Über die Bewegung der messianischen Muslime
Muslime, die Jesus kennenlernen, ihm nachfolgen, aber im islamischen Kontext bleiben und sich sogar noch als Muslime bezeichnen; das ist ungewohnt und vergleichbar mit messianischen Juden. Der interkulturelle Berater hat im Livenet-Talk viel Überraschendes zu erzählen.
Der gebürtige Zürcher Kurt Beutler (66) ist mit Mona aus Ägypten verheiratet, sie haben zwei erwachsene Töchter. So wird zu Hause auch arabisch gesprochen.
Dealer mit Kreuz auf der Brust
Für viele Muslime sei das Image der Christen nicht erstrebenswert: Sie wollten keine Christen werden, weil diese viel Schlechtes machten, meint der Islamkenner. Es sei sogar ein Reizwort: Der Christ glaube an drei Götter, betrinke sich und würde gleichgeschlechtlich heiraten – so die Vorurteile.
Es gebe auch weitere zweifelhafte Zeichen der christlichen Kultur. So erinnert sich Kurt an einen Mann in Zürich mit einem Riesenkreuz auf der Brust, der aber gleichzeitig Drogendealer war: «Er hat ein Riesenkreuz getragen und Drogen verkauft. Sein Kreuz zeichnete ihn als Christen aus, aber er wollte damit nur sagen ‘Ich bin Italiener’. Das ist so missverständlich. Aber es geht nicht um Religion.»
Die Vermischungen sind kompliziert. Kurt selber ist in jungen Jahren bei den Zeugen Jehovas ausgestiegen, wo gelehrt wird, dass Jesus ein Engel war, der Mensch wurde. Er erzählt: «Das aber machte, dass ich nicht zu Jesus beten oder ihn Gott nennen konnte. Das war noch jahrelang so, bis ich aufgrund bestimmter Bibelverse überzeugt wurde, dass es ok ist.»
Was übrig bleibt
Ein wichtiges Thema ist die Verfolgung, wenn man nach dem Übertritt ins Christentum plötzlich keinen Freundeskreis mehr hat oder die Familie einen ausschliesst. So würden viele Konvertiten stark abwägen, was vom Muslimischen noch akzeptabel ist und was nicht, so Kurt. Er fügt an: «Beim Islam ist gar nicht alles so eindeutig, so muss man sich überlegen, ob man jetzt alles ablegen muss. Im Koran, zum Beispiel, wird ein absolut tolles Bild von Jesus dargestellt.» Er gibt im Talk noch weitere positive Beispiele.
Wenn man nun sage, dass im Koran alles falsch ist, dann schütte man das Kind sozusagen mit dem Badewasser aus. Vieles sei sehr unklar, aber einiges könne als Brücke zum Christentum dienen, meint er.
Dann erzählt der Berater eine Story von einer Frau mit Kinderlähmung. Dabei spielte der Koran eine wichtige Rolle. Weil es für sie klar war, dass nur Gott sie heilen konnte, suchte sie im Koran, welcher Prophet sie heilen könnte und stiess auf Jesus. Sie betete drei Jahre lang täglich, bis Jesus sie heilte.
Viel Nichts um Mohammed
Kurt Beutler erklärt genauer: «Das Interessante ist, dass Mohammed im Koran gar nicht wichtig ist. Er wird nur viermal erwähnt, mit eigentlich nur einer klaren Stelle, und die Stadt Mekka existiert gar nicht. Es ist keine Stadt, nur eine Landschaft, ein Tal. Aber ein weltweiter Gott wurde lokal, in Mekka, verortet. Es wäre eine Befreiung von verschiedenen Dingen: Richtung Mekka zu beten müssen, dahin zu pilgern et cetera.»
Mohammed habe die Idee aus der Bibel gestohlen. «Islam» heisse Unterwerfung.» Kurt zählt einige biblische Geschichten auf, die davon berichten, sich Gott zu unterwerfen, und ergänzt: «Die biblische Unterwerfung ist das Gegenteil von Rebellion gegen Gott.» Um eine Reform herbeizuführen, plädiert der Experte für einen Islam ohne Mohammed.
Mal bisschen «ent-krampfen»
«Auch das Christentum hat viel Religiöses und nicht nur Liebe. In der Geschichte hat man Armeen aufgestellt, es gab christliche Könige und all die politische Macht, wie in Amerika. Auch Paulus machte das nicht, er hätte bei all den Gemeinden Erzbischof sein können. Aber die Liebe ist der Schlüssel für alles», erklärt der Theologe.
Zum Ende des Talks weist Kurt Beutler nochmals auf die einmalige Chance hin, dass messianische Muslime in ihrer Familie bleiben könnten, um dort Zeugen zu sein.
Flo Wüthrich schliesst mit den Worten: «Deine Sicht im Ganzen könnte das Thema schon etwas entkrampfen!»
Zum Talk:
Datum: 21.08.2026
Autor:
Roland Streit
Quelle:
Livenet