Die EVA-Fragen für Kleingruppen
Es erstaunt mich immer wieder, wie wichtig es ist, die richtigen Fragen zu stellen. Eine gute Frage zur rechten Zeit, kann einem Gespräch viel mehr Tiefe und Relevanz geben. Eine schlechte Frage im unpassenden Moment kann ein Gespräch abrupt beenden.
Ich mache seit Jahren sehr gute Erfahrungen in der Jugendarbeit damit, nach einer Predigt, einer Bibelarbeit oder einem Teaching die Menge in kleinere Gruppen aufzuteilen (3–7 Personen). Diese Gruppen können dann mit der Hilfe von ein paar Fragen das Gehörte persönlich vertiefen und anwenden.
Was sind EVA-Fragen?
Eine grosse Hilfestellung, um die besten Fragen zu finden und diese sinnvoll zu strukturieren, sind die sogenannten EVA-Fragen. EVA ist ein Akronym, das für folgende Wörter steht:
- Einstiegsfragen
- Verständnis- und Vertiefungsfragen
- Anwendungsfragen
Beginne mit einer offenen Einstiegsfrage, die persönlich ist und etwas mit dem Thema zu tun hat. Offene Fragen sind immer besser als geschlossene Fragen, denn sie erlauben es jedem Einzelnen, so viel von sich preiszugeben, wie er oder sie möchte.
Mit den Verständnisfragen kannst du überprüfen, wie viel von der Botschaft oder dem Bibeltext wirklich verstanden worden ist. Die Vertiefungsfragen sollten helfen, die Relevanz und die Tiefe der Botschaft zu erkennen. Bei diesen Fragen reden wir noch nicht über uns, sondern über den Bibeltext oder die Botschaft.
Bei den Anwendungsfragen hingegen geht es um mich. Es geht nicht mehr um Ansichten und unterschiedliche Sichtweisen, sondern es geht um mein Leben. Was bedeutet das für mich? Was heisst das für meinen Alltag? Wo ringe ich noch selbst damit, dies so umzusetzen? Was verhindert bei mir das Ausleben dieser Message?
Was wollen wir erreichen?
Denn das Hauptziel der EVA-Fragen ist, dass wir das Wort Gottes nicht nur hören, sondern auch tun. Dass wir nicht nur lesen und unsere Meinung dazu abgeben, sondern das Gelesene leben! Denn wir alle wissen: Die Gefahr ist sehr real, dass man nur über den Bibeltext redet, anstatt über sich selbst. Jesus sagte: «Wer mein Wort hört UND TUT» (Matthäus 7,24), baut sein Haus auf Felsen. Wer nur hört, und zwar vieles dazu sagen kann, aber nichts davon umsetzt, der baut auf Sand!
Der Austausch nach einer Bibelarbeit oder einem Teaching muss immer das Ziel haben, dass die Botschaft persönlich und konkret angewandt wird. Das heisst für die Fragen, dass sie uns in diese Richtung lenken sollten. Wir wollen uns nicht primär darüber austauschen, wer was für Meinungen zum Thema hat, sondern wir wollen miteinander darum ringen, wie wir das konkret in unserem Leben umsetzen. Deswegen sollten die Anwendungsfragen die meiste Zeit in Anspruch nehmen. Und wenn wir merken, dass wir am gewünschten Punkt angekommen sind, wo alle persönlich und konkret wissen, wie sie die Botschaft umsetzen möchten, dann sollte nicht weitergeredet, sondern gebetet werden!
Real-Life Story von Tanja
Die EVA-Fragen habe ich in einem Jugend-Camp kennengelernt. Und ich merkte schnell, dass diese einfache Struktur in der Umsetzung gar nicht immer so einfach ist. Ich beobachtete, dass viele Mühe hatten, gute Fragen zu formulieren und bei der EVA-Struktur zu bleiben. Die zwei grössten Stolpersteine, die mir aufgefallen sind, waren zum einen, dass die Fragen in der Vertiefungsphase oft schon so gewählt waren, dass die Gruppe danach über persönliche Erfahrungen austauschte, anstatt zuerst beim Thema zu bleiben und es zu vertiefen. Und zum anderen, dass sich viele zu wenig Zeit für die Anwendungsfragen nahmen. So kam es immer wieder vor, dass einfach nur gefragt wurde: «Wie willst du das Gehörte umsetzen?»
Viel fruchtbarer waren die Gespräche jedoch, wenn die Fragen spezifischer formuliert waren und die ganze Gruppe durch die Fragen dazu geführt wurde, zu erkennen, was sie nun umsetzen wollen. Ansonsten habe ich mit dieser Struktur sehr gute Erfahrungen gemacht. Vor allem auch, wenn man jemanden begleiten will, der zum ersten Mal eine Kleingruppe leitet.
Reflexionsfragen:
- Welche Personen in deiner Jugendgruppe sind super stark darin, gute Fragen zu stellen?
- Nach welchem Prinzip suchst du jeweils Fragen für einen Austausch aus?
- Versuche für die letzte Predigt, welche du gehört hast, passende EVA-Fragen zu finden.
Dies ist ein Auszug aus dem Buch «Kirchliche Jugendarbeit» von Joel Meier (Verlag BoD - Books on Demand, ISBN 9783695124992) In den kommenden Wochen bietet Livenet weitere Einblicke in den Inhalt des Buches.
Zum Dossier:
Kirchliche Jugendarbeit
Zum Autor: Joel Meier ist seit über zehn Jahren Jugendpastor in der Buchegg Church in Zürich. Er hat Theologie in Basel, Zürich und London studiert. Heute coacht und begleitet er mit viel Leidenschaft junge Leiter und Pastoren in der Jugendarbeit. Zudem doziert er an mehreren Bibelschulen und ist in seiner Freizeit am liebsten mit seiner Familie in den Bergen unterwegs.
Datum: 07.08.2026
Autor:
Joel Meier
Quelle:
Buchauszug «Kirchliche Jugendarbeit»