Neuer Meilenstein: Vollständige Bibel in 800 Sprachen
Gleichzeitig halten die Bibelübersetzer von «Wycliffe» fest, dass es noch viel zu tun gebe. Denn wenn man sich die Zahl andersherum ansieht, bleibt noch jeder fünfte Mensch ohne das Buch der Bücher in der eigenen Sprache.
Zu den jüngsten Übersetzungen, an denen gearbeitet wird, gehören laut einem Bericht von «Premier News» die Sprachen Weh und Mokpe (die beide in Kamerun gesprochen werden), Ifè (Togo und Benin), Koma (Ghana) und Shor (Sibirien).
Rasanter Anstieg an Übersetzungen
Die Zahl der Sprachen, in die die vollständige Bibel übersetzt wurde, ist sprunghaft angestiegen. Wycliffe erklärt: «Heute können wir bekannt geben, dass die Bibel nun in ihrer 800. Sprache veröffentlicht wurde! Es dauerte über 1900 Jahre, die Bibel in 400 Sprachen zu übersetzen, aber nur 28 Jahre, um die nächsten 400 Sprachen mit einer Bibelübersetzung in ihrer jeweiligen Sprache zu versorgen.»
Allein in den vergangenen sechs Jahren wurden mehr als 100 Übersetzungen abgeschlossen, wodurch weitere 500 Millionen Menschen Zugang zum Wort Gottes erhalten haben.
Lokale Übersetzungsteams machen den Unterschied
Die Übersetzer sehen in diesem Wachstum das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung lokaler Übersetzungsteams, ihrer Gemeinschaften, Unterstützer und externer Organisationen, verstärkt durch technologische Fortschritte.
James Poole, Geschäftsführer von Wycliffe, wird auf der Webseite zitiert: «Dies ist eine aussergewöhnliche Zeit für die weltweite Mission. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir bemerkenswerte Fortschritte erlebt, wobei sich die Übersetzungsarbeit in vielen Teilen der Welt beschleunigt hat. Gemeinschaften erhalten die Bibel deutlich früher, als es noch vor einer Generation möglich erschienen wäre.»
«Gefühl der Dringlichkeit»
«Wenn Kirchen sich mit der Heiligen Schrift in ihren eigenen Sprachen beschäftigen, sind sie besser für Evangelisation, Jüngerschaft und den Dienst ausgerüstet. Gott wirkt, und wir haben das Privileg, Teil dieses historischen Moments zu sein», hält James Poole fest. Er habe «ein Gefühl der Dringlichkeit, allen Menschen Zugang zur Bibel zu ermöglichen, da jede Sprache Menschen repräsentiert, die Gott liebt».
Gleichzeitig ermutigt Wycliffe im erwähnten Blog-Beitrag, dass die gute Nachricht lautet, dass derzeit mehr Übersetzungsarbeit stattfindet als je zuvor. Daher werde der grosse Fortschritt, der durch die 800. Bibelübersetzung repräsentiert wird, in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter anhalten.
Bibel bewahrt Kultur
Livenet traf erst gerade vor zwei Jahren in der kenianischen Hauptstadt Nairobi Manasseh Wekundah, den Direktor von «SIL Africa Learning & Development». Er erwähnte im Hintergrundgespräch, dass die Kultur durch eine Bibelübersetzung aufgewertet wird: «Eine Bibel in ihrer Sprache zeigt ihnen, dass ihre Sprache einen Wert hat. Wir sehen das in vielen Gemeinschaften.»
Manchmal existiert ihre Sprache vorher noch gar nicht in schriftlicher Form. Nach der Bibelübersetzung ist ihre Sprache verschriftlicht. «Das wertet sie auf. Für die meisten Menschen ist es jeweils so, dass sie vorher nicht wussten, dass Gott auch in ihrer Sprache spricht.»
Wenn eine Übersetzung fertig wird, geschieht danach in der jeweiligen Sprachgruppe eine Erweckung, beobachtete Manasseh Wekundah gegenüber Livenet. «In jeder Gemeinschaft beginnt danach ein Prozess und vieles verändert sich bezüglich Ökonomie, Bildung und sozialem Wohlergehen.» Die Sprache wird vitalisiert und das Interesse an ihr sowie an der Kultur der Sprachgruppe wird geweckt. «Wenn die Bibel übersetzt wird, ist das ein Schlüssel, sie macht einen grossen Unterschied im Leben der Menschen.» Und dies nun in 800 Sprachen, in welche die Bibel komplett übersetzt ist.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.
Datum: 07.06.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet