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«Free Hugs» als Zeichen von Gottes Liebe

Talita Kum
Mit ihrem neuen Song «Dini Liebi laht sich nöd ufhalte» setzt Talita Kum ein Zeichen für Gottes Nähe. Im Interview mit Livenet beleuchtet sie bewegende Begegnungen auf der Strasse, ihren Glaubensweg und eine Liebe, die Menschen verändert.

Talita Kum (bürgerlich Yvonne Mäder), dein Song «Dini Liebi laht sich nöd ufhalte» erscheint zusammen mit einem «Free Hugs»-Video. Wie entstand die Idee, Gottes Liebe durch Umarmungen auf der Strasse sichtbar zu machen?
Talita Kum: Während meines Mittagsschlafs! Die Zeile «Du wottsch dini Wält umarme» gab es da noch nicht. Ich war am Feinschliff des Textes und überlegte, wie man Gottes Liebe für die Welt ausdrücken könnte, als mir nach einem Power Nap das Bild vom Umarmen vor Augen war – inklusive der Idee für den Videoclip:

Viele Menschen reagieren heute eher zurückhaltend auf fremde Nähe. Was hast du während der Dreharbeiten erlebt?
Bezüglich der Umarmungen war ich eigentlich eher optimistisch. Was das Einverständnis für die Verwendung des Videomaterials für einen christlichen Musikclip angeht, war ich skeptischer. Aber es ging sehr gut: Grad am Anfang kamen viele Leute direkt auf mich zu, freuten sich und reagierten positiv darauf, als ich ihnen von meiner Musik erzählte. Später gab es dann auch Menschen, die lieber nicht im Video erscheinen wollten, zum Teil auch wegen der christlichen Botschaft. Die bekamen natürlich trotzdem eine Umarmung und die Begegnungen waren fast durchwegs positiv. Ich erlebte es als enorm schön. Einige Menschen drückten mich richtig herzlich und genossen die Umarmung. Ich glaube das Bedürfnis nach Nähe ist für viele gross.

Gab es eine Begegnung während der «Free Hugs»-Aktion, die dich besonders bewegt oder überrascht hat?
Bei einigen Menschen hatte ich wirklich den Eindruck: Die haben das jetzt richtig gebraucht! Ein Teenie-Mädchen fuhr im Bus an uns vorbei, sah uns und stieg an der nächstmöglichen Station aus, um zu uns zurückzurennen. Sie meinte, das sei ein Wink des Universums – sie hätte sofort gespürt, dass sie zu uns kommen solle. Sie hätte diese Umarmung an diesem Tag wirklich gebraucht. Das hat mich sehr bewegt und ich denke, ich werde das auf jeden Fall wieder einmal machen, auch ohne Video.

Was sagt diese Aktion über Gottes Wesen aus?
Dass Gott die Menschen sieht und ihnen begegnen möchte – auch mitten in ihrem Alltag – spürbar und real.

Talitas Song wiederspiegelt ihren Weg mit Jesus

Der Titel lautet «Dini Liebi laht sich nöd ufhalte» (dt. Deine Liebe lässt sich nicht aufhalten). Was bedeutet diese Aussage für dich persönlich?
Die Liebe Gottes hat eine Eigendynamik. Sie wächst und verbreitet sich seit Beginn der Welt und ich darf ihr vertrauen. Lange prägte ein «frommer Chrampf» meinen Glauben. Das Gefühl, dass es an uns Christen hängt, ob das mit der Rettung der Welt klappt oder nicht. Das hat mich unter Druck gesetzt. Nun liebt Gott diese Welt aber so sehr, dass ich ihm voll und ganz vertrauen kann, dass er es gut macht und er selber gut für seine Welt sorgt. Ich darf mich ohne Druck einbringen und mit meiner ganz individuellen Art samt meiner Stärken und Schwächen Teil dieser Liebesbewegung sein. Seit ich grösser von Gottes Liebe denke, bin ich mutiger, gelöster und mit sehr viel mehr Freude im Glauben unterwegs. Gott braucht mich nicht und doch braucht er mich.

Wie erlebst du selbst Gottes Liebe im Alltag, sodass du sie an andere weitergeben möchtest?
Jakobus schreibt, dass alles Gute und Vollkommene von Gott kommt. Daher begegne ich Gottes Wirken überall, wo ich auch nur einen Funken Liebe, Freude oder Frieden sehe. Wir sind umgeben von den Zeichen seiner Liebe zu uns, sind es uns nur oft nicht bewusst. Die Augen dafür zu schärfen bewirkt in mir Dankbarkeit und Hoffnung. Das habe ich immer wieder dringend nötig und ich glaube, wir alle.

Dein neuer Song ist der Auftakt zu mehreren Veröffentlichungen bis zur EP im Oktober. Gibt es einen roten Faden, der alle Songs verbindet?
Der EP-Titel «Du bisch eus nöch» ist das zentrale Thema. Es geht um Jesus – die menschgewordene Nähe und Liebe Gottes und um Gnade, die es möglich macht, dass absolut nichts uns von Gott trennen kann. Ein Song thematisiert Scham, die uns manchmal dabei in die Quere kommt, Nähe zuzulassen. Ein anderer den Tod, der zwar zum Leben dazugehört und sich oft wie eine Trennung anfühlt, aber Dank der Auferstehungshoffnung die vollkommene Nähe zu Gott bedeuten wird.

Die EP trägt den Titel «Du bisch eus nöch» (dt. Du bist uns nah). Warum ist dir dieses Thema von Gottes Nähe gerade jetzt wichtig?
Es scheint mir zeitlos wichtig zu sein, weil es ein zentraler Bestandteil von Gottes Wesen ist. Die Stelle in 2. Mose 3 hat mich unter anderem stark beschäftigt, wo Gott sagt «Ich bin der ich bin». Einige übersetzten es mit «Ich bin da» oder «Ich bin für euch da». Spannend, dass Gott hier bei seiner Vorstellung diesen Aspekt in den Fokus rückt.

Welche Erfahrungen in deinem eigenen Glaubensleben haben diese neuen Songs geprägt?
Ich hatte einige Gottesvorstellungen, die wenig hilfreich waren für meinen Glauben: Ein Gott, der wahnsinnig viel von uns erwartet, der enttäuscht ist, wenn wir mit wenig Geleistetem bei ihm aufkreuzen. Jemand, den wir durch Gebet dazu überreden müssen, zu uns zu kommen oder etwas zu tun. Auch Angst prägte so einiges in meinem Leben: Angst, das Falsche zu tun oder falsche Entscheidungen zu treffen, nicht die «richtigen» Glaubensüberzeugungen zu haben.

Es hat mich tief bewegt, als ich realisierte, dass ich hier diametral anders von Gott denke, als er sich zum Beispiel in 2. Mose 34 selbst beschreibt. Er stellt sein Präsentsein, seine Barmherzigkeit, Freundlichkeit, Geduld, Gnade und Treue allem voran. Das hat mich motiviert, mit diesen Liedern gegen meine schrägen Vorstellungen von Gott anzusingen.

Zum Schluss: Was wünschst du dir für die Veröffentlichung von «Dini Liebi laht sich nöd ufhalte»?
Im Englischen spricht man davon, einen Song zu «releasen», das heisst man lässt ihn los, gibt ihn frei. Diese Vorstellung gefällt mir. Ich habe meine Geschichte mit diesem Lied geschrieben oder anders herum: dieser Song hat ein Stück Geschichte in meinem Leben geschrieben. Nun lasse ich ihn in die Welt ziehen und vielleicht wirkt er irgendwo in einem anderen Leben weiter.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.

Datum: 12.07.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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