darin ein Vorbild sein oder auch nicht. Wenn du zu deinen Fehlern stehst und zeigst, wie du mit den negativen Folgen danach umgegangen bist, kannst du die Jugendlichen durch dein Vorbild davon abhalten, denselben Fehler zu begehen. Wenn du hingegen dein Fehlverhalten verschweigst, es leugnest oder verniedlichst, bist du darin kein Vorbild mehr, dem man folgen sollte. Wenn du beispielsweise davon schwärmst, wie geil dein Alkoholexzess war und es doch gar nicht so schlimm war, weil das ohnehin alle tun, dann hast du deinen Fehler noch gravierender gemacht.
Unser Verhalten als Leiter hat nie nur Auswirkungen auf uns selbst, sondern immer auch auf die Personen, welche unserem Vorbild folgen – ob wir es wollen oder nicht. Gottes Anliegen ist unsere Glaubwürdigkeit, und wenn diese beeinträchtigt ist, leiden nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Botschaft darunter. Und das möchten wir ja auf jeden Fall vermeiden.
Menschen sollen in unserem Leben sehen, wie wir uns persönlich entwickeln, wie wir mit unseren eigenen Fehlern und Schwächen umgehen, wie wir unseren Alltag mit Jesus leben und wie wir mit Herausforderungen umgehen. So sollen «deine Fortschritte allen erkennbar sein» (1. Timotheus 4,15, NeÜ).
Real-Life Story von David
Als die Jugendarbeit bei uns in der Kirche umdisponiert wurde, gab es nicht mehr jeden Freitag einen Jugendgottesdienst. Stattdessen waren die Leute in ihren Kleingruppen. Da ich keine Kleingruppe hatte, ging ich gezwungenermassen mit einem Freund in seine Gruppe.
Der Leiter dieser Kleingruppe war wirklich freundlich mir gegenüber. Fast schon zu freundlich für mein Empfinden. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich ziemlich wohl und entschied mich, in dieser Kleingruppe zu bleiben. Schon hier beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Leiter fragte ich mich: «Wie kann eine Person so eine liebenswerte und vertrauenswürdige Art ausstrahlen? Das muss doch gespielt sein.»
Im Verlauf der Zeit lernte ich den Leiter immer besser kennen und bemerkte immer mehr, wie viel er sich in die einzelnen Personen der Kleingruppe investierte. Auch ausserhalb der Gruppentreffen lud er immer wieder ein paar zu sich ein. So war auch einmal meine Zeit gekommen, dass ich zu ihm kommen durfte. Bei ihm zu Hause rutschten wir sehr schnell in tiefgründige Gespräche rein. Ich hatte auf einmal so ein Vertrauen zu ihm entwickelt und habe gefühlt über alles mit ihm geredet. Als ich ihm einiges anvertraut hatte, Gutes und Schlechtes, fragte er mich auf einmal, ob wir dafür zusammen beten wollen. Ich war so berührt und willigte sofort ein.
Als es dann später an der Zeit war, nach Hause zu gehen, fragte ich nebenbei, ob er so Treffen mit allen aus der Kleingruppe macht. Seine Antwort hat mir leicht die Sprache verschlagen. Er sagte: «Ja, mit den meisten. Ich möchte wissen, wie es den Leuten geht, wo sie in ihrem Leben, aber auch im Glauben stehen. Und so nehme ich sie dann auch in meine täglichen Gebete auf. Du bist auch ein Teil meiner Gebete.» Während er das sagte, hatte er ein richtiges Strahlen im Gesicht und man spürte, dass er aus vollem Herzen gesprochen hatte.
Das war der Moment, wo sich ein Schalter in meinem Herzen umgelegt hat. In diesem Moment entschied ich, dass ich ebenfalls einen Unterschied machen möchte in meinem Umfeld. Heute bin ich selber Leiter einer Kleingruppe und versuche jedes Mal aufs Neue, mich so um meine Leute zu kümmern wie mein damaliger Leiter. Auch heute gibt es noch Momente, in denen ich ihn gerne um Rat bitte.
Reflexionsfragen
- Welche Personen sind für dich persönliche Vorbilder?
- Gibt es Lebensbereiche, in denen du nicht sagen könntest: Folge meinem Vorbild! Warum?
- Lies die Anforderungen an Diakone in 1 Timotheus 3,8–13 durch. Gibt es da Punkte, welche du nicht verstehst oder mit denen du nicht einverstanden bist? Wäre es weise, mit deinem Vorgesetzten darüber zu reden?
Dies ist ein Auszug aus dem Buch «Kirchliche Jugendarbeit» von Joel Meier (Verlag BoD - Books on Demand, ISBN 9783695124992) In den kommenden Wochen bietet Livenet weitere Einblicke in den Inhalt des Buches.
Zu den weiteren Auszügen:
Dossier: Kirchliche Jugendarbeit
Zum Autor: Joel Meier ist seit über zehn Jahren Jugendpastor in der Buchegg Church in Zürich. Er hat Theologie in Basel, Zürich und London studiert. Heute coacht und begleitet er mit viel Leidenschaft junge Leiter und Pastoren in der Jugendarbeit. Zudem doziert er an mehreren Bibelschulen und ist in seiner Freizeit am liebsten mit seiner Familie in den Bergen unterwegs.
Datum: 28.08.2026
Autor:
Joel Meier
Quelle:
Buchauszug «Kirchliche Jugendarbeit»