Grösste Zürcher Kirche farbig umhüllt
Alle 100 Jahre ist es wieder so weit: Das wohl bekannteste Baudenkmal der Stadt Zürich, das Grossmünster, wird saniert. Eine umfassende Restauration der Fassaden – die letzte geschah in den 1930er Jahren – steht ebenso an wie der Ersatz fauler Tragbalken im Kirchenschiff oder die Reinigung aller Dachflächen und die Neuverglasung des Fensters über der Orgel. Die umfangreichen Instandsetzungsmassnahmen bedingen, dass das gesamte Gebäude fast drei Jahre lang integral eingerüstet wird. Der Baukörper wird damit zu einer gewaltigen, dreidimensional bespielbaren Fläche für ein temporäres Kunst- und Bau-Projekt. Die Kirche ist drei Jahre lang «gleichzeitig Projektionsfläche und Spiegel des städtischen Raums und der (heterogenen) Gesellschaft», wie es Kuratorin Madeleine Schuppli in ihrem Konzept beschreibt.
Aktuell ziert eine Riesencollage von Shirana Shahbazi das Gerüst des Grossmünsters. Dazu hat die in Teheran geborene Künstlerin auch Freiwillige aus der Stadt Zürich fotografiert. Mit ihren dichten und farbigen Sujets will sie Sehgewohnheiten herausfordern und die unsichere Weltlage thematisieren. Shirana Shahbazi will mit ihrem Werk am Grossmünster Raum einnehmen, um zur wandelnden Weltordnung politisch Position zu beziehen. Auf 30 Metern Höhe ziert die Collage der Fotografin die eingekleidete Kirche. Das Werk verschönert während der Restauration bis im Herbst 2027 das Zürcher Wahrzeichen.
Für das Werk am Grossmünster hat Shahbazi zwölf Monate gearbeitet. Sie hat Menschen unter Wasser sowie alltägliche Dinge und Stadtansichten fotografiert und diese Bilder kombiniert mit Fotos aus Familienalben sowie der historischen Schriftensammlung des Grossmünsters. Schliesslich überlagerte und färbte sie die Bilder am Computer. Für Shahbazi ist Fotografie mehr als nur eine Abbildung der Realität. «Meine Bilder sind nicht linear, sie sollen überraschen, der Betrachter soll eine leichte Irritation spüren», sagt die Künstlerin, die schon lange in Zürich lebt. Mit ihrer Kunst will sie das Auge herausfordern, hinterfragen und die Sehgewohnheiten thematisieren: «Ich finde es schön, wenn der Blick länger auf einem Sujet verweilt und man immer wieder etwas Neues entdeckt.»
Schade um die Kirche: Plakat provoziert
Vor 220 Jahren haben sich die Einwohner von Gächlingen SH ins Zeug gelegt, eine eigene Kirchgemeinde zu haben. Jetzt ist das Dorf wieder gefordert. «Schade um die Kirche. Eigentlich haben wir das nicht gewollt.» Das Plakat am Pfarrhaus, illustriert mit einer gespaltenen Kirche, ist eine bewusste Provokation, berichten die Schaffhauser Nachrichten. Das Plakat soll Aufmerksamkeit für ein Pionierprojekt schaffen – und zur Mithilfe animieren. Wer nur flüchtig hinschaut, geht von einer baldigen Schliessung der Kirche aus.
«Wir mussten ein bisschen grober kommunizieren, um die Leute im Dorf zu erreichen», sagt Pfarrer Werner Näf zu ref.ch. Zusammen mit seiner Frau Marianne teilt er sich das Pfarramt. Ende 2028 gehen sie in Pension. Und darauf spielt das Plakat an. Die Reformierte Kirche Gächlingen ist vom Fachkräftemangel besonders betroffen. Die ländliche Gemeinde mit rund 1000 Einwohnern liegt im Klettgau, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit findet sich für 2029 keine Pfarrperson für eine solche Stelle. Soweit soll es nicht kommen. Aber so wie jetzt wird es nicht weitergehen, schreibt der «Klettgauer Bote». Aufgrund der Pensionierung des Pfarrehepaars will die Kirchgemeinde mehr Verantwortung auf Mitarbeitende und Freiwillige übertragen. Deshalb das Plakat. Es soll aufzeigen, dass die Zukunft nicht allein Sache des Kirchenstands oder des Pfarramts ist.
Der älteste Organist der Schweiz
Der Klang eines ganzen Lebens – Stefan Holzer durfte ein besonderes Jubiläum feiern: Seit 70 Jahren begleitet sein Orgelspiel die Messe in Bellwald VS. Damit ist der 82-Jährige der wohl amtsälteste Organist der Schweiz, berichtet der «Walliser Bote». Der 82-Jährige wurde von der Pfarrei, der Gemeinde und dem Kirchenchor für sein jahrzehntelanges Engagement geehrt. «Der damalige Pfarrer Herbert Imseng ging zu meinem Vater und sagte, er brauche einen Organisten», erinnert sich Stefan Holzer. «Mein Vater meinte: Da kann ich nicht helfen. Der Pfarrer entgegnete: Aber der Stefan hat doch ein gutes Gehör für die Musik, der muss das machen.»
Für den damals zehnjährigen Stefan Holzer begann damit ein völlig neuer Lebensabschnitt. Jeden Donnerstag musste der kleine Bub fortan nach Brig. Dort erhielt er vom Kollegiumsprofessor Bruno Brunner Orgelunterricht. Seit 1956 begleitet Stefan Holzer als Organist ununterbrochen das kirchliche Leben in Bellwald. Ob sonntägliche Hochämter, Mai- und Oktober-Andachten, Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern – es gab kaum einen kirchlichen Anlass, bei dem Holzer nicht auf der Orgelempore sass. In all diesen Jahren gab es mehr Einsätze als bei allen 4500 Gottesdiensten zusammen. Gefehlt hat er praktisch nie.
Auch mit 82 Jahren denkt Stefan Holzer aber nicht ans Aufhören. Wenn er über die Tasten gleitet, ist von Altersschwäche keine Spur. «Das Orgelspiel hält gesund. Es ist die beste Therapie für die Finger und den Geist», erklärt er schmunzelnd.
Zum Autor: Markus Baumgartner ist Inhaber der Kommunikationsagentur b-public AG und u.a. Mediensprecher Dachverband Freikirchen.ch, Co-Präsident Forum Christliche Führungskräfte, Vizepräsident der Agentur C und Herausgeber des Dienstagsmail.
Datum: 23.08.2026
Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Livenet