Brian Doerksen und sein Vermächtnis
«Come, now is the time to worship», «Hope for the Nations» oder «Your love is amazing» – viele Lieder aus seiner Feder haben eine ganze Generation geprägt. Er machte Vineyard Worship zu einer Bewegung, die die christliche Szene weltweit stark beeinflusste.
Der Integre mit mennonitischen Wurzeln
Martin Bühlmann, Gründer und «Grand old man» von Vineyard D-A-CH, kannte Brian Doerksen gut. «Er wurde weltweit geschätzt – nicht nur wegen seiner Lieder, sondern auch wegen seiner persönlichen Integrität, die dahinterstand», kommentiert er den Tod des Musikers. «Er sang, was seine tiefste Überzeugung war: Friede, Gerechtigkeit, die Liebe des Vaters. Er hatte eine Weichherzigkeit, die Christen auf der ganzen Welt ergriffen hat.» Doerksen war nicht triumphalistisch und kein Wohlfühl-Worshipper, sondern ehrlich. Bühlmann: «Er hatte mennonitische Wurzeln, das spürt man überall.»
Tiefe aus eigenem Leiden
Doerksens Leben war von Schicksalsschlägen geprägt: Zwei Söhne seiner insgesamt sechs Kinder wurden mit dem Fragile-X-Syndrom geboren und benötigen lebenslange Pflege. «Mir brach das Herz. Ich war am Boden zerstört. Ich hatte mir immer einen Sohn erträumt, mit dem ich mein Leben, meine Musik teilen könnte und der meinen Namen weitertragen würde. All das brach mit der Nachricht zusammen, dass mein Sohn diese Behinderung hat und lebenslang auf Hilfe angewiesen sein würde. Das war sehr, sehr hart. Die Last der Zukunft brach über mir zusammen», beschrieb er seine Reaktion in einem ERF-Interview 2018.
«Ich kündige»
«Noch schlimmer war es für mich, als unser zweiter Sohn mit der gleichen Krankheit diagnostiziert wurde», erinnerte sich Doerksen. «An dem Tag stolperte ich weinend aus dem Haus und sagte: 'Gott, wie soll ich das machen? Jetzt haben wir zwei Söhne mit besonderen Bedürfnissen. Wie sollen wir das packen?' Am Ende jenes Tages traf ich eine Entscheidung. Ich wollte kündigen: 'Okay, Gott. Du hast mir eine Berufung gegeben. Aber jetzt kann ich das nicht mehr.' Doch dann war mir, als würde Gott mich einladen, trotzdem weiterzumachen – allerdings hinkend.»
Kein Triumphalist
«Es gab schon immer diesen roten Faden in meiner Musik. Ich habe mich nie so recht dazu berufen gefühlt, triumphale Lieder für Menschen zu schreiben, die total gut drauf sind. Ich wollte ehrliche Lieder schreiben über einen treuen Gott. Darüber, dass Gott Liebe ist. Aber ehrlich die Menschen ansprechen, die kämpfen», beschreibt Doerksen seine Lieder weiter.
«Vielleicht gehörte er deshalb zu den wenigen christlichen Songwritern, die den Mut hatten, auch Klagelieder zu schreiben – in der Tradition der Psalmen», schreibt der Theologe Manuel Schmid in einem spontanen Nachruf. «Seine Lieder verschwiegen Leid, Zweifel und offene Fragen nicht, sondern hielten daran fest, dass Gott auch im Dunkeln gegenwärtig bleibt. Gleichzeitig hat kaum jemand so eindrücklich von der väterlichen Liebe Gottes gesungen.» Doerksen selbst dazu: «In unseren Gottesdiensten muss auch Platz sein, zu den Kämpfen, dem Leid und dem Schmerz zu stehen, die wir durchmachen – mitten in unserem Lobpreis.» Leider würde man im Laufe eines Jahres in den meisten Kirchen nicht ein einziges Klagelied hören, keine Verletzlichkeit oder Traurigkeit. «Wer also mit diesen Dingen zu kämpfen hat, fühlt sich abgehängt. Als sei etwas verkehrt mit einem selbst, weil man mit seinem ganz normalen Menschsein zu kämpfen hat.»
Gottes Treue
Gottes Treue wurde ihm umso wichtiger: «Meine Lobpreislieder drücken nicht mehr 'Ich weiss' aus, sondern 'Ich weiss nicht, ich vertraue'. Das war also ein Dreh- und Angelpunkt für mich. Ich schrieb zur Geburt unseres zweiten Sohnes Isaiah das Lied 'Your Faithfulness', zu Deutsch 'Deine Treue'…»
Und dieses Vertrauen wurde nicht enttäuscht: «Es war ein Kampf, aber Stück für Stück kam auch die Erkenntnis, welch ein Geschenk meine Söhne sind. Und Schritt für Schritt entstand aus dieser Herausforderung auch Segen. Und Gnade und Güte. Und Liebe. Und Mitgefühl. Und Freundlichkeit. Und Verständnis. Ich würde das für nichts mehr eintauschen.»
Im Juli 2026 wurde Brian Doerksens mit Krebs im vierten Stadium diagnostiziert. Kurz darauf versagten seine Nieren, und er schlief am Dienstag, 21. Juli frühmorgens, umgeben von seiner Familie, friedlich ein.
Jeden Sonntag wird wohl irgendwo auf der Welt in einer Kirche «Come, now is the time to worship» gesungen. Für viele wird der Name Brian Doerksen vielleicht nie fallen – doch seine Lieder werden auch künftige Generationen auf Jesus und die Treue Gottes hinweisen.
Hier singt Brian Doerksen das Lied «Come, now is the time to worship»:
Datum: 22.07.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet.ch / Facebook / ERF