Afghanistan: Die Kirche, die sich weigert zu verschwinden
Für Ramazan Rafee begann jeder Morgen in Kabul mit demselben Gedanken: «Vielleicht ist dies unser letzter Tag.» Nach dem Abzug der US-Streitkräfte im Jahr 2021 bedeutete die Rückkehr der Taliban, dass das Bekenntnis zu Jesus nicht mehr nur eine persönliche Entscheidung war, sondern ein mögliches Todesurteil.
Das Untergrundnetzwerk, das bereits 2014 durch die Ermordung eines Hauskirchenleiters und seiner Familie erschüttert worden war, wurde noch tiefer in die Verborgenheit gedrängt. Die Angst greift Menschen an», räumt Rafee ein, «aber wenn man Durst hat, spielt es keine Rolle, was passiert. Es ist es wert.»
Die Suche nach einem verbotenen Buch
Rafee wuchs in einer Hazara-Familie auf, die dem islamischen Recht streng verpflichtet war. Seine Suche nach Gott begann mit Fragen über das Leid und die Grenzen seines Lebensumfelds. Den entscheidenden Anstoss gab eine paradoxe Beobachtung: Auf den Märkten Kabuls war Hitlers «Mein Kampf» frei erhältlich, während die Bibel streng verboten war. «Warum ist die Bibel so gefährlich?», fragte er sich. «Vielleicht will jemand die Wahrheit verbergen.»
Nachdem er 2009 von einem Ausländer eine Bibel erhalten hatte, konvertierte er. Diese Entscheidung hatte einen hohen Preis: Sein eigener Vater bedrohte sein Leben. Nur die Intervention seiner Mutter rettete ihn.
6 Tage auf der Flucht
Die rasche Rückkehr der Taliban im August 2021 verwandelte das Leben in einen ständigen Überlebenskampf. Rafee und seine Familie verbrachten 36 Tage in ununterbrochenem Ortswechsel: Sie löschten digitale Spuren und schliefen jeden Abend an einem anderen Ort. Inmitten dieser bedrohlichen Zeit beschreibt Rafee einen übernatürlichen inneren Frieden. Er betete: «Wenn sie uns fassen, mögen sie uns alle töten und meine Frau und Kinder nicht zurücklassen.»
Schliesslich gelang es der Familie, neun Kontrollpunkte zu überwinden und nach Katar zu fliehen. Dort schlug Rafee als erstes seine Bibel bei Psalm 18 auf: «Der Herr ist mein Fels.»
Eine lebendige und verborgene Gemeinde
Obwohl viele Leitungspersonen wie Rafee und ihre Familien ins Exil gezwungen wurden, ist die Untergrundgemeinde in Afghanistan nicht erloschen. Beobachter berichten von anhaltendem geistlichen Interesse und einer spürbaren Bewegung des Heiligen Geistes unter denen, die geblieben sind. In einem Land, in dem die Existenz des Christentums vom Staat offiziell geleugnet wird, trifft sich ein fragiles, aber furchtloses Netzwerk von Hauskirchen weiterhin und beweist: Das Evangelium lässt sich nicht unterdrücken.
Datum: 26.07.2026
Quelle:
Joel News / Frontiers