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Wie Gott in Frankreich

Papst Leo XIV ist seit 2025 im Amt.
Der Papst feiert eine Messe mit 700'000 Menschen in Paris. Und über 20'000 Erwachsene liessen sich an Ostern taufen. Zwei Zeitungsartikel beschäftigten sich am Wochenende mit dem katholischen Boom in Frankreich

Beide Artikel stammen aus der Feder von Frankreichkorrespondent Oliver Meiler. Von verschiedenen Seiten versucht er, ein Phänomen zu erfassen: Mitten in einer Zeit der radikalen Säkularisierung – und mitten in einem Staat, wo Kirche und Staat streng getrennt sind – gibt es erstaunliche Hinweise auf ein spirituelles Aufblühen in der katholischen Kirche in Frankreich.

«Léon, Léon, deine Fans sind da»

«Niemand hätte eine solche Aufwartung erwartet, eine solche Aufregung», bilanziert ein Artikel in der Sonntagszeitung: «Die Strassen von Paris sind voll – was ist es nur mit diesem Papst?», fragt Meiler. Am persönlichen Charisma von Leo XIV. könne es nicht liegen – eher schon, dass seine Grossmutter aus der Normandie kam und sein Vater 1944 an der Landung der Alliierten teilnahm.

Aber wie alle Päpste vor ihm habe Leo auch seine Mühe mit der Laizität in Frankreich, etwa bei Gesetzen zum Schwangerschaftsabbruch, zur Ehe für alle oder, wie jetzt, zur Sterbehilfe. Mit dem liberalen Macron kann er es denn auch nicht besonders gut, dieser Papst.

Aber die Menschen strömen zusammen, wenn er kommt: 80`000 katholische Jugendliche jubeln ihm zu, «als wäre er ihre Taylor Swift», wie es eine französische Zeitung schrieb. Ist es der Drang der Menschen, live etwas gemeinsam zu erleben, wie man es seit der Pandemie beobachtet? Fussballstadien und Konzertsäle seien ja auch voll, bemerkt der Artikel.

Echte Leadership

In einer Zeit der schwindenden Werte und der unübersichtlichen Meinungsvielfalt schätzen Menschen offenbar auch eine Autorität mit Überzeugungen: «Es ist ein politisches Charisma bei ihm, echte Leadership», findet etwa die 31jährige Anne Flore. «Er hat zu vielen politischen und gesellschaftspolitischen Themen sehr klare Meinungen – etwa auch zur künstlichen Intelligenz, während sich Staaten und Politiker kaum Fragen stellen.» 

Glaube wird wieder attraktiv

In Frankreich gehen nur zwei Prozent der Katholiken zur Messe. Doch seit ein paar Jahren gibt es eine Bewegung zurück zum Glauben, eine Welle von Erwachsenentaufen. Der Artikel zitiert Pierre Antoine, 21 Jahre alt, der sich vor zwei Jahren taufen liess: «Ich hatte eine schwierige Kindheit», sagt er, «ich war lange auf der Suche nach Sinn im Leben, ich probierte viel aus.» Er blieb dann bei den Katholiken hängen, da habe er eine Gemeinschaft gefunden. «So viele Leute zu sehen, die sich hier zeigen und sagen, dass sie glauben, das macht mich richtig glücklich», sagt der Student heute.

Im «Bund» vom 25. September 2026 bringt der gleiche Autor eine Doppelseite zu diesem «Boom» der Erwachsenentaufen in Frankreich, verbunden mit dem Besuch in einem katholisch-charismatischen Gottesdienst mit 400 Teilnehmern. Drei Lebensschicksale zeigen beispielhaft, warum sich in den letzten Jahren dramatisch mehr Menschen taufen lassen als früher: über 21`000 waren es am letzten Osterfest (Livenet berichtete).

Viele verschiedene Motive

Die drei Lebensgeschichten hinter dem «Bund»-Artikel zeigen etwas von den sehr unterschiedlichen Gründen, die zur Entscheidung zur Taufe führen. Ein 45jähriger Unternehmensberater fragte nach dem Sinn des Lebens und lernte katholische Schulen als sinnstiftende Gemeinschaften kennen. Die 47jährige Lehrerin wurde von ihrem Sohn überzeugt, der sich einer Jugendgruppe angeschlossen hatte. Und die 50jährige Maria Laitha ging ihren Weg vom Hinduismus über den Islam zum katholischen Glauben.

Allen gemeinsam: Sie meinen es ernst. Eine Erwachsenentaufe – die in der katholischen Kirche meistens in der Osternacht durchgeführt wird – ist keine schnelle Sache: Zwei Jahre Katechese, Gottesdienstbesuch und Bibelstunden gehören dazu. Das gibt Fundament.

Die beiden Artikel zeigen: Der Papst als umjubeltes Symbol des Glaubens – und jedes Jahr ein paar zehntausend neue Gläubige – «Gott in Frankreich» hat vielleicht noch Überraschungen parat.

Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 28.09.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Der Bund / Sonntagszeitung

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