Sozial wirksam

Begägnigskafi – Kirche sollte zu Menschen kommen

Liliane Haupt (mitte) bekommt für ihr Projekt viel Unterstützung
Ein Treffpunkt für Mütter mit Kleinkindern wird zum Ort der Hoffnung für alle Bevölkerungsgruppen: Das Begägnigskafi der Impuls-Kirche Andelfingen bringt Menschen aller Generationen und Hintergründe an einen Tisch.

Liliane Haupt, wie ist die Idee zum Begägnigskafi entstanden und für wen ist es gedacht?
Liliane Haupt:
Ursprünglich war die Idee, einen Treffpunkt für Mütter mit Kleinkindern anzubieten, um Kontakte zu ermöglichen. Daraus wuchs sehr bald die Idee, alle Generationen zusammen zu bringen. Heute ist es ein Treffpunkt, wo sich Menschen aus allen Altersgruppen treffen. Mütter mit Kindern, Seniorinnen, Asylsuchende, Menschen am Rande der Gesellschaft, Menschen mit verschiedenen religiösen Hintergründen, manchmal Handwerker im Znüni und Mitglieder unserer Kirche. Es ist uns wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem die Kultur des Evangeliums praktisch erlebbar wird. Über das gemeinsame Essen an einem schön gedeckten Tisch wird sehr schnell eine vertraute Atmosphäre geschaffen. Ein Ort, an dem Beziehungen entstehen können, wo immer wieder auch tiefgründige Gespräche stattfinden, ermutigende Worte für eine erschöpfte Mutter gefunden werden, das Üben der deutschen Sprache ermöglicht wird, Backtipps weitergegeben werden, Babykleider getauscht und Einsamkeit ein Stück kleiner wird, und vieles mehr. Es soll ein hoffnungsvoller Ort sein.

Welche Begegnungen sind euch besonders in Erinnerung geblieben, wo machte das Begägnigskafi einen Unterschied im Leben von Menschen?
Wenn man für jemanden beten darf oder am Ende eine Frau mit einem Lächeln im Gesicht geht und sagt «Danke, das hat mir gut getan heute», sind das für mich die besonderen Momente. Für die Gäste in herausfordernden Situationen, wie zum Beispiel Asylsuchende oder Menschen am Rande der Gesellschaft, ist es vielleicht besonders, dass sie sich angenommen fühlen, dass ihnen zugehört wird und sie ermutigt werden. Wir wünschen uns, dass Vernetzung passiert und Beziehungen über das Begägnigskafi hinaus entstehen können. So wird die Vision vom Begägnigskafi in den Alltag getragen. Als Christen sind wir berufen, Salz und Licht in unserem Umfeld zu sein. Jede Begegnung, jedes Wort macht einen Unterschied. Auch kann ich Menschen nach ihrem Besuch im persönlichen Gebet mittragen. Ich bin überzeugt, auch das macht einen Unterschied.

Warum ist ein niederschwelliges Angebot wie das Begägnigskafi heute wichtiger denn je?
In unserer postchristlichen Zeit ist es eher unwahrscheinlich, dass am Sonntagmorgen Menschen einfach mal neugierig in die Kirche reinspazieren. Es gibt Vorbehalte, Skepsis gegenüber Freikirchen oder Gläubigen im Allgemeinen. Aber wir haben in Jesus eine Hoffnung, die Leben verändern kann, die tiefste menschliche Bedürfnisse stillen kann. Diese Hoffnung können wir nur dann weitergeben, wenn wir auch tatsächlich Beziehungen zu Menschen pflegen, uns für sie interessieren, ihre Bedürfnisse kennen, ihre Sorgen oder Ängste. Dazu braucht es Vertrauen und manchmal ist es ein langer Weg. Ein Angebot wie ein Begägnigskafi kann Menschen zusammenbringen und hoffnungsvolle Beziehungen über das Kafi hinaus ermöglichen. Wir machen die Erfahrung, dass in unserer individualisierten Gesellschaft viele den Wunsch nach Gemeinschaft haben. Am Tisch der Impuls-Kirche Andelfingen und schlussendlich auch am Tisch von Jesus hat es noch viel Platz!

