Livenet-Talk

Zwischen Aufbruch und Zusammenbruch

Thomas Mauerhofer im Gespräch mit Florian Wüthrich.
Thomas Mauerhofer stellt sich im Livenet-Talk den Fragen von Florian Wüthrich. Die beiden sprechen über Gemeindebau und das dafür notwendige Vertrauen. Ausserdem geht es um die Frage, was geschieht, wenn der Körper die Notbremse zieht.

Tom Mauerhofer lebt und arbeitet seit 14 Jahren in Altdorf im Kanton Uri. Die Stadt ist zwar Kantonshauptort, hat für ihn aber seinen dörflichen Charakter bewahrt. Der Pastor der FeG Altdorf hat hier gelernt: Gemeindeaufbau in Uri braucht vor allem Zeit, Vertrauen und Treue. Er beschreibt die Urner als stark mit ihrer Heimat verbunden. Viele leben seit Generationen am selben Ort, gehen vielleicht zur Ausbildung oder zum Arbeiten fort, kommen aber anschliessend wieder zurück. «Da zu sein über viele Generationen, das ist schon tief drin», beschreibt Tom das Typische ihrer Kultur. Gerade deshalb sei es wichtig, dass eine Gemeinde hier nicht ständig Personal und Richtung wechsle. Wenn die Leute spüren würden, dass Gemeinde und die Menschen da sind, ohne dass es zu schnell wieder einen Change gibt, könne langfristig Vertrauen wachsen.

Das «griänä Hüüs» gehört ins Dorf

Wie eng die Freikirche mit ihrem Umfeld verbunden ist, wurde zuletzt beim Café im Grünen Haus deutlich. Zehn Jahre lang war es ein wichtiger Begegnungsort. Nach einem Wechsel in der Leitung geriet es jedoch in finanzielle Schieflage. Tom sagt dazu: «Dann mussten wir sagen, es braucht einen Cut, es braucht einen Schnitt.» Diese Schliessung löste allerdings unerwartet starke Reaktionen im Ort aus. Auch Menschen ausserhalb der Gemeinde waren «wirklich entsetzt». Sie wollten es nicht hinnehmen, dass das Café verschwindet. Einige boten Ideen und Hilfe an. Diese Reaktion motivierte die Gemeinde, nach neuen Lösungen zu suchen, und im Herbst soll das Grüne Haus wieder eröffnet werden.

Wenn der Körper die Notbremse zieht

Herausforderungen wie die mit dem Café gab es in der Gemeindearbeit immer wieder, aber eigentlich lief es gut. Deshalb war der Pastor auch überrascht, als er vor gut zwei Jahren erst mit Schlafproblemen und dann zunehmend mit einer chronischen Migräne zu kämpfen hatte. Er musste sich krankschreiben lassen und ging sechs Wochen in eine Reha. Im Rückblick meint er: «Ich würde sagen, es war eigentlich eine Burnout-Situation, der Körper hat einfach nicht mehr mitgemacht.» Ein wesentlicher Faktor dabei war die zusätzliche Verantwortung, die Tom Mauerhofer neben seiner Aufgabe in Altdorf übernommen hatte: die Leitung von «Vision Schweiz», der Gemeindegründungsbewegung des Verbands. Beide Verantwortungen zusammen wurden ihm letztlich zu viel und er musste sich eingestehen: «Es ist für mich dran, dass ich einen Schritt zurückgehe.» Er gab die Leitung von «Vision Schweiz» wieder ab. Körperlich brachte ihm diese Entscheidung eine «klare Entlastung».

Lernprozess statt schneller Entscheidung

Diese Entscheidung hatte er sich nicht leicht gemacht. Er fällte sie nicht während der Reha, sondern hatte sich bewusst ein halbes Jahr Zeit darüber hinaus gegeben. Toms Frau, einige Freunde und ein Mentor begleiteten ihn dabei. Hier reifte die Überzeugung, dass sein Rückzug aus der zusätzlichen Leitungsverantwortung richtig war. «Es war nicht ein Schnellschuss», betont er. Seine Gemeinde und den FeG-Verband erlebte er damals als ausgesprochen unterstützend. Es fiel ihm nicht leicht, aber letztlich ermutigte ihn die Zusage: «Es geht auch ohne dich weiter. Du bist nicht so entscheidend.» Gerade für einen Leiter könne es gesund sein, das zu erkennen, hält Tom im Gespräch fest.

Ein neuer Blick auf Leitung

Heute arbeitet Tom Mauerhofer mit 80 Prozent in seiner Gemeinde in Altdorf und sucht bewusst keine zusätzliche Tätigkeit. Die gewonnene Zeit investiert er in seine Familie. Seine Frau und seine drei Teenager hätten während der Gemeindebauphase und besonders während der gesundheitlich angespannten Zeit darunter gelitten, dass er wenig präsent war. Deshalb verzichtet er nun gern auf einiges, um «im Moment einfach noch einmal in die Familie zu investieren». Das Scheitern hat für ihn auch Einfluss auf seinen Leitungsstil. Wer selbst an Grenzen kommt, wird «immer noch einmal gnädiger».

Gleichzeitig unterstreicht Tom Mauerhofer eine wichtige Lektion, die er über Erfolg gelernt hat: Der Schritt zurück aus einer Leitungsverantwortung hat ihn zwar etwas gekostet – war aber nicht sein grösster Zerbruch. Offen ist für ihn die Frage, was langfristig beruflich noch kommen könnte. «Im Moment ist es für mich klar, das ist gesetzt», sagt er über seine Arbeit in Altdorf. Und für die Zukunft? «Da wird Gott schon wieder im richtigen Moment führen.» Dieses Fazit passt zu einer Entdeckung, die er jüngst im Buch der Sprüche machte: dass nicht der schnelle Erfolg entscheidet, sondern Treue.

Zum Talk:

Datum: 25.08.2026
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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