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Erste Stimmen zum Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt

Die AfD erhielt mit gewaltigen Vorsprung deutlich mehr Stimmen als die anderen Parteien.
Am Sonntag wurde in Sachsen-Anhalt der Landtag gewählt. Dabei wurde die AfD mit Abstand die stärkste politische Kraft im Land. Es war keine Überraschung – und ist doch für viele ein Schock.

Am Tag nach der Wahl ist vieles noch unklar. Die Stimmen sind ausgezählt, doch das Ergebnis ist noch vorläufig. Demnach hat die AfD mit 43,8 Prozent der Stimmen mehr als doppelt so viele erhalten wie die CDU (17,2%). Danach folgen SPD (9,3%), die Grünen (8,9%), die Linke (8,6%) und das BSW mit 5,3 Prozent. Die FDP ist nicht im Landtag vertreten. Die Wahlbeteiligung erreichte dabei mit 77,8 Prozent ein Allzeithoch. Trotz ihres deutlichen Gewinns verpasste die AfD das Ziel einer absoluten Mehrheit, um allein regieren zu können; eine Regierungsbildung wird voraussichtlich schwierig werden. Erwartungsgemäss fallen die Beurteilungen dieses Ergebnisses sehr unterschiedlich aus.

Stimmen der Presse aus Deutschland...

In der taz stellt Gareth Joswig mit seinem Artikel «Nah am totalen Sieg» deutlich die Ausrichtung der AfD als «rechtsextrem» heraus. 

Helge Fuhst analysiert in der WELT bereits: «Links ist vorbei!» Er unterstreicht: «Die Wähler in Sachsen-Anhalt (und in ganz Deutschland) haben es erst leise gesagt, dann lauter, und jetzt schreien sie es raus: Sie wollen echte Veränderung.»

Die FAZ sieht die Verantwortung stärker im konservativen Lager. Sie titelt: «Von Siegmund angezogen, von Merz abgestossen» und meint: «Viele Wähler stimmten wegen Ulrich Siegmund für die AfD – und wegen Friedrich Merz nicht mehr für die CDU.»

Wie vielen ausländischen Medien ist die deutsche Wahl auch dem Telegraph eine Titelmeldung wert: «Migrantenfeindliche AfD steuert in Ostdeutschland auf überwältigenden Wahlsieg zu». Egal ob in Polen, Tschechien oder Frankreich, überall wird die Entwicklung in Deutschland aufmerksam bis angespannt beobachtet. Das deckt sich mit der Selbstwahrnehmung des AfD-Spitzenkandidaten Florian Siegmund der laut Handelsblatt auf der Wahlparty seiner Partei verkündete: «Wir haben Geschichte geschrieben. Wir holen uns unser Land zurück. Und es beginnt hier in Sachsen-Anhalt.»

...und aus der Schweiz

Die Reaktionen aus der Schweiz waren ähnlich. Der SRF sprach von einem «„Neuland mit ganz vielen Fragezeichen», während der BLICK den «Erdrutschsieg» als «Schock» bezeichnete – die NZZ dagegen als «Albtraum für die CDU». Der AfD-Sieg sei ein Signal an die Bundesregierung und Ausdruck eines längerfristigen Trends, so der Tages-Anzeiger.

Französischsprachige Medien fokussierten sich stärker auf den europäisch-historischen Rahmen und sahen die Entwicklung als Teil eines kontinentalen Trends.

Was denken kirchliche Vertreter?

Die christlichen Nachrichtenmagazine PRO und IDEA haben direkt nach der Wahl noch keine Berichte dazu, allerdings lässt die ZEIT auch religiöse Vertreter zu Wort kommen. Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, äusserte sich erschüttert: «Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.» Für die 93-jährige Holocaust-Überlebende ist das Wahlergebnis ein Zeichen, «dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert». Ihr Fazit: «Das macht mir Angst.»

Bei evangelisch.de sagte Friedrich Kramer, Bischof der mitteldeutschen evangelischen Kirche, zum Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt, «dass ein Riss tief durch die Gesellschaft geht». Aufgabe der Kirche sei es jetzt, «bei denen zu stehen, die unter die Räder kommen, die am Rand stehen und wo ich jetzt sehr viele Ängste und Sorgen wahrnehme.»

Spitzenvertreter der katholischen Kirche äusserten sich nach Schliessung der Wahllokale am Sonntagabend zunächst nicht. Beim Domradio erklärte Weihbischof Horst Eberlein bereits im Vorfeld der Wahl, die Anfänge dieser Bewegung nicht ernst genug genommen zu haben. Auch für die Zukunft hat er Befürchtungen, weil es zwischen AfD und Kirche kaum Dialog gebe: «Wir haben nicht miteinander gesprochen und werden wahrscheinlich auch nicht miteinander sprechen.»

Sachsen-Anhalt gehört zu den kleinen Bundesländern in Deutschland. Trotzdem zeigt bereits die erste Berichterstattung über die Landtagswahl, dass ihre Themen und auch die Art und Weise, wie darüber diskutiert wird, noch lange nicht am Ende angekommen sind.

Zum Autor: Hauke Burgarth (*1964) ist gebürtiger Hamburger und lebt in Pohlheim bei Giessen. Hauke arbeitet freiberuflich als Lektor, Autor und Journalist. Daneben engagiert er sich in Teilzeit, aber mit ganzem Herzen, als Pastor der Christusgemeinde in Lich.
 

Datum: 07.09.2026
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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