Eine kreative Oase mitten in Bern
Der Startpunkt von «einzigARTig» erfolgte durch die Idee auf einer Konferenz, Geld für ein Projekt zu sammeln, das Frauen ermutigen und bestärken sollte. Gleichzeitig gab es im Umfeld des EGW Bern bereits mehrere Frauen, die ihre Freude an Kreativität miteinander teilten. Aus dieser Kombination von Vision, Startkapital und gemeinsamen kreativen Treffen entstand 2017 das Angebot einzigARTig, das sich zu Beginn bewusst an Frauen richtete.
«Es soll ein Ort sein, an dem sich alle frei fühlen und sich auf das Gestalten und die Gemeinschaft einlassen können», sagt Noëmi Hügli vom einzigARTig-Leitungsteam. Zunächst dachte das Team vor allem an Frauen, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Da diese Zielgruppe nicht regelmässig an Anlässen teilgenommen hat, sind heute auch kreative Männer willkommen.
Alle sind willkommen
Immer wieder erzählen Besucherinnen und Besucher, dass sie sich bei einzigARTig wohlfühlen. Für Noëmi Hügli ist genau das der Kern des Angebots: «Hier sind alle willkommen. Man muss nicht eine bestimmte Form oder Farbe haben und es gibt kein Level an Geschicklichkeit, das erwartet wird.» Deshalb schätzen auch Menschen das Angebot, die anderswo keinen Platz gefunden haben oder für eine Gruppe nicht genügend Erfahrung mitbringen.
Zwischen 14 und 90 Jahre
In der Regel nehmen zwischen acht und zwanzig Personen teil. Diese sind im Alter von 14 bis 90 Jahren. Die meisten Anlässe können spontan und ohne Anmeldung besucht werden. Zwischen zehn und 13 Uhr darf kommen und gehen, wer möchte.
Zu Beginn gibt es jeweils eine kurze Einführung in Techniken und Materialien, die kostenlos zur Verfügung stehen. «Bei eigenen Ideen kann man auch eigene Materialien mitnehmen», erklärt Hügli.
Dazu gibt es etwas zu trinken und zu knabbern. Manche vertiefen sich so sehr ins Gestalten und in die Gespräche, dass sie die Zeit völlig vergessen. Einige Werke werden fotografiert und auf dem Instagram-Kanal von einzigARTig veröffentlicht.
Kreativität, Gespräche und Zeit zum Auftanken
Während der Anlässe entstehen ganz natürliche Gespräche über das Leben, über den eigenen Wert, über Gott und über das, was Menschen gerade beschäftigt. «Einfach durch das Leben teilen», beschreibt es Hügli.
Die Menschen schätzen das Innehalten, das Zur-Ruhe-Kommen und das Entschleunigen beim kreativen Arbeiten. Zum Beispiel bietet einzigARTig in der Adventszeit einen Gegenpol: Während es draussen oft hektisch ist, erleben viele den Morgen als kleine Oase.
Einige setzen Bibelverse in ihren Werken gestalterisch um, andere verschönern ihr Dankbarkeitstagebuch oder stellen ein solches von Grund auf selber zusammen. Im Hintergrund läuft manchmal Worship-Musik. Manchmal wird auch etwas Kreatives mit inspirierenden Bibelversen gestaltet, weil Glaube und Kreativität für das Leiterinnenteam fast selbstverständlich zusammengehören.
Kostenlos?!
Besonders viele Reaktionen löst aus, dass das Angebot kostenlos ist. «Das ist für viele sehr speziell und beeindruckend», erzählt Noëmi Hügli. Damit seien keine Erwartungen verbunden: «Und es ist an keine Bedingungen geknüpft. Niemand muss das Gefühl haben, er müsse dann am Sonntag in die Gemeinde kommen. Wir wollen den Menschen dienen und etwas Gutes tun.»
Das Ziel von einzigARTig war nie, ein neues Gemeindeangebot aufzubauen oder neue Leute zu gewinnen. «Wir wollen einfach unsere Freude an der Kreativität mit anderen teilen», sagt Hügli. Heute wird das Projekt von sechs Leiterinnen getragen, zwei davon gehören nicht zum EGW Bern.
Diese Offenheit prägt das Angebot bis heute. Menschen dürfen kommen, kreativ sein und Gemeinschaft erleben – und dies ohne Erwartungen oder Verpflichtungen.
einzigARTig auch im Gottesdienst
Das EGW Bern an der Nägeligasse stellt einzigARTig die Räume zur Verfügung. «Wir fühlen uns von der Gemeinde getragen. Sie bietet uns ein Daheim und so können wir dem Anlass ebenfalls ein Daheim geben», meint Hügli.
Viermal pro Jahr bieten sie die Möglichkeit, an einem Kreativtisch in den Oase-Gottesdiensten des EGW Bern etwas zu gestalten. So fliesst etwas von dem, was das Team bei einzigARTig erlebt, wieder zurück in die Gemeinde. Die zusammengestellten Materialien und kreativen Ideen laden Menschen ein, ihren Glauben auf gestalterische Weise auszudrücken und selbst kreativ zu werden. «Es ist spannend zu sehen, wie viele Männer diesen Kreativtisch nutzen», erzählt Hügli. Das Angebot wird bisher nämlich vor allem von Frauen genutzt. Auch an Gemeindewochenenden hat einzigARTig bereits Workshops angeboten und dadurch kreative Impulse ins Gemeindeleben eingebracht.
Jeder ist einzigARTig
Der Name bringt die Vision auf den Punkt: Das Wort «Art» erinnert an Kunst und gleichzeitig daran, dass jeder Mensch einzigartig geschaffen ist. Viele hätten zurückgemeldet, dass sie sich durch diese kreative Arbeit bestärkt fühlen. «Das, was beim Gestalten entsteht und herauskommt, ist einzigartig.» Immer wieder erleben die Leiterinnen eine ermutigende Atmosphäre, in der Menschen die Werke der anderen bestaunen, sich an der eigenen Kreativität erfreuen und gestärkt nach Hause gehen. Und dies sei Motivation genug das Angebot einzigARTig auch nach bald zehnjährigem Bestehen weiter anzubieten.
Datum: 25.08.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet