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Vom Parkgebet zur neuen Gemeinde

Wo Gemeinden näher an die Menschen heranzurücken, werden sie wieder lebendig
«Es braucht Jungholz, sonst stirbt der Wald», sagt Stephan Leuenberger von «Fokus Schweiz». Die VFMG begleitet derzeit drei ganz unterschiedliche Gründungsprojekte – jedes mit eigenem Profil.

Der Verband VFMG (Vereinigung Freier Missionsgemeinden) hat sich die Gründung neuer Gemeinden zu einem seiner Schwerpunkte gemacht. Es läuft unter dem Namen «Fokus Schweiz». Stephan Leuenberger ist dabei federführend und bilanziert: «In der Schweiz war Gemeindegründung lange kaum ein Thema. In letzter Zeit gab es jedoch von verschiedenen Initiativen unterschiedlicher Gemeindeverbände neue Gemeinden zu gründen. Hier ist eine erfreuliche Dynamik am Entstehen.» 

Doch es brauche junge Bäume. «Ein Wald muss stetig erneuert werden.» Ein Beispiel ist die VFMG, die aktuell an drei verschiedenen Projekten arbeitet. «Eines ist in Wünnewil-Flamatt, wo wir den Eindruck hatten, dass eine Gemeindegründung dort sinnvoll wäre. Drei Familien arbeiten mit. Sie sind mit Leuten in Kontakt und laden zu Brunches und Ähnlichem ein.»

Ein zweites Projekt befindet sich in Erlenbach im Simmental. «Heute läuft sehr viel über persönliche Kontakte.» Es geht darum, Freunde einzuladen und sich in einem Park zu treffen und eine ungezwungene Gottesdienstform zu organisieren.

Sterbende Gemeinde wiederbelebt

Die dritte Gründung erfolgt in Lausen im Baselbiet, wo eine sterbende Gemeinde wiederbelebt wird. Von den neuen Impulsgebern wurde das bereits bestehende Angebot namens «Lausener Tafel» als «Tischlein deck dich» weitergezogen. Sie begannen, eng mit «MEOS» zusammenzuarbeiten und gründeten den «Verein Lichtblick». In Lausen gab es seitdem bereits Taufen.

Stephan Leuenberger: «Die Gemeinde ist nun stark auf Asylsuchende und Leute, die am Rande leben, ausgerichtet. Das entwickelt sich sehr stark. Jede Gemeindegründung verläuft anders, es gibt nicht einfach eine Form. Die Leute müssen ihre eigene Leidenschaft finden und auf dieser Schiene Leute erreichen.»

Langer Atem nötig

Stephan Leuenberger

In der Schweiz eine Gemeinde zu gründen, ist eine grosse Herausforderung. «Es braucht einen langen Atem und es dauert zehn Jahre, bis eine neue Gemeinde einigermassen stabil ist. Ich war in Indien und Rumänien mit Gemeindegründern in Kontakt, dort läuft alles viel schneller. Es ist ein anderes Umfeld.»

In der Schweiz braucht es einen langen Atem, beobachtet Stephan Leuenberger. «Aber wir bleiben dran. Wir wollen alle Erweckung, ich auch. Aber in der christlichen Geschichte sind die Phasen der Erweckung jeweils kurz. Wenn wir schauen, wie viele Menschen in Zeiten der Erweckung zum Glauben kommen und wie viele es in den langen Phasen sind, finden in den langen Epochen mehr Menschen zu Gott… natürlich auch, weil es längere Zeiträume sind. Deshalb ist es wichtig, dass man auch in diesen Zeiten die Aufgaben treu wahrnimmt.»

Neugründungen sind nicht das erste Ziel

Es brauche immer wieder Jungholz, hebt Stephan Leuenberger hervor. «Sonst stirbt der Wald. Es ist nicht tragisch, wenn eine Gemeinde schliesst. Aber wenn nur noch geschlossen wird und keine mehr aufmacht, dann ist das tragisch.»

Er erinnert an positive Beispiele, «wie René Steiner von ‘Move Vineyard’. Wir müssen lernen, Kirchen ohne Mauern zu bauen. Und zwar aus bestehenden Kirchen und nicht im klassischen Sinn von auf die Strasse gehen und evangelisieren, sondern gemeinsam im Park grillieren oder ein paar Tage in die Berge gehen.»

Das Forum G in Solothurn (ebenfalls eine FMG) lebt das schon seit Jahren «und es ist interessant, was dadurch bewegt wird. Es hilft Gemeinden, welche die Leute nicht mehr so gut erreichen, wieder näher an die Menschen heranzurücken. Es geht darum, ein missionales Verständnis zu haben und Leute zu Jüngern zu machen. Das Ziel ist nicht, Gemeinden zu gründen, sondern Jünger zu machen, damit diese einen missionalen Lebensstil entwickeln… Gründungen kann man dann gar nicht mehr verhindern.»

Wie eine Erdbeerstaude

«Kirchengründung Schweiz» hat genau dazu verschiedene Tools aufbereitet; die Bewegung wurde von der «Schweizerischen Evangelischen Allianz» (SEA) und «Freikirchen.ch» ins Leben gerufen. «So kann man mittels ‘SCAN’ herausfinden, ob man eine Affinität für Gemeindegründung hat. Oder ‘M4-Ready’ ist eine Jüngerschaftsschulung, wo Leute für Leiterschaft und Gemeindegründung sensibilisiert werden.»

Das M4-Programm wurde mittlerweile dreimal durchgeführt. Rund 30 Gründungsteams waren bislang in diesem Learningprozess dabei. «Nicht alle kommen zum Fliegen; M4 bietet keine Garantie. Aber wenn aus der Hälfte etwas wird, dann ist das gut», erklärt Stephan Leuenberger.

Bei Gründungen gibt es verschiedene Formen: «Man kann an einen Ort gehen, wo es noch keine Gemeinde gibt. Oder die zweite Form erinnert an eine Erdbeerstaude: 20 bis 30 Besucher einer Gemeinde gehen zusammen an einen Ort», so dass dort gleich mit einem Ableger begonnen werden kann.

«Es braucht ein paar hundert Gemeinden»

Stephan Leuenberger rechnet aus: «Wenn zehn Prozent einer Gesellschaft gläubig sind, kann sie verwandelt werden. In der Schweiz sind rund zwei bis drei Prozent bibelgläubig. Es braucht ein paar hundert Gemeinden.»

Dazu brauche es einerseits die bestehenden Gemeinden und andererseits «weiss man, dass wenn eine Gemeinde älter als 15 Jahre ist, sie kaum mehr neue Leute mit dem Evangelium erreicht. Bei einer Neugründung liegt der Fokus auf dem Herausgehen.»

Stephan Leuenberger amtiert unter anderem im Stiftungsrat der «ICA Stiftung». Dadurch erhält er einen weiteren Einblick in das Thema Gemeindegründung. «Wir sind ein kleines Werk in Rumänien, das unter den Roma in der Region von Targu Mures arbeitet. Dazu gehört eine der grössten Roma-Gemeinden in der Region. Fast jeden Monat werden neue Christen getauft. Nur Brot verteilen ist nicht nachhaltig, es geht darum, Herzen zu verändern.»

Für Stephan Leuenberger steht fest, egal ob in Rumänien oder in der Schweiz: Wo Menschen zu Jüngern werden, entstehen früher oder später auch neue Gemeinden.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern

Datum: 09.08.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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