Ist das Jesu Grab? Archäologen finden Indizien
Ein Bericht aus der «Bild»-Zeitung lässt aufhorchen: Italienische Archäologen entdeckten eine antike Stätte, die mit einer biblischen Beschreibung des Ortes übereinstimmt, an dem Jesus Christus begraben wurde.
«Wir haben Hinweise auf eine Begräbnislandschaft gefunden», erklärte die leitende Archäologin Francesca Romana Stasolla von der römischen Universität La Sapienza in der «Daily Mail».
Der nun bekannt gewordene Fund geht auf das Jahr 2022 zurück. Eigentlich sollte der Boden der Grabeskirche restauriert werden, was zu Ausgrabungen führte. Zutage kam ein antiker Steinbruch, Felsengräber, ein einstiger Garten sowie Felder.
Im Einklang mit biblischer Beschreibung
Diese Beschreibung passt laut «Bild» zu den Aufzeichnungen im Johannes-Evangelium Kapitel 19, Vers 41: «In der Nähe der Hinrichtungsstätte lag ein Garten. Dort gab es eine Grabkammer, die erst kürzlich aus dem Felsen gehauen und noch nicht benutzt worden war.» Gemäss dem Johannes-Evangelium fand die Kreuzigung zudem in der Nähe von Jerusalem statt.
Spuren von Oliven und Weinreben
Die Wissenschaftler entdeckten ausserdem Spuren von Olivenbäumen und Weinreben, berichtet «20 Minuten»: «Sie stammen aus der Zeit um das Jahr 33 nach Christus – dem Zeitraum, in den der Tod Jesu meist datiert wird. Teile des einst bis zu sechs Meter tiefen Steinbruchs waren mit Erde verfüllt worden, was laut Forschenden eine spätere Nutzung als Anbaufläche nahelegt.»
Die direkt in den Stein gehauenen Gräber entsprachen laut der Bild-Zeitung auch den Aufzeichnungen von Matthäus, Markus und Lukas, wonach das Grab Jesu aus Fels gehauen worden war.
Entscheidendes Zusammentreffen
Jedes einzelne dieser beschriebenen Elemente sei für sich genommen nichts Ungewöhnliches, erklärt die Grabungsleiterin Francesca Romana Stasolla im «Blick»: «Verlassene Steinbrüche wurden im antiken Jerusalem oft für Landwirtschaft und Bestattungen weiterverwendet.» Entscheidend sei das Zusammentreffen aller Hinweise an einem Ort: ausserhalb der Stadtmauer, nahe bei Jerusalem, mit Felsgräbern und kultiviertem Land.
Der Bericht der «Daily Mail» geht zurück auf eine in der Fachzeitschrift «Liber Annuus» veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2025, einem Journal für Archäologie und Geschichte des Heiligen Landes. «Blick» hält fest: «Das Gebiet lag zur Zeit Jesu ausserhalb der damaligen Stadtmauern Jerusalems – aber in unmittelbarer Nähe zur Stadt.»
«Der wahre Schatz …»
«20 Minuten» zitiert Stasolla weiter: «Der wahre Schatz, den wir freilegen, ist die Geschichte der Menschen, die diesen Ort durch ihren Glauben zu dem gemacht haben, was er ist. Die Geschichte dieses Ortes ist die Geschichte Jerusalems und zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt auch die Geschichte der Verehrung Jesu Christi.»
Es sind keine Beweise, dass hier das Grab Jesu war, aber es seien starke Indizien, so der «Blick» weiter: «Das Grab Jesu bleibt ein Glaubensrätsel – doch die Archäologie gibt diesem Rätsel jetzt neue, erstaunlich konkrete Konturen.»
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.