Livenet-Talk

Neutralität, Krieg und Christsein

Generalmajor Ruprecht von Butler orientiert sich immer an christlichen Werten.
«War is … for absolutely nothing» performte 1970 Edwin Starr und stimmte in die Anti-Kriegsbewegung ein. Wie soll sich ein Christ in der Spannung zwischen Landesverteidigung und absoluter Neutralität verhalten? Livenet befragte einen Generalmajor.

Ruprecht von Butler ist Generalmajor der Bundeswehr in Deutschland und Kommandeur des «NATO Joint Warfer Centre» im norwegischen Stavanger. Ebenfalls engagiert sich der Christ als Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die brisante Haupt-Fragestellung des Livenet-Talks mit Flo Wüthrich lautet: «Wie kann Krieg auf jeden Fall verhindert werden? Und wie darf Krieg sein?»

Entwicklungen im 21. Jahrhundert beobachten

Das Schulungs- und Trainingszentrum «Joint Warfare Centre» mache für das Nato-Bündnis einen grossen Anteil der Weiterentwicklung. «Das ist ein sehr starker Blick in Kriege des 21. Jahrhunderts. Sie können sich vorstellen, dass der Blick natürlich auch sehr stark auf den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine geht. Was können wir dort beobachten? Was bedeutet das für unser Bündnis?», so von Butler.

Gut und Böse – auch in Europa

Zur allgemeinen Kriegsthematik meint der Kommandeur, dass er diese fast 40 Jahre als Soldat gesehen hat und «…einfach auch mit den sicherheitspolitischen Entwicklungen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben.»

Es gäbe in jedem Menschen das Gute, aber auch das Böse. «Und am Ende hat unser Schöpfer das wohl auch gewusst. Denn als er den Menschen geschaffen hat, hat er uns Gebote gegeben, was dann vielleicht auch besonders stark im neunten und zehnten Gebot zum Ausdruck kommt: Du sollst eben nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut, Weib und so weiter. Du sollst aber auch nicht töten. Das Böse steckt irgendwo im Menschen drin, und wir sehen das auch in Kriegen, in all der Brutalität. Zwischen Russland und der Ukraine wird uns das vor Augen geführt.»

Werte im Zentrum

«Wenn ich mir überlege, wie ich als Soldat handle, woran ich mich orientieren muss, dann stehen für mich im Mittelpunkt immer Werte. Am Ende des Tages verteidigen Soldaten Werte. Das ist für einen Soldaten der Bundeswehr gar nicht so schwer zu beantworten. Es sind nämlich die Werte unserer Verfassung, des Grundgesetzes, auf die ich ja als Soldat letztlich sogar einen Eid geschworen habe.»

Deshalb sei es wichtig, in einer starken Wertegemeinschaft zu stehen, denn gerade soldatisches Handeln müsse sich an moralischen Grundsätzen orientieren. «Da schaue ich auch immer sehr gerne auf unser Bündnis. Ja, das ist ja eine unheimlich starke Kraft, und dazu gehören so viele Flugzeuge und Panzer und so viele Schiffe und all die Dinge. Aber was nützen diese ganzen technischen Kriterien, wenn deren Einsatz nicht auf gemeinsamen Werten basiert. Das Fundament muss immer eine gemeinsame Wertebasis sein», erklärt von Butler.

Mitschuld und Abschreckung

Wüthrich lenkt auf die aktuelle SVP-Initiative mit Christoph Blocher, wobei sich der Generalmajor innenpolitisch enthalten will und anmerkt, dass er den Text dreimal lesen musste, bis er ihn verstand. Aber er persönlich empfindet, dass die Schweiz geschichtlich, aber auch aufgrund der geopolitischen Position besonders sei, weil sie in jeder Himmelsrichtung Nachbarn habe, die sich nach aussen verteidigen.

Auch die Neutralität der Schweiz sei aufgrund der Geschichte nachvollziehbar, dennoch könne sich die Schweiz so auch schuldig machen. Um dies zu verdeutlichen, hat er ein ganz praktisches Beispiel: Wenn ein Nachbar einem anderen Gewalt androhe, sei es wichtig, diesen abzuschrecken und zu sagen: «Pass mal auf, wenn du jetzt hier über den Zaun steigst und den verprügeln willst, dann musst du damit rechnen, dass ich ihn verteidige und dass ich für ihn einstehe; denn ich kann es nicht akzeptieren, dass du diesen Konflikt zwischen euch beiden mit Gewalt lösen willst. Deswegen werde ich das im Zweifelsfall verteidigen, damit ihr nicht gewaltsam aufeinander losgeht.» Wenn er dies nicht tue, sondern sich neutral raushalte, entstehe eine Mitschuld.

Es sei natürlich paradox, als Christ die andere Wange hinhalten zu müssen und als Soldat zu dienen, gibt Ruprecht von Butler zu. Er sei aber auch dankbar für Mitchristen, die ihn kritisch hinterfragten; und ob in einer Situation Gewaltanwendung als finale Lösung gerechtfertigt sei.

Er ergänzt: «Als Christ habe ich einen grossen Vorteil bei Entscheidungen. Ich kann mich zurückziehen und die Frage stellen: ‘Ist das eine Entscheidung, mit der ich einmal vor meinem Schöpfer bestehen kann’? Diese Ebene macht mich nochmal reicher. Und das möchte ich nicht missen.»

Hier gehts zum Talk mit Rprecht von Butler:

Zum Autor: Roland Streit liebt Wort-Spielereien und -Schöpfungen. Er sieht es als Privileg beruflich mit Sprache arbeiten zu können. Als Verkäufer hatte er meist persönlich und mündlich gewirkt, später in der Jugendarbeit kam noch mehr Schriftliches dazu. So fand er im Radio die journalistische Kombination und seit rund zehn Jahren bei Livenet die nächste Station (nicht Radio-Station). 

Datum: 11.09.2026
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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