Social Media für Kids: Neue Erkenntnisse zeigen Gefahren
Ein Verbot von sozialen Medien für Kinder wird weltweit diskutiert – das deutsche Medienmagazin PRO gibt hier einen Überblick. Wie sehen Jugendliche selbst so ein Verbot? Sind sie sich der Gefahren des Social-Media-Konsums bewusst?
Eine repräsentative UNICEF-Umfrage in Deutschland unter 1000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren ergab ein differenziertes Bild: Ein pauschales Verbot wird abgelehnt, und mehr Schutz wird gefordert.
Pauschales Verbot: Kinder Ja, Jugendliche Nein
Für Kinder unter 14 Jahren wird von den Jugendlichen ein Verbot sozialer Medien mehrheitlich unterstützt. Für ältere Jugendliche halten sie ein Verbot jedoch für wenig sinnvoll und lehnen es deshalb ab. Wichtigster Grund: Sie pflegen ihre sozialen Kontakte über diese Kanäle, und ein allgemeines Verbot sei zu leicht zu umgehen.
Insgesamt sind 38 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Vorteile der sozialen Medien überwiegen. Für 46 Prozent halten sich Vor- und Nachteile die Waage. 16 Prozent denken, dass soziale Medien überwiegend Nachteile haben.
Die grössten Probleme
Als grösste Risiken beim Social-Media-Konsum nennen die Jugendlichen Mobbing, Hass und Beleidigungen (50%), endloses Scrollen (44%) sowie Falschinformationen und Fake News (42%). Auffällig sind die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen: Rund zwei Fünftel der Mädchen fühlen sich durch soziale Medien wegen ihres Aussehens unter Druck gesetzt. Bei den Jungen liegt dieser Wert deutlich tiefer (19%). Dafür empfinden Jungen Gewaltvideos häufiger als problematisch als Mädchen.
Den grössten Hebel für Prävention sehen die Jugendlichen bei den Plattformbetreibern. Diese sollten beispielsweise standardmässig aktivierte Schutz- und Sicherheitseinstellungen anbieten
Von Erwachsenen wünschen sich die Jugendlichen deutlich mehr Verständnis: «54 Prozent finden es sehr hilfreich, wenn Erwachsene bei Problemen zuhören, statt gleich zu schimpfen. 51 Prozent wünschen sich, dass Mobbing und andere Probleme im Netz wirklich ernst genommen werden», so UNICEF.
«Die Umfrage macht deutlich: Jugendliche kennen die Risiken im digitalen Raum. Sie haben klare Vorstellungen davon, was helfen würde, diesen sicherer zu gestalten», so das Resumée von Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. «Die Jugendlichen sagen uns: Verbote allein bringen gar nichts. Was sie brauchen und sich wünschen, ist ein digitaler Raum, der sicher und altersgerecht ist.» Die Anbieter der Plattformen müssten Verantwortung übernehmen – mit automatischen Schutzeinstellungen, konsequenter Inhaltsmoderation und echten Schutzmechanismen. Schliesslich: «Politik und Plattformbetreiber müssen sichere digitale Umgebungen schaffen mit wirksamen, kindgerechten Standards, die das Recht junger Menschen auf Schutz und Teilhabe gleichermassen sichern», so Schneider.
Je früher Social Media, desto schlechter in der Schule
Dass die Gefahren sozialer Medien für Kinder und Jugendliche allerdings nicht nur aus den Inhalten bestehen, sondern dem Konsum selbst, zeigt eine weitere Studie aus Italien. Sie weist nach, dass Kinder, die schon früh Instagram, Tiktok und Co. nutzen, oft schlechter in der Schule sind – im Extremfall riskieren sie die Versetzung ins nächste Schuljahr. Das berichtet das deutsche Medienmagazin PRO.
5000 Schüler ab elf Jahren wurden befragt, in welchem Alter sie ihr erstes Social-Media-Konto angelegt haben. Das Ergebnis: Kinder, die schon im Alter von elf oder zwölf Jahren soziale Medien nutzten, schnitten bei Tests deutlich schlechter ab als Jugendliche, die erst mit 14 oder 15 Jahren in die sozialen Medien starteten. In extremen Fällen kann der Unterschied ein halbes Jahr ausmachen. Die einzige Ausnahme: In Englisch waren sie gleich gut wie die restlichen. In der Studie wurden das Bildungsniveau und der wirtschaftliche und soziale Hintergrund der Eltern berücksichtigt, um Verfälschungen der Ergebnisse zu vermeiden.
Wie kann man die negativen Folgen von frühem Social-Media-Konsum für Kinder erklären? PRO fasst die Aussagen der Wissenschaftler zusammen: «Der Grund für das schlechte Lernen der Schüler könne sein, dass sie zu früh von digitalen Medien abgelenkt würden. Wer gerade auf Social Media unterwegs sei, könne sich nicht gleichzeitig mit der Schule beschäftigen, erklärten die Wissenschaftler. Auch eine kognitive Überlastung könnte eine Rolle spielen. Das kindliche Gehirn könne die vielen angebotenen Informationen möglicherweise nicht ausreichend verarbeiten.»
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europe und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 08.08.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet.ch / Medienmagazin pro / UNICEF