Das Verblassen der Gendersternchen
«Das Ringen um die Verwendung von Gender-Sternchen und andere Schreibweisen hat zu einer Art Erschöpfung geführt», stellt Mancini zu Anfang seines Artikels fest. Dass die Sternchen, Doppelpunkte und Unterstriche in der Praxis nicht konsequent umgesetzt werden können, hätten selbst überzeugte Gender-«Verfechtende» offensichtlich eingesehen. Sternchen und Doppelpunkt etwa würden auch in anderen Zusammenhängen eingesetzt, und «abgesehen davon, dass es keine einheitliche Regelung gibt, welche der vielen Stile zu bevorzugen ist, lässt sich kein Stil konsequent durchhalten». Einzelne Wörter (wie zum Beispiel Kolleg:in) würden unidentifizierbar – denn einen «Kolleg» gibt es in dieser Form nicht. Die Folge: «Spätestens wenn es um informationstechnische Kollisionen geht, steht man ratlos vor dem Buchstabensalat.»
Erhebliche gesellschaftliche Spaltung – Mehrheit dagegen
Mancini kommt zum Schluss: «Die gesellschaftliche Spannung – oder sogar Spaltung –, die sich mit diesem Phänomen verbindet, ist erheblich. In Umfragen gibt die Mehrheit der Bevölkerung an, sie heisse die Binnen-Schreibweisen nicht gut. Dies gilt auch für die Mehrheit der Schulabgänger, ganz zu schweigen von den Gegebenheiten in den meisten europäischen Nachbarländern.»
Dass viele Studienabgänger der «Generation Z» das Gendern nutzten, hänge damit zusammen, dass viele Universitäten «die Freiheit der Lehre so auslegen, Richtlinien (…) zur betont gendergerechten Schreibweise zu erlassen» – Richtlinien, die den Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht entsprechen und auch vom Rat für deutsche Rechtschreibung nicht unterstützt werden. Auf der anderen Seite erreiche mittlerweile ein Drittel der Schülerschaft die Mindeststandards für Lesen und Schreiben nicht mehr. Mancini: «Angesichts dieser Misere wirkt das Gender-Sternchen erst recht als ein Symbol des akademischen Elfenbeinturms.»
Probleme für junge Männer
Während gewisse Untersuchungen Hinweise liefern, dass die Gender-Sprache für die Gleichstellung von Frauen «positive Effekte» bringe, stelle sich die Frage, wie sich die Neutralisierung durch Passivkonstruktionen auf junge Männer auswirkt. Mancini weist auf die Ipsos-Studie 2026 hin, nach der sich männliche Jugendliche «in ihrer Geschlechterrolle zunehmend verunsichert fühlen und in der 'Generation Z' – neben der Zuwendung zur betont gendergerechten Sprache – vermehrt traditionelle Rollenbilder gesucht werden».
Alle Geschlechter gleichwertig
Nach einem bekannten Zitat von Alice Schwarzer, die die «Aufsplitterung des Menschen in X Geschlechtervarianten» als zutiefst unfeministisch ablehnt, kommt Mancini zum Schluss: «Wer die ständige und bis ins letzte Detail gehende Betonung von Geschlechterunterschieden nicht unterstützt, ist nicht per se ein reaktionärer Mensch, sondern vielleicht einfach nur ein Mensch mit klassisch-feministischer Einstellung, wonach alle Geschlechter als gleichwertig betrachtet werden und gerade deshalb Unterschiede nicht ständig hervorgehoben werden sollen.»
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 25.07.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet