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Das Herz wird nicht dement

Roswita Schlatter möchte mit ihrem neuen Album Menschen mit Demenz und deren Angehörige unterstützen.
Die Liedermacherin Roswita Schlatter behandelt in ihrem Album «Wurzle-Radici-Racines» das Thema Demenz/Alzheimer. Ihr christlicher Glaube prägt dabei ein zentrales Anliegen: Betroffenen mit Würde zu begegnen und ihre Angehörigen zu entlasten.

Demenz – das grosse Vergessen. In der Schweiz leben aktuell über 160’000 Menschen mit Alzheimer. Jährlich kommt es zu mehr als 35’000 Neuerkrankungen. Die 56-jährige Musikerin Roswita Schlatter aus Eriswil im Emmental widmet dem Thema ihr Album «Wurzle-Radici-Racines». Mit zehn Liedern auf Berndeutsch, Französisch und Italienisch möchte sie für einen liebevollen Umgang mit Betroffenen und mehr Unterstützung für deren Angehörige sensibilisieren. Sie beschreibt ihr Werk als ruhig und poetisch – zwischen Folk und Chanson und mit einer Prise Klassik. Mit dem CD-Erlös unterstützt sie die Nächstenhilfe Zollbrück, die Menschen mit Demenz oder anderen schweren Erkrankungen betreut und somit deren Angehörige entlastet.

Musikalische Begabung als Geschenk Gottes

Bei der Entstehung von «Wurzle» spielte für die Sängerin und Liedermacherin auch der christliche Glaube eine wichtige Rolle. In den «Berner Nachrichten» nennt Roswita Schlatter ein Zitat von Martin Luther als Grundstein des Albums: «Unser Nächster ist jeder Mensch, besonders der, der unsere Hilfe braucht.» Die Mutter von zwei Töchtern versteht ihre musikalische Begabung als Geschenk Gottes: «Dank gebührt dem Schöpfer und Kreator meines Lebens und damit meiner Talente – ich bin, weil Er ist», schreibt Roswita Schlatter auf ihrer Homepage. In den Erläuterungen zu ihren Liedern beschreibt sie den Glauben als Quelle von Geborgenheit, Kraft und der Gewissheit, von Gott geliebt zu sein.

Zu den Wurzeln zurückkehren

Im Gespräch mit der Zeitung «Unter-Emmentaler» beschreibt Roswita Schlatter ein prägendes Erlebnis mit einer dementen Person. Das diente ihr als Inspiration für ihren Song «Ds Grosse Vergässe». «Die Kindergärtnerin unserer Kinder ist mit 50 Jahren an Demenz erkrankt und zwei Jahre später gestorben. Das hat mich sehr betroffen gemacht. Jemand, der Demenz hat, kehrt in die eigene Kindheit zu den eigenen Wurzeln zurück. Jede und jeder hat seine eigenen Wurzeln, die einen prägen. Und diese Wurzeln sind tief verankert in unserem Hirn», beschreibt sie ihre Sicht auf die Erkrankung.

Olivia Weibel aus Huttwil hat die Bilder zum Booklet der CD «Wurzle» gestaltet: «Für mich ist Demenz wie ein Baum im Herbst, bei dem die Blätter langsam absterben. Doch das hat auch seine Schönheit mit den wunderbaren herbstlichen Farben. So ist es auch in der Demenz, da gibt es noch so viel Schönes zu erfahren. Das Herz wird nicht dement, das bleibt.»

Von Kamerun in die Schweiz

Schon die ersten Kindheitsjahre von Roswita Schlatter waren musikalisch geprägt. Sie wurde in Kamerun geboren und erlebte dort die Trommel-Rhythmen, den Gesang auf den Feldern sowie die lokalen Feste der Einheimischen. Ihr Grossvater, ein Bauer und begeisterter Jodler, brachte ihr zudem die Schweizer Folklore näher. Später, zurück in der Schweiz, fing sie mit klassischem Klavierunterricht an und nahm Gesangsstunden, schrieb Gedichte und begann zu komponieren. Ihre Liebe zu Sprache, Literatur und Geschichten führte sie zunächst in den Beruf der Buchhändlerin. Später wechselte sie in den Musikunterricht.

Zusammen Singen

Am Anfang behielt sie einige ihrer Lieder lange für sich. Ermutigungen aus ihrer Familie und ihrem Freundeskreis bestärkten sie jedoch darin, ihr eigenes Musikprojekt aufzubauen. 2013 formierte sich die fünfköpfige Gruppe «Roswita und Band», in der ihr Mann Johannes Bass spielte. Musik ist für Roswita Schlatter nie eine Einbahnstrasse. Ihre Konzerte leben vom Mitmachen und vom direkten Austausch mit dem Publikum. Im Interview im neo1-Studio erklärt sie: «Das Zusammen Singen, sich auszudrücken ist für mich das Grösste. Wenn bei einem Konzert das Publikum mit mir singt und so ein Chor entsteht, dann bekomme ich direkt Gänsehaut.» Kultur schafft Raum für Begegnung. Roswita Schlatter zitiert eine südafrikanische Weisheit: «Ubuntu», auf Deutsch: «Ich bin nur, weil ihr seid» und auf Englisch: «I am because you are.»

Dieser Artikel erschien zuerst im Dienstagsmail.

Datum: 10.10.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Dienstagsmail

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