Countrylegende, Wohltäterin und Tochter Gottes
Dolly Partons Einfluss auf die Musik war immens. Nebst ihren eigenen grossen Hits wie «Jolene» glänzte sie immer wieder als Songwriterin für andere Künstlerinnen und Künstler (wie Elvis, Jonny Cash oder Whitney Houston). Bis zuletzt – auch nach dem Tod ihres Ehemanns im März 2025 – blieb Parton lebensfroh und aktiv.
Lange vor ihrem Tod hat Dolly Parton entschieden, welches Lied bei ihrer Trauerfeier zu hören sein soll. Es ist nicht ihr grösster Hit, sondern ein alter Gospel, der schon bei der Beerdigung ihres Vaters gesungen wurde. Naheliegend wäre «I Will Always Love You» gewesen, jener Song, den sie schrieb und aufnahm und der in der Version von Whitney Houston zum Welthit (u.a. Soundtrack des Films «Bodyguard») wurde. Parton hätte verstanden, wenn die Wahl auf dieses Lied gefallen wäre, wie sie in einem Interview mit «Entertainment Weekly» 2014 sagte. Doch für ihre Beerdigung war ihr Wunsch, dass der alte Gospel-Song «If We Never Meet Again» gespielt wird. Dies war das Lieblingslied ihres Vaters und wurde bei dessen Beerdigung gesungen. Es handelt von der Trennung und von der Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits.
Kein braves Mädchen
Konservative Christen hatten Mühe mit der extravaganten Seite von Dolly Parton. Kritik erntete sie unter anderem für ihr Aussehen, für das sie keine Schönheitsoperationen scheute. Problematisch war für einen Teil der christlichen Community auch ihr Einsatz für die LGBTQ+-Bewegung. Sie sprach sich öffentlich für Inklusion aus, etwa 2016 in einem Interview bei Talkmaster Larry King: «Nun, wenn du der feine Christ bist, für den du dich hältst, warum verurteilst du dann andere Leute? Das ist Gottes Job. Wir sind nicht Gott, wir sind keine Richter. Wir sollen einander lieben.»
Die Country-Lady bewies in öffentlichen Auftritten einen scharfen Sinn für Humor. So scherzte sie beispielsweise selbstironisch, als sie auf die schönheitschirurgischen Eingriffe an ihrem Körper angesprochen wurde: «Es kostet ein Vermögen, so billig auszusehen.» Oder noch zugespitzter: «Ich war die erste Frau, die ihren BH verbrannt hat, die Feuerwehr hat vier Tage gebraucht, um das Feuer zu löschen.» Sie pflegte zu sagen, dass man keine umwerfende Schönheit sein müsse, um besonders zu sein.
«Da war Jesus»
Livenet beleuchtete über die Jahre hinweg regelmässig die spirituelle Seite des Weltstars Dolly Parton. Ihr tiefer Glaube, ihre Nächstenliebe und ihre Musik bleiben nicht nur in den USA vielen Menschen in Erinnerung. Im Artikel «Für Gott sind alle Dinge möglich» vom 10. Mai 2023 berichtete Daniel Gerber darüber, wie stark verankert die Country-Ikone im Glauben ist. Sie starte jeden Morgen mit einer festen Gebetszeit, liess sich Parton damals bei «Fox News» zitieren. Auch musikalische Projekte wie die Kooperation mit der christlichen Popband «For King & Country» steht beispielhaft dafür. Für die Neuaufnahme des Songs «God Only Knows» gewannen Parton und «For King & Country» 2020 einen Grammy.
Das Musikprojekt zum Song «There was Jesus» mit dem christlichen Popsänger Zach Williams zeigte ebenfalls ihre starke Verwurzelung im Glauben an Jesus. In diesem Lied sang sie unter anderem diese Worte: «Im Warten, im Suchen, im Heilen und im Schmerz, wie ein Segen, verborgen in der Zerbrochenheit, jede Minute, jeden Moment, wo ich war und wo ich hinging, sogar dann, wenn ich es nicht wusste oder nicht sah – da war Jesus.»
Grosses Herz für Schwächere
Der Weltstar hatte auch ein Herz für Schwächere und Ausgegrenzte. Das «People-Magazine» kürte sie 2021 zur «Person des Jahres». Im Interview mit diesem Magazin erzählte Dolly Parton, wie sehr sie es liebe, anderen zu helfen. «Ich bin irgendwie süchtig nach dem Gefühl des Gebens – es gibt meinem Herzen ein gutes Gefühl, wenn ich weiss, dass ich etwas für jemand anderen tun kann.» Gleichzeitig erwartete sie dafür keine besondere Würdigung. Generell wollte sie nicht als Idol angehimmelt werden. Sie sei besorgt darüber, dass manche Menschen Berühmtheiten mehr verehrten als Gott.
Das «People-Magazine» liess es sich trotzdem nicht nehmen, sie für ihren unermüdlichen Einsatz für Menschen in Not zu würdigen: «Dolly Parton hat immer ihren Teil dazu beigetragen, zum Beispiel durch ihre 'Imaginary Library', die bis heute mehr als 170 Millionen Bücher an bedürftige Kinder verteilt hat. Zu Beginn der Corona-Pandemie sah sie eine weitere Möglichkeit zu helfen und spendete eine Million Dollar an das 'Vanderbilt University Medical Center', um die Covid-Forschung zu unterstützen, aus der der Moderna-Impfstoff hervorging.»
«Sie ist nicht fort»
In ihrem Nachruf für das pro Medienmagazin zitierte Redakteurin Anna Lutz Country-Superstar Carrie Underwood: «Sie ist nicht fort. Ich weiss genau, wo sie ist.» Und weiter fügt Underwood hinzu: «Sie war der Inbegriff von Glauben, Gnade, Talent, Schönheit und Humor. Sie hatte ein demütiges Herz für Jesus und sorgte dafür, dass jeder in ihrem Umfeld sich besonders fühlte.» Vielleicht sei Parton eine der wenigen Personen gewesen, auf die sich jeder im als zerrissen geltenden Amerika in diesen Tagen habe einigen können. Und Anna Lutz schliesst ihren Nachruf sehr treffend mit diesen Worten: «Die Welt, so scheinen sich viele einig zu sein, hat mit Dolly Parton nun nicht nur eine Ausnahmesängerin verloren, die noch bis kurz vor ihrem Tod öffentlich auftrat. Sondern auch eine hingegebene Christin, der es gelang, Menschen unterschiedlicher Ansichten und Glaubensrichtungen zu vereinen.»
Datum: 26.08.2026
Autor:
Florian Wüthrich
Quelle:
Livenet