«Die Gotteskicker» - Christen unter Generalverdacht
Bereits im Lead wird der Grundtenor des Artikels deutlich gesetzt: «Missionieren an Schulen, Jesus-Jubel an WM – Evangelikale Gruppen nutzen die WM für Missionierung. Dazu gehört Nati-Star Rubén Vargas, der Predigten der Freikirche ICF besucht.»
Der Verdacht einer netzwerkartigen Verschwörung
In einer Demokratie müsste eigentlich möglich sein, seine persönlichen Überzeugungen frei zu äussern. Doch die Toleranz hört auf, wo die Meinungsäusserung eine Anbetung von Jesus als König umfasst (Nmecha legte nach seinem Tor gegen Curaçao symbolisch eine Krone vor Gott ab, um zu zeigen, wer sein König ist). Das führt zu derart grossen Irritationen bei den Journalisten in unseren Breitengraden, dass sie gleich eine netzwerkartige Verschwörung wittern, in der mit Sicherheit ultrareligiöses und wahrscheinlich auch homophobes Gedankengut vorherrschen muss.
Aus der Perspektive des Blick-Reporters Fabian Eberhard verfolgen Organisationen wie «Fussball mit Vision» gefährliche Strategien. In der gestrigen Ausgabe des SonntagsBlick schreibt er: «Das wachsende Netzwerk ist auch neben dem Platz aktiv. Es sucht gezielt Kontakt zu jungen Menschen in Schulen, Kirchen und Sportvereinen. Durch das Verteilen von sogenannten ‘Kicker-Bibeln’ und durch Treffen mit Profifussballern soll Jugendlichen der Glaube vermittelt werden.» Was daran bedrohlich sein soll in einer Demokratie, in der jeder seine persönlichen Überzeugungen offen vertreten darf, wird nicht weiter aufgezeigt.
ARD ging bereits vor einem Jahr nach dem gleichen Muster vor: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen warnte damals in der Tagesschau, dass einige dieser ultrakonservativen Fussballer sogar an Schulen über ihren Glauben sprechen würden. «Achtung, in manchen Fällen könnte dahinter gezielte Missionierungsarbeit stecken!»
«Framing», ein feiges journalistisches Mittel
Ganz ähnliches «Framing» (Framing, von engl. frame = Rahmen, bezeichnet die gezielte Einbettung einer Botschaft in einen bestimmten Bedeutungsrahmen. Durch die bewusste Wahl von Worten, Bildern oder Betonungen wird ein Interpretationsraster vorgegeben, das unsere Wahrnehmung, Emotionen und Urteile lenkt, ohne dass sich die eigentlichen Fakten ändern) nutzte das ZDF in der Dokumentation «Likes im Namen Gottes – wie Influencer für Freikirchen werben» (ZDF). Dort wurden die christlichen Rapper «O’Bros» sofort verdächtigt, nicht nur Musiker oder singende Prediger, sondern «Teil eines Netzwerks» zu sein, das sich für die Ausbreitung der Herrschaft Gottes einsetze. Die O’Bros würden die Massen beeinflussen und dazu bringen, christliche Werte in die Politik einzubringen. In der gleichen Doku wurde auch berichtet, dass die O’Bros am gleichen Anlass ein Konzert gaben, an dem schon der bekannte US-Prediger Bill Johnson (Bethel Church) auftrat. Und da Johnson bereits durch homophobe Aussagen in Predigten aufgefallen sei, ist nach diesem journalistischem Mittel des «Framings» völlig klar, dass auch die O’Bros ein Problem mit Homosexualität haben müssen.
Nach dieser Logik sucht der Blick auch den Fehler im Bild von Nati-Star Rubén Vargas. Dieser sei bisher nicht mit schwierigen Aussagen über LGBTQ oder Homosexualität aufgefallen. Seinen Glauben trage er aber aktiv an die Öffentlichkeit. «In Zürich besucht er Predigten von ICF. Kritiker werfen der Freikirche sektenhafte Züge und Homophobie vor. ICF weist das zurück.» Auch hier wird deutlich, wie die Blick-Redaktion mit gezieltem Storytelling Vargas in ein problematisches Licht stellt. Und schon steht er dank «Framing» im Zwielicht.