Wie reagieren Menschen, die sonst wenig Berührung mit Kirche haben?
Wir bewerben den Anlass zwar auf verschiedenen Kanälen, aber die erfolgreichste Werbung läuft praktisch ausschliesslich über persönliche Kontakte. Vertraut mir jemand? Habe ich durch mein Erzählen vom Begägnigskafi Interesse geweckt? Habe ich vielleicht ein Bedürfnis nach Gemeinschaft wahrgenommen und sogleich mit einer Einladung darauf reagiert? Dass in einer ländlichen Umgebung jemand einfach so über die Türschwelle in eine Freikirche kommt, braucht viel Mut und ist eher selten. Wir merken, dass es darum immens wichtig ist, dass wir in unserem Umfeld Kontakte pflegen und persönlich einladen können. Dann erleben wir, wie auch «kirchenferne» beziehungsweise skeptische Menschen den Morgen im Begägnigskafi schätzen und gerne wiederkommen.

Natürlich haben wir als Kirche eine Botschaft, die wir wichtig finden, aber es ist uns auch wichtig, niemanden zu «überfahren». Man darf einen Bibelkeks (Keks mit Bibelvers dabei) oder eine Karte nach Hause nehmen, aber grundsätzlich sind alle Menschen willkommen, egal welchen religiösen Hintergrund sie haben. Inwiefern Samen in den Herzen der Menschen aufgehen oder nicht, darf ich getrost Gott überlassen.

Das Begägnigskafi der Impuls-Kirche Andelfingen

Wie erlebt ihr die Atmosphäre an einem typischen Mittwochmorgen?
Die Atmosphäre ist geprägt von Leichtigkeit und Freude. Es ist ungezwungen, fröhlich, multikulturell, manchmal laut, je nachdem wie viele Kinder dabei sind. Alle die möchten, finden Gesprächsmöglichkeiten und etwas Feines, um Bauch und Herz zu füllen.

Würdet ihr anderen Kirchgemeinden oder christlichen Gemeinschaften empfehlen, ebenfalls ein Begägnigskafi zu starten? Und welche Voraussetzungen sollten dafür erfüllt sein? 
Auf jeden Fall! Die Kirche sollte zu den Menschen kommen. Ein Begägnigskafi ermöglicht es, die Türen auch unter der Woche zu öffnen für Menschen, die an einem Sonntagmorgen nicht vorbeikommen würden. Als Christen haben wir das Privileg, Nächstenliebe ganz praktisch zu leben. Die Botschaft des Evangeliums auf einfache Weise erlebbar machen, indem wir Menschen Zeit schenken, zuhören, unsere Hoffnung teilen. Ausserdem gibt man die Möglichkeit, unverbindlich die Räume und Menschen der Kirche kennenzulernen, was Berührungsängste abbaut. 

Dazu braucht es ein Herz und Offenheit für Menschen, die anders sind als ich selber. Freude am Gastgeber sein. Kaffee und Kuchen kann ganz einfach sein, noch wichtiger ist aber die innere Motivation wie oben beschrieben. Menschen merken sehr schnell, ob sie willkommen sind, so wie sie sind, oder nicht. Am Anfang ist Geduld nötig, bis das Projekt anläuft und bekannter wird. Und nicht zu vergessen: Rückendeckung durch Gebet.

Kannst du auch einen kurzen Überblick über die Impuls-Kirche Andelfingen geben?
Als Impuls-Kirche leben wir seit ein paar Jahren eine etwas andere Kirchenform. Wir treffen uns einmal im Monat für einen konventionellen Gottesdienst mit Predigt, Lobpreis, Sonntagsschule und so weiter. An den anderen Sonntagen feiern wir Gottesdienste in kleineren generationengemischten Gruppen, ähnlich wie eine Hausgemeinde, in denen sich alle beteiligen dürfen.

Ein Schwerpunkt in unseren «MiniChilä» ist, dass wir gemeinsam in der Bibel lesen und darüber austauschen, was Gottes Wort für unseren Alltag als Christen bedeutet. Wir glauben, dass Gott durch die Bibel zu jedem spricht und dass der Glaube an den dreieinigen Gott Leben verändern kann. Wir sind eine vergleichsweise kleine Gemeinde, aber wir leben Beziehungen untereinander, mit unseren Gästen und ermutigen uns gegenseitig für unsere Aufgaben und Kontakte im Alltag. Die Vision vom Begägnigskafi ist somit auch an den Sonntagmorgen spürbar – Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen teilen Leben, Glauben und Hoffnung auf praktische Art und Weise.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.

Datum: 14.07.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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