Niesengebet – ein Höhepunkt für die Region Thun
Dieses Jahr am 18. August war es wieder so weit: Leiter aus der Region Thun-Spiez liessen sich von der Niesenbahn auf gut 2300 Meter tragen, um im brüderlichen Schulterschluss und mit erhobenen Händen für ihre Region zu beten.
Erweckliche Geschichte
Die Region Thun hat in der Geschichte immer wieder deutliche Erweckungen erlebt. Pastor Matthias Welz (Bewegung Plus) gab einen motivierenden kurzen Überblick über die drei grossen «Erweckungswellen» seit dem späten 17. Jahrhundert, die in Thun und Umgebung deutliche Spuren hinterlassen haben. Heute finden sich allein in der Stadt knapp 25 freikirchliche Gemeinden, ein gemeinsames Gebetshaus, Jungendbewegungen und ein Musiklabel, die in die ganze Schweiz hinausstrahlen – und ein Prozentsatz an bewusst gläubigen Christen, der etwa das Doppelte des Schweizer Durchschnitts beträgt.
Das ist erfreulich, aber für die anwesenden Leiter kein Grund, sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen. Im Gegenteil: «Erweckung soll wieder geschehen» ist die grosse Sehnsucht, mit der sie auf den Berg stiegen – auch im Wissen, dass dieses grosse Reizwort der Christen heute seine eigenen Ausdrucksformen finden muss.
Pastoren «von oben herab»
Das «Niesengebet» ist eine Spätfolge des erwecklichen Aufbruchs «Frisches Wasser» in den 90er Jahren. Die atemberaubende 360-Grad-Panoramasicht auf Thun, beide Seen und die Seitentäler bis nach Frutigen hin hilft zu einer geistlichen Gesamtschau für die Region – auch wenn jedermann weiss, dass es «da unten» sehr menschlich und normal zu- und hergeht. Aber die Vogelperspektive hilft, die grossen Linien zu sehen und für Zusammenhänge zu beten. Ausblick gibt Durchblick.
Im Schulterschluss …
Dass die Leiter in Thun ohne Berührungsängste und Konkurrenzdenken freundschaftlich miteinander umgehen, ist ein erfreuliches Ergebnis von Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Die gemeinsame Vision eint. Beispiel Spiez: das Christliche Lebenszentrum Spiez CLZ ist seit Jahren ein starker Power-Faktor und eine Herausforderung für die kleine Stadt – aber der Pfarrer der reformierten Kirche ist beim Niesengebet von Herzen dabei. «Konkurrenz» heisst eben wörtlich «zusammen laufen» – das wird hier sehr schön deutlich.
… für die Region
Eine Region ist der Ort, wo Einheit real wird und immer wieder neu errungen werden muss. Das erleben viele Orte in der Schweiz. Die Erwartung für die Grossregion Thun ist, dass die Gesellschaft in den kommenden Jahren mehr als bisher Folgen solcher Einheit erleben wird – mehr Reich Gottes, quasi «Erweckung Plus».
Leiter-Zusammenschlüsse sind mehr als ein schönes Erlebnis, sondern eine strategische Waffe. Auf den Gebets-Höhepunkt folgt der Abstieg in die Niederungen des realen Lebens – den Ort, wo «Dein Reich komme» Wirklichkeit wird. Jeder steigt wieder in sein Auto, aber man bleibt zusammen unterwegs in der Region Thun.
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 20.08.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet