Spanien: Auf die Strasse und für das Land beten
Beten gehört nicht nur ins private Kämmerlein und in die Gemeinderäume, sondern auch auf die Strasse. In Spanien sind Evangelische eine Minderheit, aber sie gingen mit Gebet an die Öffentlichkeit. Unter dem Motto «Dein Wille soll geschehen» trafen sie sich öffentlich, um für Spanien, die Führungskräfte, Behörden, Familien und die Herausforderungen der Gesellschaft zu beten.
45 parallele Gebetstreffen
Sowohl im öffentlichen Raum (auf Plätzen und Strassen) als auch in Gotteshäusern und Kirchen passten sich die Versammlungen den jeweiligen Möglichkeiten der einzelnen Gemeinden an. Zeiten der Anbetung und Bibellesungen wurden gefolgt von gezielter Fürbitte für Themen wie Jugend, Religionsfreiheit, Soziales, Bildung, Wirtschaft und sonstige Brennpunkte der Gesellschaft.
Nach Angaben der Organisatoren fanden im ganzen Land 45 parallele Versammlungen statt, was diese Veranstaltung zu einer der grössten Gebetsaktionen der letzten Jahre in Spanien machte.
Breite Abdeckung …
In Ländern, wo Evangelische eine Minderheit sind, neigen sie zur Zersplitterung. Nicht so in Spanien: Gläubige verschiedener Generationen, Hintergründe und Konfessionen nahmen an «España Oramos por Ti» teil. Damit ist das gemeinsame Gebet für das Land ein deutlicher Faktor der Einheit geworden, wie die Organisatoren festhielten. In diesem Jahr sei die Beteiligung von Gemeinden deutlich stärker gewesen als in vergangenen Jahren, erklärten sie.
… und Medienpräsenz
Die Organisatoren heben zudem die Berichterstattung in verschiedenen Medien über die Gebetstreffen hervor. Das Engagement Tausender Gläubiger zum Gebet für das Land vermittle ein öffentliches Bild, das von Werten wie Einheit, Dienst und Zusammenarbeit zwischen den Kirchen geprägt sei. Auch auf den sozialen Medien wurde der Gebetstag weit verbreitet.
Spanien, traditionell katholisch geprägt, ist heute ein säkulares Land, in dem sich 40 Prozent als «Nones», also keiner Glaubensrichtung zugehörig, bezeichnen. Im Vergleich zu den 80er Jahren, wo 90 Prozent der Bevölkerung katholisch waren, sind es heute nur noch 55 Prozent, und nur 18 Prozent der Spanier sind noch «praktizierende Katholiken». Allerdings ist der Anteil der jungen Menschen unter 25, die sich als katholisch bezeichnen, von 31 Prozent im Jahr 2023 auf 47 Prozent im Jahr 2026 angestiegen.
Die evangelikalen Gemeinden sind die stärkste nichtkatholische Kraft im Land. Jeden Monat werden 16 neue Gemeinden gegründet (Livenet berichtete).
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 18.06.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet / Evangelical Focus