So machten Kirchen Schlagzeilen

Moses und Aron am Theater Basel

So machten Kirchen Schlagzeilen
Diese Woche machten ein Theater, ein Jubiläum und Kulturfestival Schlagzeilen.

Das Stück «Moses und Aron» gehört zu den Schlüsselwerken des österreichischen Komponisten Arnold Schönberg (1874–1951). Trotzdem wird es nur selten aufgeführt. Nun wagen sich die Theater Basel und Freiburg an den Stoff. Die Basler Premiere hat am Wochenende stattgefunden, berichtet Radio SRF. Moses ist auserwählt, die Idee von Gott an sein Volk weiterzugeben. Doch wie lässt sich etwas Unvorstellbares ohne Bilder und Begriffe vermitteln? Während das Volk um das goldene Kalb tanzt, liegt Moses’ Gegenmodell in einer Wüstenexistenz: in einem leeren Raum ohne Symbole, in dem man auf sich selbst zurückgeworfen ist. Die Verwerfungen der 1920er-Jahre prägen Schönbergs zwölftöniges Schlüsselwerk und münden in ein Plädoyer für ein Miteinander ohne Feindbilder.

«Das Ringen um den wahren Glauben wird publikumsnah als Debattierklub inszeniert», schreibt die  Neuen Zürcher Zeitung und weiter: «Der Prophet braucht heute einen Lautsprecher.» Der Luzerner Schauspieler Walter Hess übernimmt mit 87 Jahren die anspruchsvolle Sprechrolle des Moses, berichtet die «Basler Zeitung». Moses kann nur sprechen, aber nicht singen – bei Aron ist es umgekehrt. 

150 Jahre Christkatholische Kirche Schweiz

«Wir muten den Gläubigen zu, selbst zu entscheiden.» Das sagt Frank Bangerter, Bischof der Christkatholischen Kirche Schweiz, zu ref.ch. Zum 150-Jahr-Jubiläum blickt die Kirche auf eine Geschichte des Widerspruchs zurück: Entstanden aus dem Widerstand gegen die Dogmen des Ersten Vatikanischen Konzils, verbindet sie katholische Tradition mit einem freiheitlich-liberalen Denken. Rund 12’000 Menschen gehören der Christkatholischen Kirche heute an, und ihre Gemeinden sind über die ganze Schweiz verteilt. Ausgelöst worden war dieser Abspaltungsprozess durch Kritik von katholischen Geistlichen nach dem ersten vatikanischen Konzil in Rom im Sommer 1870. Die Priester stellten sich gegen die absolute Unfehlbarkeit des Papstes und seinen absoluten Machtanspruch. Kurz nach der Trennung wurde die Landessprache eingeführt und der Zölibat für Geistliche als freiwillig erklärt. Aus diesem Widerstand formierte sich die Christkatholische Kirche, die im Ausland als Altkatholische Kirche bezeichnet wird. 

Die «heitere Sargwerkstatt»

Vom 19. bis 27. Oktober findet in Bern das Stadtfestival «endlich.menschlich.» statt. Konzerte, Theater, Lesungen, Workshops, Gespräche und Rituale laden zu einer Auseinandersetzung mit Tod und Sterben ein. Mit dabei sind auch die «Heitere Sargwerkstatt» und die Landeskirchen. Was 2024 in Bern begann – das erste Stadtfestival zum Leben mit dem Tod, mit über 1000 Teilnehmenden und mehr als 60 Organisationen –, hat Schule gemacht: 2026 wächst die endlich.menschlich. Woche von Bern aus in weitere Städte und Kantone der Schweiz. Bern bleibt Herz und Ursprung dieser Bewegung – als erste Compassionate City der Schweiz und als Stadt, in der 2020 die Berner Charta für ein gemeinsam getragenes Lebensende lanciert wurde. Vom 24. Oktober bis 1. November 2026 verwandelt sich die Stadt erneut in einen lebendigen Ort der Begegnung, der Kunst und des Austauschs.

Ein offener Umgang mit Sterben, Tod und Trauer soll überall selbstverständlich werden – in Schulen und Familien, in Quartieren, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben. Den Anfang machen die Berner Schulen: Kinder und Jugendliche setzen sich altersgerecht und kreativ mit Endlichkeit und Abschied auseinander – und gestalten die endlich.menschlich. Woche aktiv mit. Rund um diesen Bildungskern lädt ein vielfältiges Programm die ganze Bevölkerung ein: Konzerte, Theater und Tanz, Kunst und Installationen, Lesungen, Workshops, Gespräche und Rituale. Die meisten Angebote sind kostenlos und offen für alle. Auch Bildung Bern hat sich in ihrer Zeitschrift schulpraxis 1/26 dem Thema «Endlichkeit» gewidmet. Denn das Lebensende geht alle an. In Bern-Bümpliz kann man seinen eigenen Sarg bauen. Die «Heitere Sargwerkstatt» will dem Thema Tod bei handfester Tätigkeit Raum geben. Die Sargwerkstatt ist ein Projekt des Kollektivs «Frei_Raum», zu dem auch das inklusive Kulturlokal «Heitere Fahne» in Wabern gehört.

Zum Autor: Markus Baumgartner ist Inhaber der Kommunikationsagentur b-public AG und u.a. Mediensprecher Dachverband Freikirchen.ch, Co-Präsident Forum Christliche Führungskräfte, Vizepräsident der Agentur C und Herausgeber des Dienstagsmail.

Datum: 11.10.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Livenet

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