«Jeder Christ ist ein lebendiger Stein»
Emmi Rey, was ist der Diamantentreff – und wie würdest du ihn jemandem beschreiben, der noch nie davon gehört hat?
Emmi Rey: Unser Diamantentreff besteht aus Leuten, die nicht mehr oder nur beschränkt im Erwerbsleben stehen und deshalb Donnerstagnachmittags an unseren Treffs teilnehmen können.
Was bedeutet dir persönlich der Name «Diamantentreff»?
Der Name macht Sinn, weil jeder Christ ein lebendiger Stein ist, der von Gott sorgfältig zurechtgeschliffen wird. Die meisten von uns haben das Pensionsalter überschritten und sind im Lauf des Lebens an einigen Ecken abgerundet worden.
Ein Diamant steht für Wert, Reife und etwas Kostbares. War diese Wertschätzung älterer Menschen bei der Namensgebung ebenfalls ein Gedanke?
Es liegt nahe, dass sich da jemand liebevoll positive Gedanken über die älteren Menschen der Gemeinde gemacht hat. Ich sehe uns als Gottes kostbare Steine, die mit der Zeit und durch die Beschäftigung mit der Bibel immer mehr an Wert und an Glanz gewinnen.
Wie sehen die Treffen jeweils aus, wie laufen sie ab?
Nach der allgemeinen Begrüssung singen wir ein paar Lieder mit Gitarrenbegleitung. Danach gibt es ein Bibelstudium mit vielen Fragen, im Moment beschäftigen wir uns mit dem Römerbrief. Jeder kann sich hier einbringen. Anschliessend haben wir Zeit, für eventuelle Anliegen zu beten oder einfach zu danken. Der Nachmittag geht bei Kuchen und Kaffee mit lockerem Geplauder zu Ende.
Was erlebst du bei den Begegnungen, gibt es besonders berührende oder bereichernde Momente?
Während den Bibelarbeiten sehen wir immer wieder Parallelen zu unseren eigenen Leben. Da ist es manchmal spannend, wenn Teilnehmer von Gottes Treue und Führung in ihrem Leben erzählen, das ist eine grosse Bereicherung. Bewegend ist, wenn jemand in einer schwierigen Familiensituation steht oder eine schockierende Krebsdiagnose erhalten hat.
Was wünschst du dir, dass die Seniorinnen und Senioren vom Diamantentreff mit nach Hause nehmen?
Was Gott uns mit der Bibel geschenkt hat, ist so kostbar und reichhaltig, dass bestimmt jeder eine Ermutigung mit nach Hause nehmen kann! Das wünsche ich mir sehr. Und natürlich ist es immer ein Segen, sich mit Glaubensgeschwistern zu treffen. Allgemeine Unterhaltung steht uns ja durch die Medien im Übermass zur Verfügung – sogar auch gute!
Wie erlebst du die Vielfalt der Lebensgeschichten und Glaubenswege innerhalb der Gruppe?
Ja, wir sind eine gut durchmischte Gesellschaft und es ist spannend, die verschiedenen Lebensgeschichten und Werdegänge nach und nach mitzubekommen. Nicht immer sind alle der gleichen Meinung, es ist wie in einer normalen Familie.
Welche Bedeutung hat das gemeinsame Gebet für die Menschen beim Diamantentreff?
Es ist schön, Sorgen gemeinsam vor Gott zu bringen und sie dort gut aufgehoben zu wissen. Natürlich setzt es viel Vertrauen voraus, etwas zutiefst Persönliches zu teilen. Wenn niemand ein besonderes Anliegen hat, beten wir beispielsweise für einen laufenden Alphalive-Kurs, eine wichtige Abstimmung oder andere aktuelle Themen.
Wenn du auf die Menschen schaust, die zum Diamantentreff kommen: Was macht diese Generation für dich besonders kostbar?
Der Austausch mit reifen Menschen über biblische Themen bringt oft tiefe Gedanken und Glaubenswahrheiten zum Vorschein. Einige haben im Lauf der Jahre erstaunliche Gebetserhörungen und klare Führung von Gott erlebt, das stellt uns dann gemeinsam auf. Manchmal können wir auch einfach über «früher» schmunzeln oder über Situationen des Alterns witzeln, alle haben ja schon ihre Erfahrungen gemacht.
Das Treffen ist ein Angebot des CT Zug. Kannst du noch ein paar Worte über die Gemeinde sagen?
Der Christliche Treffpunkt Zug hat seit einem Jahr eine neue Leitung, die sich mit viel Herzblut und Einsatz in die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde investiert. Das ist dringend notwendig und wunderbar. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass die älteren Menschen einen Ort haben, wo sie wahrgenommen werden und sich einbringen können.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.
Datum: 15.09.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet