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Gläubige Eltern und der queere Sohn – geht das gut?

Mit 19 Jahren sagte Timon Imfeld seinen Eltern, dass er schwul ist (Symbolbild)
Es kann jede Familie treffen: Kinder, die sich in einer christlichen Familie queer entwickeln, sind eine Herausforderung. SRF Impact hat einen konkreten Fall behandelt.

«Ich habe mich entschlossen, mit meinen Eltern zu reden und ihnen zu sagen, dass ich nicht mehr an Gott glaube.» So beginnt Timon Imfeld (36) den SRF-Beitrag vom 13. Oktober 2026. Ein Journalist besucht ihn in London, wo er lebt (und in viel wilderen Klamotten rumläuft als später daheim) und fährt dann mit ihm heim in die Schweiz, wo er seinen Vater, den pensionierten Pastor Erwin Imfeld, und seine Mutter Cécile besucht. Er will offen mit ihnen über seine Homosexualität, seinen queeren Lebensstil und die damit verbundenen Folgen für seinen Glauben reden.

Alles kommt auf den Frühstückstisch

Was dann auch geschieht. Sie haben eines der «wichtigsten Frühstücksgespräche, die wir je hatten», wie Erwin Imfeld erklärt. Die Glaubenskrise von Timon kommt offen auf den Tisch. Es ist eine ehrliche und liebevolle Begegnung, um keinen heissen Brei wird herumgeredet. Die Eltern schildern transparent, wie sie es lernten, mit dem Lebensstil ihres Sohnes umzugehen, ohne ihn abzulehnen. Und der Sohn kann seinen Glaubensverlust offen kommunizieren, ohne verurteilt zu werden.

«So hat Gemeinde gerochen»

Später kommt der sechs Jahre ältere Bruder Emanuel ins Spiel, ebenfalls homosexuell. Die beiden besuchen die Räumlichkeiten ihrer alten Gemeinde, wo sie von der Sonntagschule über die Jungschar bis zum Gottesdienst das ganze Programm durchgemacht haben. Der Bericht erwähnt nicht, dass es eine FEG ist – die Räume werden modern und offen präsentiert. Und beim Gespräch der beiden Brüder im Gottesdienstraum fliessen Tränen, so stark kommt die Erinnerung zurück: «Du siehst die Stühle, riechst den Boden – Mensch, hier hat sich alles abgespielt.» Eine bewegende Szene.

Stoff für Sensationsstory

«Religiöse Eltern – queerer Sohn – Wird der Glaube zum Familienkonflikt?», hat SRF Impact Inside den Beitrag benannt. Wer eine reisserische Geschichte erwartet, wird positiv enttäuscht. Die Macher haben die ganze Story dezent, mit viel Feingefühl und für beide Seiten ehrlich aufbereitet. Am Schluss bleibt viel Grauzone offen – sowohl der (Rest-?)Glaube von Timon als auch die Einstellung der Eltern Erwin und Cécile, der ganze Seiltanz um die Spannung von Ehrlichkeit und Liebe wird einfach stehengelassen. Statt knalligen eher Pastellfarben.

Erwin Imfeld war für einen Kommentar leider nicht erreichbar. Ein Kompliment an die Macher und ein Dank an Timon und seine Eltern für den Mut, so transparent vor der ganzen Nation aufzutreten.

Zum Beitrag:
SRF Impact

Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europe und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 19.10.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet

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