Kritische Auseinandersetzung ist erwünscht!
Natürlich gibt es auch christlich motivierte Machtansprüche und Kampagnen, die kritisch zu begutachten sind. Es gibt Vereinigungen, die das Gebet «Dein Reich komme» gerne als politisches Instrument fehlinterpretieren. Hier sollten wir dankbar sein über die Rolle der Medien, die schlechte Entwicklungen enthüllen. Die Freunde vom Zentrum Glaube & Gesellschaft der Universität Freiburg haben am vergangenen Wochenende ein hervorragendes Video auf ihrem YouTube-Kanal aufgeschaltet. Mit diesem 75-minütigem Gesprächspodcast «Christen im Visier der Medien?! Wir haben alle Fakten zusammengetragen» ist es wunderbar möglich, sich tiefer ins Spannungsfeld zu vertiefen.
Zentral ist die Frage, wie Christen in der jeweiligen Zeit ihre Überzeugung glaubwürdig leben und vertreten können. Diese Spannung, dass wir in der Welt leben, aber nicht von der Welt sind (vgl. Johannes 17,14-16), beschäftigte Jesus-Nachfolger schon immer. Deshalb können uns Berichte wie jener im gestrigen SonntagsBlick nicht überraschen. So kann ich nur mit einer Ermutigung an Rubén Vargas, Felix Nmecha & Co. enden:
Durchsäuert den Fussball-Teig weiter!
Wir leben in einer pluralistischen Gemeinschaft, die davon lebt, dass jeder seine Überzeugung einbringt. Dass gerade freiheitlich-demokratische Länder wie die Schweiz und Deutschland so empfindlich auf Glaubensbekenntnisse reagieren, zeigt, wie stark die Säkularisierung vorangeschritten ist. Andere Länder haben deutlich weniger Probleme, den Glauben prominenter Persönlichkeiten nebst anderen öffentlich geäusserten Überzeugungen zu akzeptieren.
Deshalb rufe ich Vargas, Nmecha und den anderen christlichen Fussballern gerne zu, weiter den Teig mit echt und demütig gelebtem Glauben zu durchsäuern. Wie das Gleichnis vom Sauerteig in Matthäus 13,33 schön zeigt, nimmt Gottes himmlisches Reich oft in kleinen Schritten – wie wenn nur wenig Sauerteig unter eine grosse Menge Mehl gemischt wird – ganz unscheinbar Gestalt an. Es geschieht also nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch das Wirken Gottes (Sacharja 4,6), wie es auch 1. Petrus 3,15-16 wunderbar ausdrückt:
«Ehrt vielmehr Christus, den Herrn, indem ihr ihm von ganzem Herzen vertraut. Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt. Aber tut es freundlich und mit dem gebotenen Respekt, immer darauf bedacht, ein gutes Gewissen zu haben. Denn wenn ihr ein vorbildliches Leben führt, wie es eurer Zugehörigkeit zu Christus entspricht, werden die, die euch verleumden, beschämt dastehen, weil ihre Anschuldigungen sich als haltlos erweisen.» 1. Petrus 3, 15-16 / Neue Genfer Übersetzung
Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er liebt es, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren und als Brückenbauer in der christlichen Szene zu wirken. Flo ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte er vom Radio- in den Online-Journalismus zu Livenet. 2023 hat er die Verantwortung als Livenet-CEO übernommen. Als Talkmaster, Redaktor und Redaktionsleiter Hope Schweiz bringt er seine Stimme jedoch weiterhin auf allen Livenet-Portalen ein.
Datum: 06.07.2026
Autor:
Florian Wüthrich
Quelle:
Livenet