«Gott wirkte auf den Strassen»
Das Ziel von «Awakening Europe» war ambitioniert: Man möchte «Europa neu erreichen», indem im Juli eine Million Menschen in 37 europäischen Städten auf den Strassen mit dem Evangelium angesprochen wurden, darunter fünf Städte in der Schweiz. Wobei das Ziel dieses «Million Month» eher ein symbolisches ist: Der entsprechende Live-Ticker verzeichnete auf der Webseite am 29. Juli um 9:51 Uhr genau 27`042 «Shares», also Gespräche auf der Strasse, und 2'613 «Salvations». Damit haben immerhin über 2'500 Menschen eine – vielleicht lebensverändernde – Begegnung mit Jesus gehabt.
Wer steht dahinter?
«Awakening Europe» als Bewegung stammt aus der gleichnamigen Kirche in Eimeldingen bei Lörrach mit ihrem Leiter Ben Fitzgerald – ein charismatisches Takeover einer früheren FEG im Dreiländereck. Unter anderem beeinflusst von der Bethel Church (Redding CA), hat die Awakening-Bewegung das Ziel, dass die Christenheit in Europa endlich «die Kurve kriegt» und der alte Kontinent erweckt wird – in diesem Fall, indem Gläubige in Massen auf die Strasse gehen. Eine neue «Armee» von Leitern soll entstehen, unter anderem durch eine «School of Ministry». Eine durchaus selbstbewusste Rolle im Heilsplan Gottes also, unterstrichen durch einen ambitionierten Namen.
6 Städte in der Schweiz
In der Schweiz waren Teams in Zürich, Basel, Lausanne, Lugano, Bern und Thun auf der Strasse – zusammen mit lokalen Gläubigen aus verschiedenen Gemeinden. «Eine der grössten Ermutigungen für mich war es, zu sehen, wie so viele gläubige Schweizer sich engagieren, um ihr eigenes Land für Christus zu gewinnen», fasste der Südafrikaner Pieter Vermeulen, der seit gut zwei Jahren in der Schweiz tätig ist und den Einsatz in Thun leitete, seinen Eindruck zusammen. «Gott beruft Arbeiter aus der Schweiz selbst, und es ist ein Privileg, an ihrer Seite zu dienen.»
Über den Glauben reden lernen
Unter den rund 100 temporären Strassenmissionaren in Thun waren viele, die das zum ersten Mal taten. «Ein junger Mann hat mich besonders beeindruckt, der zuerst sehr schüchtern war, noch nie über seinen Glauben geredet hatte, aber jeden Tag kam und zusehends zu einem mutigen Evangelisten voller Freude wurde», so Vermeulen. Seine Beobachtung: «Unter Christen besteht ein Hunger, mit anderen über ihren Glauben zu reden, aber sie wissen oft nicht, wie sie den ersten Schritt tun können. Der Million Month hat ihnen jetzt eine willkommene Gelegenheit gegeben. In Thun sind jeden Tag neue Leute dazugekommen, und die meisten haben zum ersten Mal so das Evangelium weitergegeben.»
«Ich werde im Himmel auf dich warten»
Nach den Einsätzen blickt er zurück: «Eines ist ganz deutlich geworden: Das Evangelium in der Schweiz zu verkünden, ist nicht einfach. Wir haben viele wunderbare Gespräche geführt, die Führung und Kraft des Heiligen Geistes erfahren und gesehen, wie Gott bemerkenswerte Türen geöffnet hat.» Aber: «Viele Menschen sind zwar bereit, über Jesus zu sprechen, doch ihre Herzen sind gegenüber der Religion verhärtet.» In Thun wurden rund 400 Gespräche geführt, und 30 Menschen entschieden sich für Jesus, davon allein elf an einem Tag. Sie sollen online (z.B. mit einem QR-Code) erfasst und in beteiligte Gemeinden vermittelt werden.
Vermeulen: «Einer der bewegendsten Momente war, als ein 89-jähriger Mann in einem kleinen Dorf das Evangelium hörte und sein Leben Jesus übergab. Als das Gespräch zu Ende war, wandte er sich an einen der jungen Evangelisten und lächelte: `Ich werde im Himmel auf dich warten. Da du noch jung bist, weiss ich, dass ich lange warten muss – aber ich werde dort auf dich warten.`»
«Tiefe Erlebnisse»
Teilnehmer der beiden Einsatzwochen in Thun berichten von tiefen Erlebnissen mit Gott in den Vorbereitungs- und Nachtreffen, den sog. «Glory Nights». Eine Art neuer Gemeinschaft und tiefe Freundschaften seien entstanden: «Was als evangelistischer Einsatz begann, wurde zu einer Familie, die in der Person Jesu Christi vereint war.»
Der Einsatz in Thun endete mit einem Abschlussgottesdienst, an dem 100 junge Männer und Frauen als Evangelisten und Erweckungsträger gesegnet und ausgesendet wurden.
Ob der «Million Month» eine neue Bewegung Gottes in der Schweiz angestossen hat oder ob er «nur» ein weiteres Mosaiksteinchen in einem umfassenderen Erneuerungsprozess Gottes ist, das ist eigentlich egal. Hauptsache, das Evangelium fliesst auf die Strassen und die Kirche wird endlich zum «Auslaufmodell» – oder eben zur «Kirche für andere».
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 30.07.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet / Pieter Vermeulen