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Euthanasie in Frankreich legalisiert: «Ethischer Zusammenbruch»

Die Legalisierung der Sterbehilfe wirft ethische Fragen auf
Nach dreijähriger Debatte ist in Frankreich das «Gesetz über Sterbehilfe» mit knapper Mehrheit angenommen worden – für viele, die bis zum Schluss dagegen gekämpft haben, eine Katastrophe.

Der Kampf zahlreicher Pro-Life-Organisationen, einzelnen Personen und Gruppen endete nach drei langen Jahren in Enttäuschung: Am 15. Juli wurde in der Nationalversammlung das «Gesetz über die aktive Sterbehilfe» verabschiedet.

Breite Opposition

Christen aller Glaubensrichtungen, darunter auch Evangelikale, hatten sich schriftlich an Abgeordnete gewandt, Gespräche mit der Regierung geführt und versucht, einen Gesetzentwurf abzuwenden, der die volle Unterstützung von Präsident Emmanuel Macron genoss. Nachdem er zweimal im Unterhaus verabschiedet und zweimal im Senat abgelehnt worden war, bestätigte die endgültige Abstimmung schliesslich mit einer knappen Mehrheit von 291 Ja-Stimmen, 241 Nein-Stimmen und 29 Enthaltungen die Legalisierung der Euthanasie in Form der aktiven Sterbehilfe in Frankreich.

Evangelikale: «Tiefe Trauer» über «ethischen Bruch»

Der Nationale Rat der Evangelikalen Frankreichs (CNEF) brachte seine «tiefe Trauer» und «grosse Besorgnis angesichts dieses bedeutenden ethischen und anthropologischen Wendepunkts für unser Land» zum Ausdruck.

Der Rat hatte seit Beginn der Debatte im Jahr 2023 eine grundlegende, im Evangelium verwurzelte Überzeugung bekräftigt: «Jedes menschliche Leben besitzt von seinem Beginn bis zu seinem natürlichen Ende einen inneren und absoluten Wert.» Gerade die Würde von älteren und kranken Menschen beruhe nicht «auf dem Grad ihrer körperlichen Autonomie, sondern auf der Liebe, dem Respekt und dem Schutz, den ihnen die Gesellschaft bis zum letzten Atemzug entgegenbringt».

Der CNEF ist die evangelikale Vertretung von 750`000 Christen und rund 2500 Gemeinden in Frankreich.

Druck zur Euthanasie

Nun befürchtet der CNEF den «indirekten moralischen Druck, der auf die schutzbedürftigsten Menschen ausgeübt wird, die sich möglicherweise als Belastung für ihre Angehörigen oder für die nationale Solidarität empfinden könnten». Stattdessen sei jetzt die Palliativ-Medizin und -fürsorge noch viel wichtiger – eine Richtung, die auch der französische Senat in seiner letzten Abstimmung im Mai eingeschlagen hatte. «Jetzt sind unsere lokalen Gemeinschaften mehr denn je dazu aufgerufen, Zeichen der Hoffnung, der Präsenz und der konkreten Solidarität gegenüber den Schwächsten zu setzen», erklärte der CNEF abschliessend.

Keine Brüderlichkeit

Die französische Gesellschaft beruft sich bekanntlich auf «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit». Der CNEF wendet sich vehement gegen den Begriff «fraternité» in Bezug auf das neue Gesetz: «Wahre Brüderlichkeit besteht nicht darin, den Tod der Leidenden zu beschleunigen, sondern darin, sie niemals im Stich zu lassen.»

«Kein Schritt vorwärts»

Auch das protestantische Komitee für Menschenwürde (CPDH) beklagte, das Gesetz «lasse die Leidenden im Stich». «Eine Gesellschaft, die ihre schutzbedürftigsten Mitglieder zum Tode verurteilt, bevor sie ihnen Fürsorge, Unterstützung und Würde im Alltag garantiert, entzieht sich ihrer Verantwortung», erklärte das CPDH. «Sterbehilfe stellt keinen Fortschritt für die Freiheit dar, weil sie die Brüderlichkeit untergräbt, einen Grundwert unserer Republik.»

Sechstes Land Europas

In Europa ist die aktive Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) bisher in den Niederlanden (seit 2002), in Belgien (2002), Luxemburg (2009), Spanien (2021) und Portugal (2023) legalisiert. Nun kommt Frankreich als sechstes Land dazu.

In der Schweiz, Österreich und Deutschland ist die aktive Sterbehilfe weiterhin verboten – dort ist unter bestimmten Bedingungen jedoch der assistierte Suizid (Beihilfe zur Selbsttötung) erlaubt.

Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 18.07.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Evangelical Focus

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