Livenet-Talk

Spürbar – Draht in den Himmel

Ursina Häfliger im Livenet-Talk
Ursina Häfliger ist Lebensraumgestalterin, Pflegeexpertin, Familienmensch und vor allem eine mutige Frau. Moderatorin Sabine Derron stellt sie im Rahmen eines dreiteiligen Livenet-Talks vor – dies ist der erste Teil.

Trotz schwerer Erfahrungen wirkt sie ruhig, ehrlich und tief verwurzelt in ihrem Glauben – weder laut noch perfekt, sondern echt und menschlich. Was sie erlebt hat, hätte sie zerbrechen können, doch stattdessen wurde es zum Nährboden für eine bemerkenswerte innere Stärke.

Wer ist Ursina Häfliger?

Ruhig und bestimmt bringt Ursina es gleich zu Beginn des Gesprächs auf den Punkt, dass sie selbst «ein Herzschlag Gottes» ist. «Ich möchte für, durch und in Gott leben.» Dabei will sie Gottes Liebe im Alltag nicht durch grosse Worte sichtbar machen, sondern durch ihr Leben. Die Mutter von sechs Kindern, Grossmutter, Ehefrau seit über 30 Jahren, Pflegefachfrau und Mitgründerin eines Mehrgenerationenprojekts spielt sich dabei nicht in den Vordergrund. Sie nimmt Menschen auf, begleitet sie und schenkt ihnen neue Hoffnung. Ihr Schwerpunkt ist nicht der Erfolg, sondern Echtheit. So sucht sie nicht, andere zu beeindrucken, sondern will einfach Liebe, Zugehörigkeit und Annahme vermitteln.

Eine schwere Kindheit – und trotzdem kein bitteres Herz

Ursina hatte eine schwere Kindheit. Viele Jahre lang wurde sie sexuell missbraucht und ihre Familie konnte sie nicht davor schützen. Darüber hinaus merkte sie schnell, dass ihr Elternhaus zwar sehr religiös war und nach aussen auch wirken sollte, innen aber vieles nicht dazu passte. So begann sie bald, den christlichen Glauben zu hinterfragen. Von seiner Echtheit war sie lange nicht überzeugt.

Hilfreich war hier ihr Grossvater, dessen ehrlicher und persönlicher Glaube ihr Orientierung gab. Von ihm lernte sie den Unterschied zwischen äusserlicher Religiosität und einer echten Beziehung zu Gott. Auch dank seines Vorbilds blieb Ursina nicht im Schmerz stecken. Sie entwickelte vielmehr eine tiefe Sehnsucht nach Wahrheit. Später realisierte sie jedoch, dass Wahrheit ohne Liebe verletzend wirken kann. Heute weiss sie: «Liebe und Wahrheit gehören zusammen.»

Ehe und Heilung

Ihr Mann Hanspeter wurde für Ursina ein Gegenüber der besonderen Art. Sie beschreibt ihn als treu, beständig und liebevoll. Am wichtigsten ist es ihr, dass er ihr jederzeit Halt gab und gibt – er ist in ihrem Leben «the rock», der Felsen. Besonders prägend erlebte sie eine lange Reise durch Nordamerika nach ihrer Hochzeit. Dort erfuhr sie Heilung, gute Gespräche und eine neue geistliche Tiefe. So rät sie heute jungen Paaren, den «eigenen Rucksack» auszupacken, ehrlich anzuschauen und zwar gemeinsam vor Gott. Dabei geht es nicht darum, den anderen retten zu wollen, sondern einander begleiten.

Familie – das bedeutet Wurzeln und Flügel

Ein zentrales Thema ihres Lebens ist die Familie. Ursina sieht Kinder darin als Geschenke «für einen gewissen Lebensabschnitt». Während dieser Zeit können Eltern ihnen Wurzeln geben, damit ihnen später Flügel wachsen können. Dies geschieht für sie durch gelebte Werte, Freiheit, Vertrauen und viele offene Gespräche. Diese Elemente prägen ihren Erziehungsstil. Im Blick auf den Glauben ist es Ursina wichtig, dass ihre Kinder selbst ihren persönlichen Glauben entwickeln dürfen – dies geschieht ohne Zwang, aber mit einem hoffentlich attraktiven Vorleben. Ihre Kinder sind inzwischen selbstständig, einige sind bereits verheiratet, und Ursina ist inzwischen Grossmutter.

Menschen ohne Angst aufnehmen

Im Hause Häfliger lebte aber nicht nur die eigene Familie. Als sie in Kontakt mit Geflüchteten kam, nahm die Familie etliche davon für eine Zeit bei sich auf. So teilte die Familie für etliche Jahre ihr Haus, ihren Alltag und ihr Leben mit jungen Menschen aus Afghanistan. Ursina war dabei nie von Angst bestimmt, sondern sie suchte die Begegnung. Sie wollte verstehen, Brücken bauen und gleichzeitig ihren eigenen Glauben klar und authentisch leben. Die Zeit mit ihren muslimischen Gästen stärkte ihre eigene Identität und zeigte ihr, wie wichtig echte Beziehungen sind.

Über dieses familiäre Engagement hinaus träumten Ursina und ihr Mann länger davon, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit schwierigen Lebensgeschichten Ruhe finden könnten. Dafür kauften sie eine Lodge in Südafrika, die Thandolwami Bushlodge. Dort sollen Menschen neue Hoffnung, Gemeinschaft und Perspektive erleben. Besonders wenn sie Brüche erlebt oder Verletzungen erlitten haben, sollen sie dort auftanken können. Ursina ist davon überzeugt, dass jeder Mensch Zugehörigkeit erfahren sollte und dafür manchmal eine neue Chance braucht.

Krebs und trotzdem Vertrauen

Kurz bevor Ursina für eine Weile nach Südafrika aufbrechen wollte, um das Projekt zu starten, erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Sie ging trotzdem und sagt: «Ich hatte mega Frieden darüber.» Erst nach der Rückkehr liess sie sich operieren und unterzog sich einer Chemotherapie – Hoffnungslosigkeit spürte sie nie. Ihr Glaube trug sie durch. «Es hat mir wirklich nie den Boden unter den Füssen weggezogen», hält sie im Rückblick fest. Als Pflegeexpertin hatte sie ihr Leben lang Menschen auch beim Sterben begleitet. Dadurch entwickelte sie eine andere Sicht auf das Leben: Sie nimmt nicht nur das Schöne aus Gottes Hand an, sondern auch das Schwierige. Echtheit zählt mehr als Oberflächlichkeit. Und Krankheit und Leid gehören für sie zum Leben dazu.

Im Gespräch betont Ursina Häfliger dass Vertrauen trägt – auch in Krisen. Glaube bedeutet für sie nicht, keine Probleme zu haben, sondern trotzdem getragen zu sein. Mit ihrer Geschichte macht sie Mut, ehrlich zu leben, Verletzungen nicht das letzte Wort zu geben und Hoffnung festzuhalten.

Zum Talk:

Datum: 02.06.2026
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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