Vom Strand in die Welt
Jolanda Brunner war vor 19 Jahren zum ersten Mal bei «Ferien im Meer» dabei und bekennt: «Es hat uns vom ersten Tag an den Ärmel reingenommen. Wir haben hier als Familie viel erlebt, es ist heute wie ein Heimkommen.» Früher, als man noch mit der Fähre kam, begannen die Ferien schon unterwegs: Man traf sich, half einander, es gab einen spontanen Lobpreis – man ist zusammengewachsen.
Johannes Wirth hat das Projekt mit aufgebaut und kann jetzt, im 30. Jahr, die Verantwortung dafür abgeben. Er schätzt besonders: «Man lernt viele verschiedene Christen kennen, quer durchs christliche Spektrum. Diese Ferien sind ein Spiegelbild aller Kirchen; es kommen natürlich auch Leute, die mit dem Glauben nichts am Hut haben. Und sie kommen aus allen sozialen Schichten.»
Die Generation Z ...
Das Gespräch kommt auf die Generation Z und was bei ihnen anders ist. Beide Gesprächspartner haben ihre eigenen Erfahrungen mit jungen Menschen gemacht. Johannes Wirth: «Sie sind heute viel braver. Vor zehn Jahren mussten wir noch Ordnungskräfte einsetzen, weil die Jungen kifften oder meinten, sie müssten nachts durch alle Schwimmbecken schwimmen – heute sind sie ruhiger, natürlich viel mehr digital unterwegs.» Jolanda Brunner arbeitet viel mit jungen Menschen und stellt fest, dass sie meistens die Sicherheit ihrer Gruppe brauchen und kaum einzeln auf andere zugehen.
Was macht Mühe mit der Generation Z? Johannes Wirth: «Das, was sie unter Work-Life-Balance verstehen, regt mich oft auf. Wer schafft denn noch 100 Prozent? Es nervt mich, dass man sie oft nicht erreicht. Trotzdem sind viele psychisch angegriffen und brauchen einen Psychiater.» Er kontrastiert: «Wir haben Überzeit gemacht, Sachen angepackt, es ging voran – heute haben sie Angst vor dem Abstieg.» Jolanda Brunner ergänzt: «Sie sind halt in einer Zeit aufgewachsen, wo immer eine Krise da war.»
… und die Politik
Beide Gesprächspartner sind auch politisch engagiert. «Ich habe als Gemeindepräsidentin eigentlich eine ähnliche Aufgabe wie ein Pastor: ein Wir-Gefühl zu erreichen», findet Jolanda Brunner. «Nur ist ein Pastor noch näher und persönlicher an den Leuten dran.»
Johannes Wirth ist dankbar für die tolle politische Arbeit in Winterthur, der Blick in die Welt aber macht ihm Sorgen: «Ich bin kein Endzeit-Prophet, aber seit Corona finde ich, die Wiederkunft von Jesus könnte näher gekommen sein.» Besonders beschäftigt ihn, dass statt des Gemeinsamen immer häufiger die Ränder betont werden. «Das überträgt sich auch auf die Kirche – früher hielten wir mehr zusammen, heute geht’s oft auseinander.» Darum bekräftigt er: «Im hohepriesterlichen Gebet von Johannes 17 betont Jesus dreimal, dass seine Nachfolger um Einheit ringen sollen.» Brunner ergänzt: «Die Leute glauben einem nicht mehr so leicht etwas. Sie stellen sehr viel in Frage – in der Gesellschaft, aber auch in Gemeinden. Theologische Grabenkämpfe sind häufiger.» Gerade in ihrem politischen Amt wäre sie oft gern mehr wie ein Pastor, der die Menschen ermahnen kann: «Leute, geht doch aufeinander zu. Der andere meint es genauso ernst wie du.»
Natürlich: In den Ferien macht das Zusammensein Spass, und die Einheit ist leicht, finden alle drei Gesprächspartner. Aber es sind nicht immer Ferien, und nicht immer scheint die Sonne so wie in Griechenland. Aber darum packen alle drei auf ihre Art auch im Alltag Probleme an.
Zum Talk:
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europe und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 09.10.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet